Hans Jörg Schmid tritt nach 25 Jahren an der Spitze des Liberalen Forums zurück

Hans Jörg Schmid ist als Präsident des Liberalen Forums zurückgetreten. Der Architekt zieht selbstkritisch Bilanz und wünschst sich, dass das Forum in Zukunft auch gegen aussen mehr Wirkung zeigt.

Daniel Wirth
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Hans Jörg Schmid neben der Plastik «Der Arbeiter» im Sitterwerk. (Bild: Urs Bucher)

Hans Jörg Schmid neben der Plastik «Der Arbeiter» im Sitterwerk. (Bild: Urs Bucher)

Hans Jörg Schmid ist die Ruhe selbst, als er sich der Gründung des Liberalen Forums erinnert. «Wir wollten 1988 die Kultur und die Kulturpolitik liberalisieren», sagt er in seinem Büro an der Sittertalstrasse – dort, wo bis Mitte der 1980er-Jahre eine Textilfärberei tätig war und sich heute Künstler, Handwerker, Wissenschafter und eine breite Öffentlichkeit begegnen.

Der Architekt ist einer der geistigen Väter des Liberalen Forums St. Gallen. Zuerst war er Kassier, ab 1992 Präsident des Vereins mit seinen rund 140 Mitgliedern. Das Liberale Forum organisiert seit 1989 circa fünf Veranstaltungen im Jahr mit Referaten, Streitgesprächen oder Diskussionen.

Manchmal eine Hand voll, manchmal hunderte Zuhörer

Hans Jörg Schmid war bei den allermeisten der über 100 Veranstaltungen dabei. «Manchmal waren wir eine kleine Gruppe, manchmal mehrere hundert Personen», blickt er zurück. Im Mai 2007 lud das Liberale Forum Udo Di Fabio nach St. Gallen ein. Der damalige Richter am deutschen Bundesverfassungsgericht sprach zum Thema «Sind Freiheit und Gleichheit versöhnbar?». Es kamen fünf Zuhörer. «Wir hatten nicht berücksichtigt, dass am gleichen Abend ein Champions-League-Final gespielt wurde», sagt Schmid.

Das Gegenteil dann im Jahr 2009: Das Liberale Forum lud ins Stadthaus zu einem Referat von Bernhard Schlink ein. Schmid und seine liberalen Freunde rechneten mit maximal 200 Zuhörerinnen und Zuhörern. Es kamen über 400, die den Juristen und Schriftsteller («Der Vorleser», 1995) hören wollten. Schliesslich hielt Schlink seinen Vortrag in der Kathedrale. «Der gute Draht eines protestantischen Liberalen zum katholischen Mesmer des Doms machte es möglich», sagt Hans Jörg Schmid.

Der 71-jährige Architekt, der aus der stillgelegten Färberei an der Sitter das «Sitterthal» entstehen liess, ist Mitglied der FDP. Für die Freisinnigen sass er in den 1980er-Jahren eine Legislatur lang im St. Galler Gemeinderat, dem heutigen Stadtparlament. «Die Wählerschaft tat gut daran, mich nach vier Jahren nicht wieder zu wählen», sagt Schmid. Die Arbeit in der Kommission, der Fraktion und schliesslich im Parlament war nicht seine Sache. «Zu langfädig», sagt er. Er kümmerte sich nach seiner Abwahl viel lieber um die Umnutzung des «Sitterthals». Schmid: «Mit Arbeiten konnte ich viel mehr bewirken als mit Reden».

Geht es nach Schmid, täte die Politik gut daran, wieder weniger staatsgläubig zu agieren. Es gebe heute zu viele Politiker, die etatistisch denken würden, auch innerhalb des Freisinns. Er kenne nicht einen freisinnigen Exekutivpolitiker, dem es gelungen sei, die Verwaltung zu straffen. Schmid ist für mehr Freiheit und mehr Verantwortung für den Bürger – und das nach humanistischen Grundsätzen.

Andreas Böhm übernimmt Präsidium

Nach über einem Vierteljahrhundert an der Spitze des Liberalen Forums sagt Hans Jörg Schmid selbstkritisch: «Die Innenwirkung unserer Veranstaltungen war gut, die Aussenwirkung hingegen gering». Er wünscht sich für seinen Nachfolger Andreas Böhm, dass es ihm gelingt, mit einer besseren Aussenwirkung des Liberalen Forums dem Liberalismus wieder mehr Beachtung zu verschaffen.

Böhm ist Direktor des Kompetenzzentrums für Philanthropie an der Universität St. Gallen. Der 41-Jährige möchte die Ausrichtung des Liberalen Forums beibehalten. Er möchte für die Veranstaltungen verstärkt auch jüngere Liberale gewinnen. «Und das Forum wieder etwas näher an die Universität bringen», sagt Böhm.