Der Gossauer Schulleiter der ersten Stunde geht in Pension

Martin Keller war einer der ersten Schulleiter Gossaus. Während 42 Jahren war er Manager und Pädagoge zugleich. Nun verabschiedet er sich in den Ruhestand.

Herbert Bosshart
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Schulleiter Martin Keller geht Ende Januar in Pension. (Bild: Thomas Hary)

Schulleiter Martin Keller geht Ende Januar in Pension. (Bild: Thomas Hary)

Über 18 Jahre ist es her, seit als Folge der geänderten Vorgaben des Kantonalen Lehrplanes 95 jedes Schulhaus der Schule Gossau von einem Schulleiter geführt wird. Martin «Tino» Keller gehörte im Sommer 2000 zu den acht Schulleitern, die diese neue Aufgabe übernommen haben.

Ende dieses Monats geht Keller als erster dieser Gossauer Pionier-Schulleiter-Generation in Pension. «Die Schule Gossau war über die 42 Jahre immer ein sehr guter Arbeitgeber», sagt Keller und erklärt damit auch die Tatsache, dass er nie den Arbeitgeber gewechselt hat. Gewechselt hat er jedoch seine Funktion – vom Klassenlehrer zum Schulhaus-Vorsteher und dann zum Schulleiter.

Aufgewachsen in Rheineck, Flawil und ab dem zehnten Lebensjahr in Gossau, besuchte Martin Keller nach der Primarschule die Flade in St.Gallen und das Lehrerseminar in Rorschach. «Als Knabe wollte ich Pilot werden. Technik und Mechanik haben mich immer fasziniert», so Keller. «Doch die gekonnte Werbung von Semi-Rektor Schönenberger und die meiner drei Schwestern, die ebenfalls Lehrerinnen sind, gaben dann den Ausschlag für meinen Entscheid, Lehrer zu werden.»

Schule ja, aber nicht «nur» Lehrer

Nach Abschluss des Lehrerseminars und der Rekrutenschule übernahm Martin Keller Ende 1976 diverse Lehrer-Stellvertretungen, unter anderem auch in Realklassen im Schulhaus Hirschberg. Als im Sommer da­rauf eine Stelle auf der Mittelstufe im Schulhaus Othmar frei wurde, bewarb er sich. Die nächsten 15 Jahre unterrichtete Keller im Othmar-Schulhaus und wirkte dort auch als Vorsteher. 1992 wechselte er im Rahmen einer Umorganisation mit seiner Klasse ins Hirschberg-Schulhaus.

Als dann 2000 in Gossau das Schulleiter-System eingeführt wurde, zögerte Keller nicht lange. «Es war mir schon früh in meinem Berufsleben klar, dass ich nicht bis 65 Lehrer bleiben wollte. Schule ja, aber nicht ‹nur› als Lehrer. Deshalb habe ich auch in den 1990er-Jahren berufsbegleitend die Ausbildung als Personalassistent absolviert.» Als sich die Möglichkeit bot, Schulleiter zu werden, nutzte er die Chance.

Bei der Einführung des Schulleiter-Systems wurde für jedes Gossauer Schulhaus eine Lehrperson benannt, die das Team leitete und gleichzeitig noch im Teilpensum unterrichtete. Martin Keller teilte sich im Schulhaus Hirschberg anfänglich mit Christina Thöny den Führungsjob. Ab 2007 war Keller alleiniger Chef im Hirschberg. Anfangs

2010 erfolgte ein Systemwechsel. Das Pflichtenheft der Schulleiter wurde neu definiert, ihre Aufgaben und Pflichten erweitert. Neu war Keller in einem Vollpensum als Schulleiter für die beiden Schulhäuser Gallus und Hirschberg zuständig. Zudem übernahm er die Klasseneinteilung sowie die Zuteilung der Kinder auf die Kindergärten und die Elternbildung als Zusatzaufgaben für die ganze Gossauer Primarschule.

Manager und Pädagoge zur gleichen Zeit

Die Aufgabe als Leiter zweier Schuleinheiten sei anstrengend und zeitintensiv. Es gelte, die beiden Schulhäuser operativ zu leiten und zu organisieren, nach oben und unten, innen und aussen zu vertreten. «Als Schulleiter ist man in erster Linie Manager, aber gleichzeitig auch Pädagoge», sagt Keller. «Man muss wissen, wie gute Schule geht. Da ist es von Vorteil, wenn man früher selbst Lehrer war. Man hat so mehr Verständnis für die Probleme und Nöte der Lehrpersonen, Schüler und Eltern.»

Den Wechsel in die Vorgesetztenfunktion hat Martin Keller nie bereut. «Anfänglich war es nicht einfach, Vorgesetzter der bisherigen Kolleginnen und Kollegen zu sein. Doch die Akzeptanz hat sich Jahr für Jahr verbessert.» Und wenn er jetzt in Pension geht, verabschiedet er sich von zwei «tollen Teams». In den letzten Jahren habe er mit ihnen zahlreiche schöne Erlebnisse gehabt. «In Erinnerung bleiben die gemeinsamen Anlässe und die verbindenden Emotionen.»

Martin Keller wird im nächsten Dezember 65 Jahre alt. Mit dem 1. Februar 2019 geht er «leicht frühzeitig» in Pension. Vor dem Pensionierungsloch hat er keine Angst. «Ich kann die Schule gut loslassen. Zudem habe ich viele Interessen: als Gasthörer Vorlesungen in Geschichte und Kultur besuchen, das Auffrischen von Englisch und Französisch, oder etwa das Neulernen von Italienisch sowie Reisen.» Es werde ihm als Pensionist sicher nicht langweilig. Und schliesslich sei er als doppelter Zwillingsvater und «viereinhalbfacher» Grossvater auch familiär gefragt.

Andere Erziehung, neue Schulfächer

Ob sich die Schule in seinen 42 Jahren als Schularbeiter verändert habe? «Natürlich, die Schule hat sich sehr verändert, wie sich auch die Gesellschaft ändert. Sie ist multikulturell geworden und in den jungen Familien verschwinden die traditionellen Rollen.» Verändert habe sich auch die Erziehung. Von «Laissez-faire» bis zur Überbehütung sei alles zu beobachten. Früher sei die Kindererziehung «homogener, einheitlicher» gewesen. Ausserdem seien neue Fächer wie Französisch, Englisch, Medien und Informatik dazugekommen. Demzufolge musste der Lehrplan immer wieder angepasst werden. «Und so hat sich auch die Aufgabe der Schule gewandelt. Sie musste und muss neue Wege finden. Es gilt, die Entwicklungen positiv zu sehen und das Wirken der Schule entsprechend anzupassen.»