Ein Soundtrack mit Misstönen: Das «falsche» Hollywood Symphony Orchestra sorgte in Genf für rote Köpfe – nun kommt es nach St.Gallen

Beim Hollywood Symphony Orchestra, das am Donnerstag in St.Gallen auftritt, handelt es sich um ein «falsches» Orchester.

David Gadze
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In der St.Galler Tonhalle finden jährlich Dutzende Fremdveranstaltungen statt.

In der St.Galler Tonhalle finden jährlich Dutzende Fremdveranstaltungen statt.

Bild: Ralph Ribi

Wenn am Donnerstag das Hollywood Symphony Orchestra in der St.Galler Tonhalle auftritt, werden zwar Musiker auf der Bühne sein, aber nicht jene des berühmten Orchesters aus Los Angeles. Vielmehr handelt es sich um ein viel kleineres und offenbar nicht besonders gutes Ensemble mit Musikern aus Europa, welche Filmmusik von John Williams spielen. Dies hat nach dem Konzert in Genf vergangene Woche zu Kritik der Besucherinnen und Besucher geführt.

Margreth Lowe, Leiterin der Tonhalle.

Margreth Lowe, Leiterin der Tonhalle.

Konzert und Theater St.Gallen sei zwar Hauptnutzer der Tonhalle und für deren Vermietung zuständig, sagt Margreth Lowe, Leiterin der Tonhalle. «Wir haben aber den Auftrag, sie anderen Veranstaltern zur Verfügung zu stellen.» Wenn eine Anfrage eintreffe, prüfe man die Verfügbarkeit der Tonhalle am betreffenden Datum. Dabei gebe es bloss zwei Einschränkungen: Rock- und Popkonzerte sowie Erotikveranstaltungen seien nicht zugelassen. Ansonsten seien das Programm und die Qualität der Anlässe Sache des Veranstalters.

«Wir machen keine Zensur. Es steht uns nicht zu, zu werten.»

Deshalb bewerbe man Fremdveranstaltungen weder auf der eigenen Website, noch verkaufe man Tickets dafür. «Sonst fallen allfällige Reklamationen auf uns zurück, auch wenn wir nicht verantwortlich sind.»

Schaden solche Konzerte dem Ruf der Tonhalle?

Mit der Firma Euroconcerts, die das Konzert veranstaltet und seit fast 20 Jahren im Handelsregister eingetragen ist, habe man zum ersten Mal zu tun, sagt Lowe. Der Mietvertrag sei vor Monaten unterzeichnet worden.

Die Frage stellt sich aber, ob solche Veranstaltungen die Tonhalle nicht in ein schlechtes Licht rücken könnten, selbst wenn Konzert und Theater St.Gallen nicht der Veranstalter ist. Margreth Lowe sagt, dass «flüchtig negative Effekte» nicht auszuschliessen seien. Es komme jedoch zum Glück sehr selten vor, dass minderwertige Anlässe zu Reklamationen führten. Ausserdem seien die Besucherinnen und Besucher auch dafür verantwortlich, sich vorgängig über die Veranstaltung zu informieren.

«Falsche» Ensembles sind nicht grundsätzlich schlecht

Nur: Im konkreten Fall handelt es sich um ein besonders perfides Vorgehen. Wenn ein Orchester unter einem falschen Namen auftritt und der Veranstalter weder auf seiner Website noch auf jener des Ticketverkäufers – hier Ticketcorner – mit keinem Wort erfährt, dass es sich nicht um das richtige Orchester handelt, haben die Besucher praktisch keine Chance, das herauszufinden. Dies sei jedoch kaum zu verhindern, sagt Lowe. So habe vor Jahren ein Veranstalter das russische Staatsballett in der Tonhalle angekündigt, dabei sei klar gewesen, dass es sich nicht um das richtige Moskauer Ballett handle.

Solche «falschen Ensembles» müssten nicht a priori schlecht sein, sagt Lowe, die selbst jahrelang als Violinistin im Sinfonieorchester St.Gallen spielte, ehe sie die Leitung der Tonhalle übernahm. So biete die jährlich von der Herisauer Firma Domino Event veranstaltete Giuseppe-Verdi-Gala «hervorragende Sänger», die genauso gut auch am Theater St.Gallen auftreten könnten. Auch andere Orchester mit Hobbymusikern oder Musikstudenten wüssten sehr wohl zu gefallen.