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Dieser Text über ein Solarkraftwerk fürs Dach der Kathedrale war der 1.-April-Scherz 2019 der Stadtredaktion des «St.Galler Tagblatt». Der beigestellte Text über die Solarkirche Halden, ein schweizweites Pionierprojekt im Osten von St.Gallen, entspricht aber den Tatsachen.

Ein Projekt, das zu reden geben wird: Ein Solarkraftwerk fürs Dach der St.Galler Kathedrale

Die katholische Kirche nimmt die Anliegen der klimastreikenden Jugend ernst. Sie will daher in St.Gallen mit Solaranlagen auf Kirchendächern einen Beitrag zur nachhaltigen Energieproduktion leisten. Das erste Projekt, das nur der Schrittmacher für weitere sein soll, dürfte heftige Diskussionen auslösen.
Reto Voneschen
Die Dachlandschaft des Stiftsbezirks und der benachbarten Altstadt. (Bild: Urs Bucher (9. November 2017))

Die Dachlandschaft des Stiftsbezirks und der benachbarten Altstadt. (Bild: Urs Bucher (9. November 2017))

Offenbar hätte es eine Überraschung für den Tag der offenen Türe vom 13. April im Stiftsbezirk sein sollen. Wie der «Tagblatt»-Stadtredaktion auf Nachfrage aber jetzt schon bestätigt wurde, soll auf dem Dach der Kathedrale eine grosse Fotovoltaikanlage montiert werden.

Die Verwirklichung eines solchen Vorhabens wird mit Sicherheit eine grosse Herausforderung darstellen: Die Barockkirche gehört zum Unesco-Weltkulturerbe Stiftsbezirk St.Gallen. Und dieser Status schränkt die Möglichkeiten für bauliche Veränderungen stark ein. Der optische Gesamteindruck der Anlage darf durch so einen Eingriff nicht wesentlich verändert werden. Andernorts wurde mit Rücksicht auf das Unesco-Label auch schon auf Bauprojekte verzichtet.

Das Projekt für die Kathedrale soll nur der erste Schritt sein

Den fürs Projekt Verantwortlichen, von denen sich keiner namentlich zitieren lassen wollte, weil das Projekt noch «im Frühstadium» stecke, ist bewusst, dass das Vorhaben heikel ist. Dies einerseits wegen des Unesco-Labels, anderseits aber auch aufgrund der emotionalen Diskussionen, die solche Pläne im Kirchenvolk auslösen werden.

Mittelfristig soll auf allen katholischen Kirchendächern in St.Gallen auf nachhaltige Art und Weise Energie produziert werden. Dass im ersten Schritt gleich das schwierigste Projekt, die Fotovoltaikanlage auf der Kathedrale, realisiert werden soll, ist kein Zufall: Dieses Vorhaben soll ein Aufbruchssignal und ein Vorbild für die anderen Pfarreien und ihre Kirchen in der Stadt sein.

«Als Institution wollen auch wir einen Beitrag gegen den Klimawandel leisten», heisst es bei den Verantwortlichen. Die weltweiten Klimastreiks von Schülerinnen und Schülern in den vergangenen Wochen und Monaten seien ein Weckruf gewesen. Man dürfe das Problem der globalen Erwärmung nicht auf die lange Bank schieben.

Bereits liegt ein Entwurf für ein «Designer-Solarpanel» vor

Den Verantwortlichen der katholischen Kirche ist klar, dass es eine Allerwelts-Solaranlage für die Kathedrale nicht tun wird. Die Messlatte bezüglich Gestaltung liegt auf dem Dach des Unesco-Weltkulturerbes natürlich hoch. Entsprechend hat man sich auch etwas einfallen lassen: Das Architekturbüro «Caruso St John Architects», das bereits den neuen Altarbereich im Inneren der Kathedrale gestaltet hat, wurde beauftragt, den Entwurf für ein «Designer-Solarpanel» auszuarbeiten.

