Olma Messen bauen Riesenhalle:
Ein Meilenstein für die Kongressstadt St.Gallen

Mit der grössten stützenfreien Messe- und Eventhalle der Deutschschweiz wollen die Olma Messen die Kongressstadt St. Gallen einen grossen Schritt weiterbringen. Dies, während andere in der Branche im Existenzkampf sind.

Daniel Wirth
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Die geplante Olma-Halle 1: 150 Meter lang, 62 Meter breit, 14 Meter hoch. Visualisierung: Ilg Santer Architekten)

Die geplante Olma-Halle 1: 150 Meter lang, 62 Meter breit, 14 Meter hoch. Visualisierung: Ilg Santer Architekten)

Die MCH Group (Messe Schweiz) ist im Existenzkampf: Ihre Publikumsmessen Züspa und Comptoir Suisse locken je länger, je weniger Besucher an. Die Uhren- und Schmuckmesse Baselworld ist am Darben. Die Mustermesse Basel (Muba) ist nach 103 Durchführungen passé.

Stadtpräsident Thomas Scheitlin.

Stadtpräsident Thomas Scheitlin.

Und die Olma Messen? Sie stehen quer in der Landschaft – im positiven Sinn: Quasi antizyklisch investieren sie 133,4 Millionen Franken in eine neue Halle. Stadt und Kanton St. Gallen steuern zusammen 30 Millionen Franken bei für eine Überdachung der Autobahn A1, dem sogenannten Olma-Neuland, auf dem die neue grosse Halle 1 nach Plänen des Zürcher Büros Ilg Santer Architekten bis 2024 zu stehen kommen soll («Tagblatt» von gestern).

Thomas Scheitlin, St. Galler Stadtpräsident und von Amtes wegen Präsident der Genossenschaft Olma Messen, sagt, im Gegensatz zu anderen in der Schweiz hätten die zwei grössten Ostschweizer Publikumsmessen Olma (Schweizer Messe für Landwirtschaft und Ernährung) und Offa (Frühlings- und Trendmesse) sowie die Fachmesse «Tier & Technik» stabile Besucherzahlen.

Halle soll St.Gallen viele neue Möglichkeiten eröffnen

Das habe damit zu tun, dass die Messeleitungen bemüht seien, den Besucherinnen und den Besuchern Begegnungen und Erlebnisse und den Ausstellern Begegnungen zu bieten. Scheitlin ist überzeugt: «Die Investitionen in die neue Halle 1 werden sich lohnen.»

Sie eröffne den Olma Messen ganz neue Möglichkeiten. Zum einen könnten grössere Kongresse als heute durchgeführt werden, zum anderen mehrere kleine oder mittelgrosse gleichzeitig, was heute nicht möglich sei. Als unmittelbare Mitbewerber bezeichnet Scheitlin Dornbirn in Vorarlberg und Friedrichshafen in Baden-Württemberg. Mit ihnen bewege sich St. Gallen heute auf Augenhöhe.

Mit der neuen 9000-Quadratmeter-Halle würden die Messestandorte rund um den See überholt. Scheitlin legt Wert darauf, dass die grösste stützenfreie Messe- und Eventhalle multifunktional wird. Was kann darin stattfinden, was heute nicht in St.Gallen stattfindet?

Es gab Absagen wegen der Platzverhältnisse

Olma-Direktor Nicolo Paganini sagt, er könne noch keine neuen Veranstaltungen akquirieren, solange keine Baubewilligung für die neue Halle vorliege. Ohne etwas versprechen zu wollen, sagt Paganini, sei vorstellbar, dass dereinst Runden im Davis Cup, des wichtigsten Mannschaftswettbewerbs im Tennis, in St.Gallen ausgetragen werden könnten. Paganini denkt aber auch an Konzerte von Bands mit bis zu 10'000 Zuhörern oder an Auftritte bekannter Comedians.

Olma-Direktor Nicolo Paganini.

Olma-Direktor Nicolo Paganini.

St. Gallen hatte sich auch um die Austragung der nationalen Berufsmeisterschaften 2022 bemüht. Ohne Erfolg. Den Zuschlag bekam wieder Bern. Der Stiftungsrat von Swisskills habe St. Gallen nicht zuletzt einen Korb gegeben, weil die Platzverhältnisse auf dem Olma-Areal zu knapp seien, sagt Paganini. «Mit der neuen Halle 1 haben wir bessere Chancen, bei Veranstaltung von der Grösse der Swisskills berücksichtigt zu werden.»

Tourismusdirektor spricht von glücklicher Fügung

Wie Scheitlin sagt auch Paganini, dass ab 2024 mehrere kleinere und mittelgrosse Kongresse gleichzeitig durchgeführt werden könnten. «Wir mussten in jüngster Zeit die eine oder andere Veranstaltung ablehnen», sagt der Olma-Direktor.

Er sagt, dass die neue Halle nicht nur für die Olma Messen, sondern insbesondere für die Stadt, aber auch für die Region von Bedeutung sei. St. Gallen könne sich als Kongressszentrum entwickeln.

Einer, der ins gleiche Horn stösst wie Paganini und Scheitlin, ist Thomas Kirchhofer, Direktor von St.Gallen-Bodensee-Tourismus: «Die Investition der Olma Messen ins ‹Neuland› und die neue Halle ist wichtig für die Tourismusregion.»

Thomas Kirchhofer, Direktor St.Gallen-Bodensee Tourismus

Thomas Kirchhofer, Direktor St.Gallen-Bodensee Tourismus

Es sei eine glückliche Fügung, dass gegenwärtig neue Hotels in der Stadt entstünden; Kirchhofer spricht das geplante Ibis-Hotel in St. Fiden, das renovierte «Walhalla» und den Ausbau des «Weissenstein» an.

Weil sich das Olma-Areal mitten in der Stadt und nicht an der Peripherie von St.Gallen befinde, profitierten die Hotellerie, die Gastronomie und das Gewerbe in der Innenstadt von neuen Kongressbesuchern, sagt Kirchhofer: «Und zwar in hohem Masse.»

Die neue Olma-Halle hat das Zeug, zur neuen Visitenkarte der Stadt St.Gallen zu werden

Ausstellungen, Bankette, Messen: Pro Jahr führen die Olma Messen über 100 Veranstaltungen durch. Dabei stossen sie oft an Grenzen. Mit einer neuen Halle für10 000 Personen wollen sie nun in die Spitzenliga. Das Projekt «Halle 1» des Planerteams Ilg Santer Architekten Zürich / Ingegneri Pedrazzini Guidotti Lugano / META Landschaftsarchitektur Basel ist Sieger des Projektwettbewerbs.
Christoph Zweili