Naturschutz
Unken-Retter aus Leidenschaft: Wieso Jonas Barandun in Tübach ein Paradies für die giftigen Amphibien geschaffen hat

In der Schweiz hat die Gelbbauchunke viele ihrer Lebensräume verloren: Kleingewässer und Feuchtgebiete. Daher gilt sie auch regional als stark gefährdet. Damit die Gelbbauchunke in der Region am See überleben kann, ist sie auf Tümpel und im Wald liegendes Totholz angewiesen. Aus diesem Grund wurden als Ergänzung für das Goldacher Gebiet Schuppis in Tübach neue Laichgewässer für Amphibien erstellt.

Rudolf Hirtl
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Jonas Barandun, kantonaler Beauftragter für Amphibienschutz, vor dem neu angelegten Folienteich in Tübach. Im gefüllten Betonschacht davor haben sich bereits Gelbbauchunken niedergelassen.

Jonas Barandun, kantonaler Beauftragter für Amphibienschutz, vor dem neu angelegten Folienteich in Tübach. Im gefüllten Betonschacht davor haben sich bereits Gelbbauchunken niedergelassen.

Bild: Rudolf Hirtl

Die Pferde bei der Aachmühle in Tübach schauen neugierig, als Christoph Lehner seine Gäste über die Wiese hinunter zur Goldach in ein kleines Birkenwäldchen führt. Die Bäume mit den typischen weissen Stämmen und den sich bereits herbstlich färbenden Blättern hat der Landwirt und Reitstallbesitzer aus sentimentalen Gründen angelegt, wie er mit einem Schmunzeln einräumt.

Christoph Lehner

Christoph Lehner

Bild: Rudolf Hirtl

«Ich habe drei Jahre in den USA gelebt und bin dort oft in den Rocky Mountains durch die riesigen Birkenwälder geritten, nicht selten begleitet von Elchen. Diese wunderbaren Erinnerungen wollte ich hierherholen.»

Land für Amphibienprojekt zur Verfügung gestellt

Dass er ein Herz für Tiere hat, zeigt sich auch am Rand des Wäldchens, wo er schon seit Jahren ein kleines Vorkommen von Gelbbauchunken pflegt. Als Jonas Barandun, kantonaler Beauftragter für Amphibienschutz, davon hörte, brauchte dieser keine grosse Überredungskunst, um den Landwirt von seinem Projekt zu begeistern. Auf den von Christoph Lehner zur Verfügung gestellten Grundstück wurden daher in den vergangenen Wochen spezielle Gewässer zur Förderung der stark gefährdeten Gelbbauchunken und Teichmolche angelegt. Neben einem Teich drei mit Wasser gefüllte Betonschächte und eine Feuchtstelle auf einer Lehmverdichtung.

Thannäckerstrasse für Kleintiere untertunnelt

Der Grund für das Anlegen des Amphibienlaichgebiets Aachmühle ist laut Jonas Barandun im Naturschutzgebiet Schuppis in Goldach zu finden, ein Amphibienlaichgebiet von nationaler Bedeutung mit acht Amphibienarten. «Nachdem ein Randbereich des Laichgebietes überbaut wird und mit einer Durchgangsstrasse neu erschlossen wurde, hat sich die isolierte Situation des Schutzgebietes noch verschärft», so der Fachmann.

Unken gelten als wanderfreudig und können neue Lebensräume über mehrere Kilometer hinweg besiedeln.

Unken gelten als wanderfreudig und können neue Lebensräume über mehrere Kilometer hinweg besiedeln.

Bild: Rudolf Hirtl

Um diese Einschränkungen zu kompensieren, habe man sich entschlossen, einen Korridor zu schaffen, damit sich die Amphibien besser ausbreiten und verteilen könnten. Dafür seien eine Vernetzung zur Goldach sowie zusätzliche Laichgewässer erforderlich. An der neu ausgebauten Thannäckerstrasse wurde zudem ein Kleintierleitwerk gebaut, damit Tiere nicht überfahren werden.

In Tunneln unter der Thannäckerstrasse können Amphibien gefahrlos in Richtung Goldach wandern.

In Tunneln unter der Thannäckerstrasse können Amphibien gefahrlos in Richtung Goldach wandern.

Bild: Rudolf Hirtl

Geschütztes Gebiet ist nicht öffentlich zugänglich

Vom neuen Laichgebiet profitieren in erster Linie Gelbbauchunken. Sie haben die Wasserstellen bereits besiedelt. Daneben ist laut Jonas Barandun auch eine Besiedlung durch Grasfrösche, Wasserfrösche und Bergmolche zu erwarten. Angestrebt wird auch eine Besiedlung durch Teichmolche.

Gefährdungsstatus der Gelbbauchunke

Gelbbauchunken werden auf der Roten Liste der Amphibien der Schweiz als stark gefährdet geführt. Das grösste Problem für diese Tierart ist der Verlust ihres Lebensraums. Die Trockenlegung von Feuchtgebieten, die Kanalisierung der Fliessgewässer und die Intensivierung der Landwirtschaft hat ihr Vorkommen stark reduziert. Ursprünglich besiedelten Gelbbauchunken auch siedlungsnahe Standorte, beispielsweise mit Wasser gefüllte Fahrspuren auf landwirtschaftlich genutzten Flächen oder in Wäldern.

Das Gebiet bei der Aachmühle wird als Naturschutzgebiet gesichert. Der Folienteich wird laut Barandun in den kommenden fünf Jahren so stark verwachsen sein, dass Pflegemassnahmen nötig werden. «Aus diesem Grund haben wir einen Schieber eingebaut, um das Wasser für eine effiziente Reinigung ablassen zu können.» Der Verantwortliche für Amphibienschutz hofft, dass in den kommenden Jahren auch wieder vermehrt Rufe des in der Region sehr selten gewordenen Laubfrosches zu hören sein werden. In drei Jahren wird Bilanz gezogen über das Bauwerk und die Entwicklung der Tiervorkommen. Eventuelle zusätzliche Massnahmen, etwa eine Leitung, die Wasser zum Teich führt, würden dann nachträglich umgesetzt.

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