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Ein Leben am Plattenteller: DJ Johnny Lopez feiert seinen 70. Geburtstag

Er gilt als graue Eminenz unter DJs: Johnny Lopez ist seit 50 Jahren
im Metier. Diese Woche feiert der St. Galler Kultaufleger seinen 70. Geburtstag.
Peter Hummel
Hinter den Plattentellern fühlt sich DJ Johnny Lopez wohl. Hier sorgt er im Bacardi-Dome am Open Air St.Gallen für Stimmung. (Bild: Peter Hummel)

Hinter den Plattentellern fühlt sich DJ Johnny Lopez wohl. Hier sorgt er im Bacardi-Dome am Open Air St.Gallen für Stimmung. (Bild: Peter Hummel)

Man schreibt das Jahr 1968. Studentenunruhen in Paris, Globuskrawall in Zürich, Jimi Hendrix im Hallenstadion. In der Gallusstadt geht’s halb so wild zu und her. Immerhin bringen Johnny Lopez und Kurt Mair aus London und Amsterdam bislang unerhörte Platten mit und machen das kurz zuvor von Rene Theiler eröffnete «Africana» zum ersten Musikclub.

Das «Aff» avanciert zum Nukleus der neuen progressiven Ostschweizer Szene. Konzerte mit einigen der angesagtesten internationalen Rocknamen (wie Jeff Beck, Rod Stewart oder Emerson Lake & Palmer) bescheren dem Club im Nu Kultstatus. 1977, nach dem plötzlichen Hinschied des neuen Besitzers, scheint Johnny die Zeit für Neues gekommen zu sein: Er eröffnet mit seinen Weggefährten Kurt Mair und Michel Blank an der Berneggstrasse (im östlichen Flügel des heutigen Hotel Einstein) den Strawberry Club, vorerst noch im Rohbau mit provisorischer Bewilligung.

Johnny in jungen Jahren als versierter Plattenverkäufer. (Bild: Peter Hummel)

Johnny in jungen Jahren als versierter Plattenverkäufer. (Bild: Peter Hummel)

Weil ein Investor aussteigt und somit das Geld zur Fertigstellung fehlt, ist 1979 aber schon wieder Schluss. Da ist Johnny auch schon mit einem Bein in Zürich, zuerst im Plattenladen America Sound und bald darauf im In-Club Upstairs.

Ein Jahrzehnt später hat Lopez das Zürcher Lebensgefühl genug ausgekostet und kommt nach St. Gallen zurück, wo er mit Hansjörg Nuber am Burggraben das Plattengeschäft Mister Music eröffnet. 1987 ist die Zeit reif für einen Neustart an der Goliathgasse: 11 Jahre nach dem Africana-Ende und sechs gescheiterten Intermezzi setzt die legendäre Lokalität als Ozon zu neuen Höhenflügen an.

Johnny Lopez an seinem 44. Geburtstag, im roten Kleid seine heutige Frau Myriam. (Bild: Peter Hummel)

Johnny Lopez an seinem 44. Geburtstag, im roten Kleid seine heutige Frau Myriam. (Bild: Peter Hummel)

Nach 15 Jahren kommt das Ende, weil der Club in seiner Wohnlage im Gegensatz zu andern Nachtlokalen wie Seeger, Trischli oder Backstage keine Verlängerung zugesprochen bekommt.

Von lokaler zu nationaler Grösse

2002 kann Lopez im neuen Offset (ehemalige Ostschweiz-Druckerei) als Booker und DJ agieren, doch sowohl vom Styling wie vom Sound erweist sich der Club «als zu früh für St. Gallen». Erst mit der kommerzielleren Ein- und Ausrichtung als «Elephant» kommt der Club zum Fliegen.
So ist Johnny wieder bereit für neue Projekte, etwa die Programmierung der drei Olma-Floors in der Tonhalle von 2007 bis 2013. Seither kann er sich seine Auftritte frei wählen.

In der Regel ist er in hiesigen Bars wie Blumenmarkt, Relax oder Süd, in denen er das Umfeld kennt, im Einsatz; noch immer hat er aber auch regelmässig Engagements von Zürich bis Graubünden. Mit seinem riesigen Musikschatz hätte er sehr wohl das Zeug zu einem internationalen DJ-Star gehabt. Dazu hätte er sich aber professionell mit Agenten und Produzenten vermarkten müssen – seine Unabhängigkeit war ihm da lieber.

Offen für alles – ohne Mainstream

Wie aber schafft es denn Johnny überhaupt, dass er als «Oldie-DJ» immer noch voll am Ball ist und bei Jungen offenbar immer noch glänzend ankommt? Indem er eben kaum «Oldie-Sound» liefert (abgesehen von Flower-Power-Parties)! Das bedeutet
einmal zähe Arbeit – stetiges Recherchieren auf allen möglichen Plattformen nach neuen Trends.

Keine der gegenwärtig gehandelten drei Dutzend Genres und Subgenres sind ihm fremd, und mögen sie auch noch so exotisch klingen wie Glitch Hop, Leftfield oder Trap. Entsprechend hat er alles im Repertoire – ausser Schlager. In dieser Breite kann ihm in der Ostschweiz kein DJ das Wasser reichen.

Johnny Lopez aktuell als Bar-DJ im «Blumenmarkt». (Bild: Peter Hummel)

Johnny Lopez aktuell als Bar-DJ im «Blumenmarkt». (Bild: Peter Hummel)

Stete «Weiterbildung» sucht Johnny auch live: Er ist ein sehr regelmässiger Konzertgänger. Dann hilft ihm sein seriöser Lebenswandel: Er ist viel an der frischen Luft, sommers praktisch täglich am Baden auf Drei Weihern. Last but not least sagt er: «Die Jungen halten mich jung!» Dazu zählt auch seine über 23 Jahre jüngere Frau Myriam, mit der er seit 27 Jahren zusammen ist.

Ganz wesentlich ist aber auch, was Johnny selber nicht erwähnt: Seine Gabe, einen Spannungsbogen zu erzeugen, im Laufe eines Abends die Stimmung zum Tragen zu bringen. «Das ist heute in einer Bar viel schwieriger als früher in den Clubs – die Leute kommen ja kaum nur wegen der Musik hierher». Dabei verzichtet er auf jeglichen Mainstream – wie zu Beginn seiner Karriere will er die Ohren des Publikums für anspruchsvollen Sound öffnen.

Von diesem Anspruch wird er nie abrücken. Wie auch nicht von seiner handfest ab CD statt ab Festplatte produzierten Musik: «Ich vertraue auf mein Bauchgefühl statt auf Technik». Ja, und wie lange noch? Seit er «Rentner» sei, lege er nur noch etwa an zwei bis drei statt an fünf bis sechs Abenden wöchentlich auf. Irgendwann mal könnte vielleicht sein Sohn Dominic, der mit ihm gelegentlich schon im Duo auftritt, in seine Fussstapfen treten. Aber ein Ende kann sich Johnny überhaupt noch nicht vorstellen. Like a Rolling Stone. Morgen Freitag findet im Ivy Club in St. Gallen ab 22 Uhr eine Ozon Night als Birthday-Bash für Johnny statt.

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