Ein St.Galler Quartier sucht Anschluss: Wieso die IG Museumsquartier ohne Erfolg bei den Quartiervereinen anklopfte

Die IG Museumsquartier wollte den Vereinigen Quartiervereinen St.Gallen beitreten. Der VQV lehnte das aber ab. Jetzt will die IG sich anderweitig besser vernetzen.

Marlen Hämmerli
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Auf der einen Hälfte des Wieslis im Museumsquartier ist ein Haus geplant. Damit würde eine Baulücke geschlossen.

Auf der einen Hälfte des Wieslis im Museumsquartier ist ein Haus geplant. Damit würde eine Baulücke geschlossen.

Bild: Michel Canonica

Das Plakat ist vom Stadtpark aus gut zu sehen. Es hängt an einem Balkon gegenüber des Historischen und Völkerkundemuseums und fordert in farbigen Buchstaben: «Rettet das Wiesli.» Mit einer Initiative will die Interessengemeinschaft (IG) Museumsquartier verhindern, dass die Pensionskasse des Kantons (SGPK) die Wiese an der Hadwigstrasse überbaut (siehe Kasten). Gespräche mit der SGPK und der Stadt hatten zuvor zu keiner Lösung geführt.

Initiative wird geprüft

(mha) Die IG Museumsquartier will eine Zonenplaninitiative lancieren. Mit dieser will der Anwohnerverein erreichen, dass die Wiese an der Hadwigstrasse in die Grünzone umgeteilt wird. Die Pensionskasse des Kantons dürfte die Grünfläche dann nicht mehr überbauen. Der Text des städtischen Volksbegehrens liegt derzeit bei der Stadtkanzlei zur Prüfung. Wird ere genehmigt, hat das Komitee drei Monate Zeit, 1000 Unterschriften zu sammeln.

«Vor diesem Hintergrund ist uns bewusst geworden, dass eine bessere Vernetzung in der Stadt gut wäre», sagt Till Bannwart, Präsident der IG Museumsquartier. Der Anwohnerverein wollte den Vereinigten Quartiervereinen (VQV) beitreten. Doch nun hat die Hauptversammlung den Antrag deutlich abgelehnt. Im Dachverband sind die 17 Quartiervereine der Stadt organisiert. Anwohnervereine sind nicht Mitglied. «Wir haben lange diskutiert», sagt Marco Rutz, Präsident der VQV. «Die IG Museumsquartier erfüllt die Voraussetzungen zwar, befindet sich aber bereits auf dem Boden eines Quartiervereins.» Deshalb wurde der IG empfohlen, Kontakt zu diesem zu suchen.

IG Museumsquartier sucht das Gespräch

Till Bannwart sagt zum Entscheid: «Ich bin natürlich enttäuscht, weil es mein Vorschlag war, den VQV beizutreten. Aber letztlich gibt es andere Wege, sich zu vernetzen.» Die IG sucht nun das Gespräch mit dem Quartierverein Nordost-Heiligkreuz, der für das Museumsquartier zuständig ist.

Dass der VQV die Mitgliedschaft auf Quartiervereine begrenzen möchte, kann Bannwart nachvollziehen. «Anderseits hängt die Zukunft der Quartiere, ihre Lebensqualität und der soziale Zusammenhalt in grossem Masse von Faktoren ab, auf die sich Anwohnervereine fokussieren.» So geht es der IG Museumsquartier laut Bannwart ums Wohnliche. Das habe man im Vorstand der VQV einbringen wollen.

Gegründet wegen Verkehrsprojekten

Mit Wohnliches St.Georgen und dem Verein Felsenstrasse gibt es heute noch zwei weitere Anwohnervereine in der Stadt. Beide wurden wegen eines Verkehrsprojekts gegründet. In St.Georgen war geplant, die Steinach mit einer zusätzlichen Strassenfläche zu überdecken. Initiant war der Quartierverein. «Das wollten einige Bewohnerinnen und Bewohner nicht schlucken und gründeten 1987 einen Verein», sagt Susanne Schmid, Präsidentin von Wohnliches St.Georgen.

Der Verein Felsenstrasse wurde 1991 als Anwohnerverein Felsenstrasse gegründet, um ein Verkehrsprojekt zu unterstützen. Im Quartier sollte die erste Wohnstrasse (heute Begegnungszone) der Schweiz eingeführt werden, wie Präsidentin Brigitte Kemmann sagt. Damals wohnten viele Familien an der Strasse. So wurde an der Gründungsversammlung auch ein Quartierkindergarten gefordert.

Früher gab es einige Anwohnervereine mehr

In den 1990er-Jahren gab es zudem Wohnliches St.Otmar, den Anwohnerverein Heiligkreuz sowie den Anwohnerverein Gallusplatz, der später zum Quartierverein wurde. Noch mehr Anwohnervereine existierten laut dem städtischen Quartierbeauftragen Peter Bischof in den 1980er-Jahren. «Sie funktionieren ähnlich wie Quartiervereine, abgesehen davon, dass ihr Gebiet ganz klein ist.»

In der Vergangenheit habe es nur einen Anwohnerverein gegeben, der den VQV beitreten wollte: Brigitte Kemmann vom Verein Felsenstrasse entschied sich dann aber selbst dagegen. Aktuell ist Wohnliches St.Georgen sehr interessiert an einem Beitritt, wie Susanne Schmid sagt. Die Präsidentin von Wohnliches St.Georgen kennt die Geschichte der Anwohnervereine:

«Sie sind häufig entstanden als Reaktion auf die einseitige Interessenwahrnehmung der Quartiervereine.»

Diese seien traditionell vom Gewerbe dominiert und verträten eine meist bürgerliche Politik. «Die Interessen der Anwohnerinnen und Anwohner bleiben oft auf der Strecke», sagt Schmid. Sie sehe es deshalb wie die IG Museumsquartier: «Die Anwohnervereine könnten eine zusätzliche Sicht einbringen, vor allem vertreten sie auch die Interessen von Kindern und älteren Menschen im öffentlichen Raum.»