Eine Attrappe davon wurde bereits produziert und soll jetzt probehalber auf dem Dach der Kathedrale montiert werden. Dies, damit die optische Wirkung von der städtischen und der kantonalen Denkmalpflege sowie durch Beauftragte der Unesco begutachtet werden kann.

Erste Reaktionen auf den «himmlischen Strom» vom Kathedralendach fallen – wie eigentlich zu erwarten war – zurückhaltend bis ablehnend aus. Mit der Frage konfrontiert, ob es allenfalls auch möglich wäre, auf der benachbarten Stadtkirche St.Laurenzen eine speziell gestaltete Solaranlage aufzustellen, hiess es bei der Evangelisch-reformierten Kirchgemeinde St.Gallen C, dass man vom katholischen Vorhaben Kenntnis genommen habe, es als mutig einstufe und jetzt aber einmal abwarten wolle, wie die Reaktionen darauf ausfielen.

Ein ganz dezidiertes Nein zum Solarkraftwerk auf dem Weltkulturerbe kommt aus jenen Kreisen, die seinerzeit schon die Neugestaltung des Altarraums bekämpft haben. Interessant finden das Projekt linke und grüne Energiepolitiker. Auch die Solargenossenschaft St.Gallen kann sich dafür erwärmen – sofern es möglich sei, den Schutzstatus des Weltkulturerbes mit dem Aufstellen der Solaranlage in Einklang zu bringen. Nicht äussern wollte man sich angesichts des laufenden Verfahrens bei Kanton und Stadt.

Montage der Attrappe des Solarpanels für die Kathedrale heute Montag, 11.15 bis 11.45 Uhr, per Helikopter. Zu sehen sind die Arbeiten am besten vom Platz neben der Chocolaterie (Gallusstrasse 20) aus.

Verkaufen die St.Galler Stadtwerke bald «Kirchenstrom»?

Schon heute bieten die St.Galler Stadtwerke ihrer Kundschaft vier verschiedene Stromprodukte an. Sollte es tatsächlich möglich sein, Solaranlagen in grossem Stil auf katholischen Kirchendächern in der Stadt zu platzieren, könnte bald ein fünfter Strommix dazu kommen. Entschieden sei aber diesbezüglich nichts, heisst es bei den Stadtwerken. Man sei daran zu klären, wie gross der Bedarf nach einem Mix mit einem hohen Anteil Solarenergie vom Kirchendach überhaupt sei. Zwischenergebnisse deuteten darauf hin, dass es eine Nachfrage gebe, wie gross sie sei, sei aber unklar.

Wie der fünfte Strommix der Stadtwerke heissen könnte, ist auch offen. Hintenherum ist zu erfahren, dass die Bezeichnungen «Kirchenstrom Öko» gegenüber dem Begriff «Himmelsstrom Öko» favorisiert wird. Ungeklärt ist auch noch, ob Katholikinnen und Katholiken beim Bezug des Strommixes von ihren Kirchendächern bevorzugt behandelt werden dürfen, falls die Nachfrage die Menge der zur Verfügung stehenden Energie übersteigt. Ginge das nicht und müssten die Bezüger von Kirchenstrom allenfalls ausgelost werden, könnte das zu emotionalen Debatten führen (wie das Beispiel der Flade gerade zeigt).

Heute bieten die St. Galler Stadtwerke vier Arten von Strom an. «St.Galler Strom Basis» besteht aus 60 Prozent Wasserkraft, 20 Prozent Kernenergie, 10 Prozent Windenergie und 3 Prozent Solarenergie. Dazu kommt Energie aus der Wärme-Kraft-Koppelung (4 Prozent) und der Kehrichtverbrennung (3 Prozent). Noch sauberere und daher teurere Kategorien sind «St. Galler Strom Öko» und «St. Galler Strom Öko Plus».

90 Prozent der Kundschaft der Stadtwerke beziehen eines dieser Stromprodukte. Dadurch werden jährlich rund 3,3 Millionen Franken generiert, die in den Ausbau der nachhaltigen Stromproduktion fliessen. Als vierte Kategorie gibt es immer noch den «Kernstrom-Mix», der zu 100 Prozent aus Atomstrom besteht.

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