Mit Abwasser heizen - knapp zwei Millionen Franken kostet ein neues Wärmeverbund-Projekt in Thal

Die Gemeinde Thal hat über das Projekt Wärmeversorgung Buriet orientiert. Am 9. Februar entscheiden die Stimmbürger.

Ralf Rüthemann
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Gemeindepräsident Felix Wüst und Spezialisten informierten die Thaler Bevölkerung über ein neues Wärmeverbund-Konzept.

Gemeindepräsident Felix Wüst und Spezialisten informierten die Thaler Bevölkerung über ein neues Wärmeverbund-Konzept.

Bild: Ralf Rüthemann

Schon bald ist Schluss mit dem Wärmebezug aus der Holzschnitzelfeuerungsanlage im Werkhofareal des Nationalstrassenunterhalts – die Anlage hat ausgedient. In den vergangenen Jahren wurde deshalb nach neuen Lösungen gesucht. «Wir haben verschiedene Varianten geprüft», sagt Projektleiter Beat Bosshart vom Ingenieurbüro für Energietechnik Rorschach. Bei der gemäss Bosshart sinnvollsten Lösung soll die Wärme für die Gebiete Wisental, Röteli, Ägetli, Industrie Hegi und Buriet südlich der Bahnlinie über neue Leitungen von der Abwasserreinigungsanlage Altenrhein bezogen werden.

Diese Wärme setzt sich in erster Linie aus Energie mittels Wärmepumpen aus dem gereinigten Abwasser, aber auch aus überschüssiger Abwärme des Betriebs zusammen. Das Projekt soll schliesslich einen Anteil von etwa fünf Prozent des Wärmebedarfs der Gemeinde Thal haben.

Über dieses anstehende Projekt hat die Gemeinde Thal am Donnerstagabend informiert. Ziemlich genau zur Hälfte war der Saal im evangelischen Kirchgemeindehaus gefüllt. Der neue Thaler Gemeindepräsident Felix Wüst und die zuständigen Fachleute standen der Bevölkerung Rede und Antwort. Das Projekt ist in der Planung schon fortgeschritten, das letzte Wort hat jedoch die Bevölkerung am 9. Februar an der Urne.

Der Zeitplan ist dicht

Stimmen die Bürger dem Projekt zu, soll im Frühling bereits mit dem Bau der Transitleitung von der Abwasserreinigungsanlage bis ins Gebiet Hegi begonnen werden. «Ist dieser Zeitplan realistisch?», wurde aus dem Publikum gefragt. «Wir haben mit den betroffenen Grundeigentümern vorgängig bereits gesprochen und es sieht gut aus», versichert Beat Bosshart. Bereits im kommenden Oktober soll die Anlage schliesslich in Betrieb genommen werden. Und wenn die Bevölkerung nein stimmt? «Das wissen wir noch nicht, was dann geschieht», sagt Bosshart.

Der Geschäftsführer des Abwasserverbands Altenrhein, Christoph Egli, erklärte dem Publikum auch noch die technischen Details zur Energiegewinnung. Zudem beteuerte er, dass aus der Sicht des Abwasserverbands Altenrhein nicht der finanzielle Gewinn durch dieses neue Projekt im Vordergrund steht. «Es ist ein ökologisches getriebenes, kein ökonomisches Projekt», sagt Egli. «Wir sind schliesslich noch immer eine Abwasserreinigungsanlage.»

Knapp zwei Millionen Franken

Die Kosten des Projekts belaufen sich auf insgesamt 2,2 Millionen Franken. Abzüglich der Anschlussbeiträge und den voraussichtlichen Fördergeldern des Kantons ergibt sich für die Gemeinde laut Felix Wüst eine Nettoinvestition von etwa 1,97 Millionen Franken. «Die Finanzierung erfolgt aber über die Spezialfinanzierung Wärmeversorgung Thal», erklärt Wüst. «Das ganze Projekt ist losgekoppelt vom normalen Gemeindehaushalt.» Die Finanzierung soll mittels der Betriebsgebühren der angeschlossenen Objekte innerhalb der Anlagenlebensdauer gedeckt werden.