Eigenschutz der Polizisten
«Das Geschehene bleibt unbegreiflich»: Polizeisprecher Dionys Widmer erklärt, wie sich St.Galler Stadtpolizisten heute im Einsatz schützen

Wenn Polizisten auf Streife fahren, wissen sie nie, was sie erwartet. Als vor 25 Jahren der St.Galler Polizist Rudolf Himmelberger erschossen wurde, musste die Polizei vieles ändern. Dionys Widmer, Mediensprecher der Stadtpolizei St.Gallen, erklärt was sich seither geändert hat.

Raphael Rohner
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Die St.Galler Stadtpolizei setzt auf modernen Schutz.

Die St.Galler Stadtpolizei setzt auf modernen Schutz.

Bild: Raphael Rohner

Wenn jemand mitten in der Nacht die 117 wählt und Polizistinnen und Polizisten ausrücken, wissen sie nie was sie erwartet. Ebensowenig wissen sie, wie sich die Verdächtigen verhalten. Als St.Galler Stadtpolizisten vor 25 Jahren einen Einbruch bemerkten und die Verfolgung der Einbrecher aufnahmen, rechneten sie wohl nicht damit, dass auf sie geschossen würde. Sie trugen weder Schutzwesten, noch war der Aspirant bewaffnet, der im Einsatz stand. Der Fall hat in der ganzen Schweiz zu einem Umdenken im Polizeiwesen geführt.

Wenn die Polizei zu einem Einsatz gerufen wird, ...
11 Bilder
... tragen die Polizistinnen und Polizisten moderne ...
... Ausrüstung zum Eigenschutz. Ebenso tragen sie ...
... digitale Kommunikationsmittel, wie das Polycom bei sich. Damit ...
... können sie jederzeit einen Alarm auf allen Kanälen auslösen.
Der Teleskopschlagstock dient zum Schutz bei ...
... Handgreiflichkeiten und bei Tumulten. Als wichtigstes passives ...
... Mittel zum Eigenschutz tragen alle Polizisten eine Schutzweste über der Uniform. Wenn sie an einen Einbruch oder einen Raub ...
... ausrücken, haben sie schwere Westen im Kofferraum der Streifenwagen. Ebenso ...
... Schutzhelme, die kugelsicher sind. Als letztes Mittel im Einsatz, dient die ...
... Schusswaffe auch der eigenen Sicherheit.

Wenn die Polizei zu einem Einsatz gerufen wird, ...

Bild: Raphael Rohner

Dionys Widmer, Stadtpolizist und Mediensprecher der St.Galler Stadtpolizei, kennt die Gefahren im Alltag. Was hat der Vorfall bei euch ausgelöst? Hat sich was in der Arbeitsweise verändert?

Das Geschehene bleibt unbegreiflich und löst bis heute Erinnerungen und Emotionen aus. Gerade bei jenen Mitarbeitenden, welche direkt im Ereignis involviert waren oder mit unserem verstorbenen Kollegen zusammengearbeitet haben. Nebst der Einsatzbewältigung kommen in solchen Situationen - wenn jemand vom Korps selbst betroffen ist - psychische Aspekte hinzu, welchen wir als Organisation grösste Beachtung schenken müssen.

So stehen heute beispielsweise Angebote wie die Peers zur Verfügung. Dabei handelt es sich um Mitarbeitende der Stadtpolizei, welche bezüglich psychologischer Begleitung von Betroffenen speziell geschult wurden und diese Aufgabe als Nebenfunktion ausführen. Ebenso stehen weitere Angebote wie professionelle Psychologinnen oder Psychologen zur Verfügung, an welche sich betroffene Mitarbeitende jederzeit melden können.

Eine weitere Änderung, welche kurze Zeit später nach dem Vorfall vorgenommen wurde, war, dass auch Polizeiaspirantinnen und Polizeiaspiranten bereits während der Ausbildung bewaffnet unterwegs sind. Damals war dies nicht der Fall. Heute werden angehende Polizistinnen und Polizisten bereits für das Praktikum auf das Einsatzmittel der Schusswaffe geschult und sie wissen, wie der Umgang damit ist bzw. wie sie diese anwenden müssen und dürfen.

Dionys Widmer, Polizist und Mediensprecher der Stadtpolizei St.Gallen

Dionys Widmer, Polizist und Mediensprecher der Stadtpolizei St.Gallen

Bild: PD

Wie schützt man sich als Polizist auf Patrouille? Was sind da mögliche Schutzmittel?

Unsere Mitarbeitenden sind mit modernstem Einsatzmaterial ausgerüstet. Je nach Situation und immer im Rahmen der Verhältnismässigkeit wird das Material eingesetzt. Dabei darf immer nur das mildeste Mittel angewendet werden. Können wir eine Situation im Dialog lösen, so ist dies das richtige Mittel. Müssen wir Einsatzmaterial einsetzen, kann dies vom Pfefferspray, über den Einsatzstock, das Destabilisierungsgerät – auch genannt Taser, bis zum letzten Einsatzmittel – der Schusswaffe – reichen. Nebst dem Einsatzmaterial haben alle Einsatzkräfte eine persönliche Schutzweste. Weiteres Schutzmaterial wie Schutzwesten mit erhöhten Schutzklassen oder schusssichere Helme können je nach Situation behändigt werden. Der Schutz unserer Mitarbeitenden steht für uns an oberster Stelle. Dabei legen wir grossen Wert auf qualitativ gutes Material, auf die richtigen Einsatzmittel – soll heissen, für die verschiedenen Einsatzlagen entsprechend – sowie auch auf die optimale Ausbildung der Einsatzkräfte. Ein Restrisiko ist jedoch immer dabei.

Wie geht man in so einem Fall wie dem von Himmelberger heute vor?

Wie das Vorgehen in solchen Fällen ist, lässt sich nicht pauschal beantworten und ist von Fall zu Fall verschieden. Technische Hilfsmittel wie beispielsweise der Funk, mobile Arbeitsgeräte mit Zugriff auf Systeme oder die heutigen Möglichkeiten des digitalen Informationsaustausches erleichtern uns 2021 die Arbeit. Zudem verfügen wir über Alarmmöglichkeiten, um sofort Unterstützung anzufordern. Nebst modernerem Einsatzmaterial wird das taktische Vorgehen laufend den neusten Erkenntnissen angepasst und die Mitarbeitenden in regelmässigen Ausbildungen daraufhin geschult.