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Kommentar

Ein neues Zeitalter für den ÖV in der Stadt St.Gallen

Leitartikel zum neuen Buskonzept in der Stadt St.Gallen.
David Gadze
Kopfsalat - David Gadze, Redaktor Stadt St. Gallen

Kopfsalat - David Gadze, Redaktor Stadt St. Gallen

Wenn am Sonntag in der Schweiz der neue Fahrplan gilt, bricht beim öffentlichen Verkehr in der Stadt St.Gallen ein neues Zeitalter an. Denn für die Verkehrsbetriebe St.Gallen ist der Fahrplanwechsel zugleich ein Systemwechsel, wie es ihn in den vergangenen über 40 Jahren seit der Eröffnung des Bahnhofplatzes nicht mehr gegeben hat. Die VBSG haben ihr Busnetz praktisch komplett neu gesponnen.

Das neue Buskonzept bringt für die ÖV-Nutzerinnen und -Nutzer in der Stadt viele Vorteile. Von St.Georgen entsteht eine attraktive Verbindung an den Marktplatz und weiter in Richtung Heiligkreuz. Auch Haggen erhält dank der Weiterführung der Linien vom Hinterberg und vom Wendeplatz Stocken ins Neudorf zwei zusätzliche Direktverbindungen in die Altstadt. Das Schoren-Quartier ist künftig besser an den Hauptbahnhof und an die Innenstadt angebunden. Dasselbe gilt für Rotmonten. Und die ganze Achse vom Heiligkreuz bis zum Säntispark wird gestärkt.

Ein zusätzlicher Gewinn für den öffentlichen Verkehr in der Stadt St.Gallen ist die Durchmesserlinie der Appenzeller Bahnen. Durch die Verknüpfung der Teilstrecken von St.Gallen nach Appenzell respektive nach Teufen schafft sie ab dem Fahrplanwechsel eine attraktive innerstädtische Verbindung zwischen dem Riethüsli, dem Hauptbahnhof, dem Marktplatz und der Notkersegg. Wenn Mitte März die Umstellung auf den 15-Minuten-Takt erfolgt, erhält St.Gallen so etwas wie ein Tram. Und falls die Durchmesserlinie den Verkehr aus dem Appenzellerland mindert, profitiert die Stadt gleich doppelt.

Wo es Gewinner gibt, sind auch Verlierer

Wo es Gewinner gibt, gibt es in der Regel auch Verlierer. Das ist auch beim neuen Buskonzept der Fall. Während einige Quartiere einen besseren Takt bekommen, verschlechtert er sich in anderen. Mancherorts sind die Verschlechterungen weniger stark spürbar, andernorts mehr.

In einem so komplexen System allen Wünschen und Idealvorstellungen gerecht zu werden, ist ein Ding der Unmöglichkeit.

Dennoch ist dieser punktuelle Leistungsabbau mehr als ein Schönheitsfehler, über den man einfach hinwegsehen kann. Wenn er auf einzelnen Linien mit direkt zusammenhängenden Verbesserungen einher geht oder gar dadurch bedingt ist, ist das eine Sache. Eine andere Sache ist es jedoch, wenn er isoliert passiert. Das ist ein falsches Zeichen.

Stadt und Kanton wollen die Bevölkerung zum Umstieg vom motorisierten Individualverkehr auf den öffentlichen Verkehr bewegen. Folglich ist nicht nur die Stadt, sondern auch der Kanton als wichtigster Besteller des Angebots in der Pflicht. Gerade weil das innerstädtische
S-Bahn-Angebot auf der Achse Winkeln–Hauptbahnhof mangelhaft ist, ist die Kantonshauptstadt auf ein leistungsfähiges und entsprechend hoch getaktetes Busnetz angewiesen, auch in der Agglomeration. Der Städtevergleich zur Mobilität stellt St.Gallen zwar ein insgesamt gutes Zeugnis beim öffentlichen Verkehr aus – insbesondere beim Busangebot.

Weitere Verbesserungen sind notwendig

Doch es mangelt dem städtischen Busnetz stellenweise an Attraktivität, insbesondere bei der Taktdichte. Und zwar nicht nur abseits der Hauptverkehrsachsen, sondern punktuell auch auf diesen. So mussten die VBSG trotz neuer Linien und leichter Verbesserungen am Fahrplan in den vergangenen Jahren mehrfach einen Passagierrückgang hinnehmen.

Das deutet zumindest darauf hin, dass die Bevölkerung ein besseres Angebot wünscht. Und das bestehende nicht nutzt, solange die Verbesserungen nicht spürbar sind.

Dass sich nun auf einigen Linien der Takt verbessert, ist erfreulich. Dass er gleichzeitig auf anderen Linien schlechter wird, macht den öffentlichen Verkehr in jenen Stadtteilen nicht attraktiver – zumindest nicht ohne gleichzeitige Verbesserungen.

Das neue Buskonzept trägt ohne Frage zur Attraktivitätssteigerung des städtischen Busnetzes bei. Weitere Verbesserungen sind folglich aber notwendig. So würde beispielsweise ein 6-Minuten-Takt auf den neuen Linien zwischen dem Heiligkreuz und dem Säntispark die ganze Achse stärken. Gleichzeitig würden Abtwil und Wittenbach einen höheren Takt erhalten.

Elektrisch betriebene Busse sind die Zukunft

Der nächste grosse Schritt erfolgt in zwei Jahren mit der Inbetriebnahme der Batterie-Trolleybusse auf drei Linien. Damit brechen die VBSG in ein neues Zeitalter auf, das die Ablösung von fossilen Energien bei ihrer Busflotte einleiten soll. Stadt und Verkehrsbetriebe haben die Devise ausgegeben, bei künftigen Ersatzbeschaffungen keine Dieselbusse mehr kaufen zu wollen. Das ist konsequent und richtig. Es entspricht den klimapolitischen Zielen, die sich die Stadt in ihrem Energiekonzept auf die Fahnen geschrieben hat. Entsprechend muss sie mit gutem Beispiel vorangehen.

Und die Entwicklung bei der Batterietechnik hat in den vergangenen Jahren grosse Fortschritte gemacht und dürfte auch weiterhin Verbesserungen erzielen, die neue Möglichkeiten eröffnen. Wenn die VBSG in ein paar Jahren die nächsten Busse ersetzen müssen, sind neue rein elektrische Lösungen durchaus denk- und erwartbar.

Unter dem Strich muss man festhalten, dass die Verkehrsbetriebe St.Gallen dank des neuen Buskonzepts auf einem guten Weg sind. Die Verantwortlichen haben sehr viel richtig, ja sehr gut gemacht. Und angesichts des bestellten Angebots haben sie aus den sich durch all die Umstellungen ergebenden Optionen vermutlich das Maximum herausgeholt. Nun gilt es, dieses Maximum immer wieder neu zu definieren.

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