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Wittenbacher wehren sich gegen neue Überbauung

Die Fortimo AG will auf der Bettenwiese in Wittenbach weitere Einfamilienhäuser und Mehrfamilienhäuser bauen. Gegen das Bauprojekt gibt es Widerstand: Die IG Bettenwiese will eine Abstimmung.
Perrine Woodtli

Die vom Wasser getränkte Bettenwiese schmatzt unter den Schuhsolen. Auf der Grünfläche zwischen dem Bettenwiesenquartier und dem östlich gelegenen Bahngleis haben sich Pfützen gebildet. Tino Bentele und Monika Tobler stehen am Rand, in der Hand halten sie eine Stange mit dem Schild «3,15 m». So hoch soll die Wiese aufgeschüttet werden. Der Hügel soll 24 Einfamilien- und zwei Mehrfamilienhäusern als Baugrund dienen. Das wollen die beiden Initianten der IG Bettenwiese verhindern.

Die Immobilienfirma Fortimo AG plant auf der Bettenwiese die dritte Bauetappe der Überbauung Betten Süd. Dazu muss die Landwirtschaftszone umgezont werden. Gegen den Teilzonen- und Überbauungsplan, der 2017 auflag, gingen Einsprachen ein. Diese wurden vom Gemeinderat abgelehnt. Seit Montag ist der Plan dem fakultativen Referendum unterstellt. Dieses will die IG ergreifen.

Neue Häuser würden die bestehenden überragen

Tino Bentele und Monika Tobler wohnen beide in der alten Bettensiedlung oberhalb der Bettenwiese. Sie betonen, dass es ihnen nicht darum gehe, partout keine Häuser vor den Fenstern zu wollen. «Ich will es niemandem verwehren, hier ein Haus zu bauen», sagt Bentele.

«Aber nicht unter diesen Bedingungen.»

Die 2017 ins Leben gerufene IG hatte im Namen von 16 Anwohnern eine Sammeleinsprache eingereicht, die abgelehnt wurde. Für die Gemeinde ist diese vom Tisch. Nicht aber für die Mitglieder der IG.

Ihr grösster Kritikpunkt ist die Aufschüttung: Der Baugrund befindet sich in einem ehemaliges Moorgebiet. Bei Regen staut sich das Wasser an der Oberfläche, bei starken Niederschlägen bildet sich ein Weiher. Bei den ersten Bauetappen kam es zu Entwässerungsproblemen (siehe Zweittext). Um die Entwässerung dieses Mal sicherzustellen, will die Fortimo AG die Wiese aufschütten. Unverständlich für Bentele. Auch weil Fortimo 2011 im Planungsbericht schrieb, dass das Baugebiet gegenüber der umgebenden Bebauung deutlich tiefer liegen werde. «Mit der Aufschüttung käme ein Teil der Häuser aber höher zu liegen, als diejenigen der angrenzenden Siedlung – im schlimmsten Fall bis zu 1,5 Meter.»

Das Vorhaben widerspreche zudem dem Baureglement der Gemeinde. Darin heisst es, dass sich Bauten dem natürlichen Terrain anzupassen hätten und nicht umgekehrt.

Keller standen unter Wasser

Die ersten zwei Bauetappen mit 46 Einfamilien- und sieben Mehrfamilienhäusern wurden 2010 und 2011 realisiert. Es kam zu Entwässerungsproblemen und Keller standen unter Wasser. «Es gab Herausforderungen mit der richtigen Dimensionierung der Entwässerungsleitungen», sagt CEO Elias Zürcher. «Bei einem einmaligen Starkregen sind auch einige Keller von zwischenzeitlich erstellten Neubauten in Mitleidenschaft gezogen worden.» Nach jahrelangen Verhandlungen darüber, wer die Verantwortung trägt, besserte Fortimo nach. «Obwohl es sich um ein einmaliges, ausserordentliches Regenereignis handelte, hat sich Fortimo bereit erklärt, auf eigene Kosten zusätzlich nachzurüsten.» Fortimo hat die Nachbesserungen gemäss der IG Bettenwiese nur unter der Bedingung vorgenommen, dass die Bewohner des Bettenwiesenquartiers keine Einsprache gegen die dritte Etappe erheben dürfen. Dazu sagt Zürcher: «Anlässlich der Verhandlungen hat Fortimo von den betroffenen Eigentümern die mündliche Absichtserklärung erhalten, dass sie wegen der kulanten Zusammenarbeit bei der Bebauung der restlichen Parzellen den Bewilligungsprozess nicht unnötig behindern wollen.»

Schlechter und nasser Baugrund

Die IG befürchtet erneut Wasserprobleme. «Die alten Häuser, die am Hang liegen, befänden sich künftig in einer Mulde», so Monika Tobler. «Das Wasser fliesst dann den Hügel zu uns hinunter.» Selbst Fortimo habe im Planungsbericht festgehalten, dass der Baugrund schlecht und feucht sei, sagt Bentele.

«Die Wiese eignet sich wegen der hydrogeologischen Gegebenheiten nicht als Baugrund. Das haben die ersten zwei Bauetappen gezeigt.»

Gemeindepräsident Fredi Widmer ist anderer Meinung: «Die Etappen haben gezeigt, dass es eben möglich ist, dort zu bauen.» Aus den Entwässerungsproblemen habe man eine Lehre gezogen und sich dazu entschieden, aufzuschütten. «Die Konsequenz ist, dass die neuen Häuser höher liegen als geplant.» Wie hoch diese werden, sei zudem unterschiedlich.

Entlang der vier Meter breiten Grenze zwischen der dritten Bauetappe und der alten Siedlung sei eine Entwässerungsleitung geplant. Diese soll Wasser von der Erhöhung in den Bach leiten, der durchs Quartier fliesst. Dass es sich um eine Restfläche mit relativ nassem Untergrund handelt, sei Fortimo bewusst, sagt CEO Elias Zürcher. Es seien sorgfältige Abklärungen getroffen worden und Fortimo tätige die nötigen Vorkehrungen für eine «bedarfsgerechte Bebauung mit einwandfreier Entwässerung». Widmer ist auch der Meinung, dass das Baureglement nicht missachtet wird. «Wir sind der Meinung, dass sich die Aufschüttung im angemessenen Rahmen befindet.»

Trotz all dieser Erklärungen befürchtet die IG dennoch Probleme. Etwas, was sie ebenfalls seltsam dünkt, ist, dass mit Daniel Hojdelewicz ein Fortimo-Architekt in der Baukommission sitzt. Dieser war gemäss Widmer aber im Ausstand.

IG sammelt Unterschriften

Die IG konzentriert sich nun auf ihr Ziel: die Abstimmung. «Wir wollen, dass die Bürger über die Umzonung entscheiden.» Man spüre die Politikverdrossenheit in Wittenbach. Viele Bürger fühlen sich mit ihren Anliegen von der Gemeinde nicht ernst genommen. 400 Unterschriften sind für das Referendum nötig, bis zum 11. Januar hat die IG Zeit. Die Mitglieder sind optimistisch. «Wir müssen es einfach probieren», sagt Tobler. Etwas Gutes habe das Ganze:

«Es schweisst unser Quartier zusammen.»

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