Ein Nachmittag lang Gas geben auf der Motocrosspiste Bernhardzell

Aus der ganzen Deutschschweiz kommen jeden Samstag Motocrossfahrer nach Bernhardzell. Auch Sebastian Vettel fuhr hier schon Quad.

Fynn Wohlgensinger
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Das Knattern und Brummen der Motoren ist schon von weitem zu hören. Lärm machen sie ganz schön viel, die Motocross-Bikes der rund 50 Fahrer, die sich am Samstagnachmittag an der Motocrosspiste Grünberg auf halber Strecke zwischen Engelburg und Bernhardzell versammelt haben.

Aus diesem Grund darf die Strecke auch nur am Samstagnachmittag während zwei genau vorgeschriebenen Zeitfenstern benutzt werden. Das sei mit der Gemeinde Waldkirch so vereinbart, sagt der Betreiber Hans Forrer.

Alle Fahrer halten sich diszipliniert an die vorgeschriebenen Zeiten. Disziplin und Rücksicht ist auch auf der Piste wichtig, gerade weil Fahrer unterschiedlichen Könnens und Alters gleichzeitig auf der Motocrossstrecke unterwegs sind. «Es ist immer eine Aufsichtsperson vor Ort, wenn gefahren wird. Einschreiten müssen wir aber nur selten. Die allermeisten Fahrer sind rücksichtsvoll und kennen ihre Grenzen», sagt Forrer.

Trotz Disziplin und Schutzkleidung ist dieser Sport nicht ungefährlich. Ein gebrochenes Schlüsselbein oder Beinbrüche seien auch auf seiner Strecke schon vorgekommen.

Ein richtiges kleines
 Fahrerlager

Fast alle fahren an diesem Nachmittag mit reinen Motocross-Motorrädern, die nicht für die Strasse zugelassen sind. Das heisst, die Bikes müssen mit einem Kleintransporter zur Rennstrecke gebracht werden. So bildet sich auf dem Parkplatz vor der Trainingsstrecke ein kleines Fahrerlager aus Lieferwagen und selbst mitgebrachten Campingstühlen.

Hier werden noch die letzten Einstellungen an den Maschinen vorgenommen und die Pausen mit Fachsimpeln über Streckenbedingung oder technische Details verbracht. An den Nummernschildern der Transporter ist zu erkennen, dass heute Fahrer aus der ganzen Deutschschweiz und auch aus dem angrenzenden Ausland angereist sind.

Ein junges Paar aus Islikon, Thurgau, bereitet sich gerade auf den nächsten Trainingseinsatz vor. Er fährt bereits seit 10 Jahren Motocross und konnte vor drei Jahren auch seine Freundin für diesen Sport begeistern. Ein- bis zweimal pro Monat fahren sie auf dieser Strecke: «Die Piste eignet sich auch sehr gut für weniger erfahrene Piloten, sie ist breit genug, um die Sprünge zu umfahren und für schnellere Fahrer zum Überholen.»

Dominik und Andi, zwei Freunde aus Uznach und Benken, sind jeden Samstag hier anzutreffen, «wenn das Wetter stimmt». Dominik ist früher Strassenrennen gefahren: «Motocross ist für mich aber die Königsdisziplin des Motorradsports, das Fahren auf dem losen Untergrund ist sehr anspruchsvoll.»

Zwei Piloten fallen 
besonders auf

Zurück auf der Piste geben mittlerweile gut 30 Fahrer gleichzeitig Gas, bremsen und springen. Zwei Piloten fallen besonders auf. Der eine ist der 9-jährige Nando aus dem Kanton Schwyz. Mit seinem kleinen 50-ccm-Bike fährt er unerschrocken zwischen den Erwachsenen, die mit bis zu 450-ccm-Maschinen unterwegs sind. Am allerbesten an dieser Strecke gefielen ihm die Sprünge, sagt der Schüler keck.

Der zweite hervorstechende Fahrer hat die Nummer 402 auf seinem Shirt aufgedruckt. Er ist am schnellsten unterwegs und nimmt als einziger Fahrer auch den mit knapp 20 Metern grössten Sprung der Strecke in einem Satz. Nummer 402 ist Andreas aus Oberegg, der auch wettkampfmässig Motocross fährt und für sein Training heute zum Grünberg gekommen ist. «So nah, gibt es sonst keine Möglichkeit zum Trainieren», meint er.

Betreiber wollte sich seine eigene Trainingspiste bauen

Das war auch der Grund, wieso Hans Forrer 1978 die Motocrosspiste Grünberg in Eigenregie gebaut hat. «Ich war selber Motocross-Fahrer, musste zum Trainieren aber immer nach Deutschland oder Österreich ausweichen», sagt er. Heute fahre er nicht mehr, trotzdem opfere er jede Woche einige Stunden für die Instandhaltung der Motocross-Strecke.

Geld verdiene er damit unter dem Strich keines, im Gegenteil. «Wir haben Fahrer von 5 bis über 80 Jahre. Ihnen das Hobby Motocross mit meiner Strecke zu ermöglichen, ist der schönste Dank für die Mühen», sagt Hans Forrer. Und nicht nur eingefleischte Töfffahrer zieht es nach Bernhardzell: «Ab und zu sind sogar prominente Rennfahrer auf der Piste anzutreffen. Zum Beispiel Formel-1-Weltmeister Sebastian Vettel, der die Strecke mit einem Quad gefahren ist.»