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Macht wie viele Höcker? In Lömmenschwil haben sich ein Dromedar und ein Trampeltier gekreuzt

Bei Dromedarbauer Mario Koch aus Lömmenschwil geht der Traum von Tausendundeiner Nacht weiter. Sein Hengst hat eine Trampeltierstute gedeckt. Die Kreuzung, ein weibliches Tulufohlen, ist wohlauf.
Sebastian Schneider

Sein Blubbern ist mittlerweile sehr laut. Seine Beine stellt er breit beim Futtern. Er keift mit den Wallachen und beschnuppert die Stuten. Der Dromedarhengst Sandokan markiert gerne den Chef auf dem Hof des Junglandwirten Mario Koch. «Er hat auch schon Zaunpfähle umgerannt und die Kette am Tor gesprengt», sagt der 24-Jährige, der seit Januar 2015 eine Dromedarherde im früheren Stall seines Vaters hat. In einigen Jahren will Koch die Stuten melken und Dromedar-Milch in Ostschweizer Läden liefern. Die Herde hat sich auf dem Hof in Untergerschwil bei Lömmenschwil von Anfang an wohlgefühlt, und Hengst Sandokan ist nicht nur im Herumstolzieren gut. In diesem Frühling ist das zweite Fohlen Zahira zur Welt gekommen.

Das Tulu ist gut umsorgt

Das Jungtier ist aber kein richtiges Dromedar. Sandokan hat Anfang 2017 eine Trampeltierstute gedeckt. Mario Koch ist dadurch ausserplanmässig zu einem Tulu gekommen. Zahira unterscheidet sich aber nur minimal von ihrer Halbschwester Himali, die im Vorjahr auf die Welt gekommen ist. «Dromedare haben vor dem Höcker einen Ansatz, bei Zahira gibt es keinen Übergang; sie hat einen gleichmässigen Höcker», erklärt Mario Koch. Der exotische Wurf hat ihn erfreut, zumal das Fohlen von der Herde gut aufgenommen wurde: «Sogar Himali passt auf Zahira auf.» Die beiden Fohlen teilen sich die Box mit der Trampeltier-Mamma Sheba. Sie und ein Wallach gehören nicht zu Kochs siebenköpfigen Herde, sie haben auf dem Hof Pension. Und so war es selbst für den Landwirt eine Überraschung, als er feststellte, dass Sheba trächtig war und eine Kreuzung zur Welt bringen würde. «Das habe ich eigentlich nicht geplant», sagt Koch, der hauptberuflich als Dachdecker in Mörschwil arbeitet. Denn für den Nachwuchs sind Shibam und Naomi vorgesehen. Shibam brachte Himali zur Welt, Naomi wird mit ihren fünf Jahren erst langsam ausgewachsen. Das Tulu-Fohlen nimmt Koch aber gerne als Geschenk entgegen: «Tulus können sich problemlos mit Dromedaren oder Trampeltieren fortpflanzen.» Was Koch aber besonders freut: «Es ist wieder eine kleine Stute.»

Das Tulu Zahira hat einen gleichmässigen Höcker. Auf die Welt gebracht hat sie der «Feriengast» Sheba, eine Trampeltierstute. (Bild: Urs Bucher)

Das Tulu Zahira hat einen gleichmässigen Höcker. Auf die Welt gebracht hat sie der «Feriengast» Sheba, eine Trampeltierstute. (Bild: Urs Bucher)

Die Natur gibt den Takt vor

Mario Koch weiss, dass es Zeit braucht, um Dromedar-Milchbauer zu werden. Er setzt sich auch nicht unter Druck. Von der Milch, die Shibam im vergangenen Jahr gegeben hatte, kostete er zwar, verkauft hat er die Milch aber nicht. «Ich wollte, dass Shibam gesäugt wird und Himali bei ihrer Mutter bleibt», erklärt Koch. Er wolle zuerst Erfahrungen sammeln und das Verhalten der Tiere verstehen. Dafür bekommt Koch fachliche Unterstützung vom Kamelhof Olmerswil, unweit vom eigenen Hof. Dort setzen die Tierpfleger auf Erlebnissen mit Kamelen – mit Rennen, Ausritten und Präsentationen. Die beiden Höfe arbeiten zusammen, sie konkurrenzieren sich nicht. «Ich setze in erster Linie auf die Milch und nicht auf Hoftourismus», sagt Koch.

Eine Stute gibt nach dem Wurf bis zu 1000 Liter Milch. Diese soll besonders viel Vitamin C enthalten und wird auch weisses Wüstengold genannt. Wegen der geringeren Erträge ist die Milch um ein Vielfaches teurer als Kuhmilch.

Mit den zwei Fohlen und einer friedlichen Herde sind Mario Koch schon einige Schritte Richtung Milchbauer gelungen. Sollten nächsten Frühling beide Dromedarstuten ein Junges bekommen, werde er mit Melken richtig beginnen und die Erträge verkaufen. Eile kennt Koch aber nicht. Wenn das Geschäft in den nächsten zwei bis fünf Jahren beginnen kann, ist er zufrieden. Und mit Rauchschwalben im Dromedar-Stall, neugierigen Kätzchen und anhänglichen Hunden hat er sich ohnehin schon eine Oase geschaffen.

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