Ein Schrittchen weiter am Rorschacherberger Seeuferweg: Gemeinde darf Kantonsstrasse selber planen

Der Kanton St.Gallen überträgt Rorschacherberg nach langem Hick-Hack die Planung der Churerstrasse. Diese ist im Zusammenhang mit der Realisierung des Uferwegs wichtig. Bis zum Baubeginn dauert es aber noch.

Jolanda Riedener
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Die Kantonsstrasse im Neuseeland erhält ein breites Trottoir für Velofahrer und Fussgänger.

Die Kantonsstrasse im Neuseeland erhält ein breites Trottoir für Velofahrer und Fussgänger.

Rudolf Hirtl

Was bisher geschah:

  • Rorschacherberg lässt 2015 über einen Steg abstimmen, der 100 Meter weit vom Ufer entfernt gebaut werden soll. 78 Prozent der Bevölkerung lehnen das Projekt ab.
  • Die Gemeinde führt 2016 eine Meinungsumfrage durch: 54 Prozent der Bevölkerung wünschen sich einen Uferweg im Neuseeland sowie einen Veloweg entlang der Kantonsstrasse.
  • Eine Arbeitsgruppe soll Lösungen suchen. Sie besteht aus Vertretern der Ortsparteien, des Gemeinderats, Seeanstössern, kantonalen Amtsstellen und Befürwortern des Uferwegs. Die Arbeitsgruppe schlägt einen Weg auf einer Aufschüttung am Ufer vor. Ein Ingenieurbüro arbeitet das Konzept aus. Es geht zur Vorprüfung an den Kanton.
  • Am 10. Februar 2019 stimmen die Bürger ab: Es bildet sich eine hauchdünne Mehrheit von elf Stimmen.
  • Nur Monate danach zeichnen sich Verzögerungen ab. Der Gemeindepräsident lobt den konstruktiven Austausch mit den Anstössern. Der Kanton allerdings, der für die Planung der Churerstrasse zuständig ist, misst dem Velo- und Fussgängerweg keine hohe Priorität bei.
  • Die Gemeinde sucht mehrfach erfolglos das Gespräch mit den Zuständigen beim Kanton und Regierungsrat Marc Mächler. Kantonsräte aus dem Wahlkreis Rorschach nehmen sich dem Anliegen der Gemeinde an.
  • Rorschacherberg darf als Pilotprojekt die Kantonsstrasse selber planen.

Dem Spazierweg über Aufschüttungen und Stege entlang des Ufers beim Neuseeland ist Rorschacherberg einen Schritt näher gekommen. Weil der Uferweg zwingend gleichzeitig mit dem Fussgänger- und Veloweg entlang der Churerstrasse aufgelegt werden muss – so die Auffassung des Gemeinderats – wartete man darauf, dass der Kanton mit der Planung beginnt. Bei den zuständigen Kantonalen Stellen hat die Umgestaltung der Kantonsstrasse allerdings eine geringere Priorität. Nun zeichnet sich eine Lösung aus dem Dilemma ab: Das Baudepartement überträgt die Planung des Geh- und Velowegs an die Gemeinde Rorschacherberg.

«Wir freuen uns über den Entscheid», sagt Gemeindepräsident Beat Hirs. Zusammen mit den Kantonsräten aller Parteien habe man Regierungsrat Marc Mächler und dem Kantonsingenieur bei einem Treffen diesen Vorschlag unterbreitet. «Politisch ist das nun elegant gelöst und für uns ist es eine riesige Chance», sagt Hirs. Und:

«Dranbleiben war wichtig.»

Bis hierhin war es ein langer Weg. In einem Interview im vergangenen Sommer sagte Hirs, er fühle sich vom Kanton vor den Kopf gestossen. Dass der Kantonsingenieur keinen Handlungsbedarf sehe, sei unverständlich. Nun scheinen die vielen Gespräche und das hartnäckige Nachfragen aber gefruchtet zu haben.

Kantonsräte machen Druck

Rorschacherberg darf das Strassenprojekt im Pilotbetrieb umsetzen, schreibt die Gemeinde in der aktuellen Ausgabe des Mitteilungsblatts «Rundblick». Einzig die Stadt St. Gallen plante bisher Kantonsstrassenprojekte für den Kanton. Zu verdanken sei dieser Schritt auch der grossen Unterstützung durch die regionalen Kantonsrätinnen und Kantonsräte, heisst es weiter.

Für die Umsetzung des Seeuferwegs hat sich der Altenrheiner CVP-Kantonsrat Felix Bischofberger bereits im Juli vergangenen Jahres eingesetzt. Er gelangte mit einer einfachen Anfrage an die Regierung. Kantonsräte aus dem Wahlkreis Rorschach haben darauf erneut das Gespräch mit Regierungsrat Mächler gesucht. «Wir haben einen letzten Effort an die vorliegende Lösung geleistet», sagt Bischofberger. Alle Parteien standen ausserdem geschlossen hinter dem Anliegen, was zum Erfolg führte.

Die Planung und Umsetzung des Uferwegs und des Velo- und Fusswegs könne nun beschleunigt werden, «ohne die kantonalen Ressourcen zusätzlich zu belasten oder die Prioritäten anderer kantonaler Projekte zu verändern», heisst es im Mitteilungsblatt weiter. Die Gemeinde will die beiden zusammenhängenden Projekte so bald als möglich gleichzeitig öffentlich auflegen.

Anstösser werden auch an der Churerstrasse tangiert

Vorgängig erfolgt allerdings eine Vorprüfung bei allen relevanten Fachstellen. «Normalerweise dauert ein solcher Planungsprozess ungefähr zwei Jahre bis zur Auflage», heisst es. Vor der Abstimmung zum Uferweg samt Revitalisierung nannten die Verantwortlichen den Sommer 2023 als frühest möglicher Zeitpunkt, bei dem der Weg hätte erstmals begangen werden können.

An der Churerstrasse soll das Trottoir zu Lasten der Kantonsstrasse verbreitert und zusätzlich für Velofahrer freigegeben werden. Die bestehenden Ausfahrten müssen an die neuen, verschärften Vorschriften angepasst werden. So könnten gefährliche Situationen vermieden und ein besserer Überblick geschaffen werden. Diese Eingriffe betreffen dieselben Anstösser wie beim Seeuferweg, deshalb sei hier koordiniertes Vorgehen gefragt. Der geplante Spazierweg macht das Rorschacherberger Bodenseeufer für die Öffentlichkeit zugänglich. Ausserdem soll das Ufer eine Renaturierung erfahren.

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Rudolf Hirtl