Ein Jahrhundert für Grün-Weiss: Ex-FCSG-Spieler Robert Engler feiert 100. Geburtstag

Robert Engler ist der älteste Spieler, der je für den FC St.Gallen gespielt hat. Jetzt ist er 100 Jahre alt geworden.

David Gadze
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Vom CEO der FC St. Gallen Event AG erhielt Robert Engler ein Trikot mit der Nummer 100 und seinem Namen.

Vom CEO der FC St. Gallen Event AG erhielt Robert Engler ein Trikot mit der Nummer 100 und seinem Namen.

Bild: Michel Canonica

Robert Engler strahlt, als er das Trikot des FC St.Gallen in die Höhe hält. Es trägt seinen Namen und die Nummer 100. Am Dienstag, Englers 100. Geburtstag, hat es ihm Ivo Forster, CEO der FC St.Gallen Event AG, persönlich überreicht. Engler ist Ehrenmitglied beim Club, für den er fast 15 Jahre lang spielte. Und gestern Mittwoch besuchte ihn der St.Galler Stadtpräsident Thomas Scheitlin in seiner Wohnung im Heiligkreuz, um ihm zu gratulieren.

Das Ehepaar Engler ist gewissermassen ein Teil des Quartiers. Seit 1949 – dem Jahr, als sie geheiratet haben – wohnen Robert, der in Wittenbach aufgewachsen ist, und seine Frau Margrith fast durchgehend an der Kolosseumstrasse. Zuerst im «Traberblock», der geschlossenen Überbauung zwischen Kolosseum-, Pelikan-, Raben- und Kolumbanstrasse, und dann, nach einem kurzen Abstecher nach Weinfelden, im Haus an der Kolosseumstrasse 33.

1945 im Cupfinal gestanden

Die Wohnung liegt einen Steinwurf entfernt vom Espenmoos, das jahrelang Englers zweite Heimat war. 1942 debütierte der Verteidiger für den FC St.Gallen, stieg mit dem Club von der 1. Liga (damals die dritthöchste Spielklasse) in die Nationalliga A auf und erreichte 1945 mit den «Espen» den Cupfinal, der in der Verlängerung mit 0:2 gegen die Young Boys verloren ging. Im Tor stand damals Walter Eugster, der Bruder seiner Frau. In Erinnerung geblieben ist ihm auch ein «Stadtmatch» gegen den SC Brühl, als ihm kurz vor Schluss der Ausgleich gelang. Und Engler blieb dem FCSG immer treu, auch nach dem neuerlichen Abstieg. Selbst als 1950 ein Vertreter des FC Winterthur bei Engler in der Wohnung stand und ihm nebst einem Couvert mit Geldscheinen einen guten Lohn anbot, sagte er ab.

«Dort hätte mich niemand gekannt – und ich kannte dort niemanden.»

Nach seinem Rücktritt 1955 spielte er noch zwei Saisons beim FC Buchs, wo Niklaus Lippuner, der ehemalige Seelsorger des Kantonsspitals St.Gallen, mit ihm in der Mannschaft war. 1962 gab er mit 42 Jahren ein Comeback beim FCSG, um seinem in die 1. Liga abgestiegenen Herzensclub zu helfen. Damit ist er der älteste Spieler, der je für den FC St.Gallen auf den Platz stand.

Stadtpräsident Thomas Scheitlin (rechts) stösst mit Robert Engler und seiner Frau Margrith an.

Stadtpräsident Thomas Scheitlin (rechts) stösst mit Robert Engler und seiner Frau Margrith an. 

Bild: Michel Canonica

Robert Engler hatte auch abseits des Rasens ein aufregendes Leben. Er arbeitete in St.Gallen als Verkaufschauffeur für die Migros, ehe er Anfang der 1950er-Jahre nach Weinfelden versetzt wurde. Während seine Frau die dortige Filiale leitete, fuhr er mit dem Verkaufswagen durch den Thurgau. Als die Verkäuferin des fahrenden Ladens entlassen wurde und Engler selber fahren und verkaufen musste, sei er «nervlich fertig» gewesen. Der Arzt sagte ihm, es gebe nur eins: Den Job aufzugeben.

Bis heute dem FC St.Gallen verbunden

So kehrte das Ehepaar zurück nach St.Gallen, zuerst ins Krontal und 1956 schliesslich an die Kolosseumstrasse. Robert Engler fand eine neue Arbeitsstelle: Er wurde Aufseher und Chauffeur in der Strafanstalt St.Jakob, die auf dem heutigen Olma-Gelände stand. Er fuhr die Gefangenen vom Gefängnis in die Werkstatt, beaufsichtigte sie dort, darunter auch Ernst Deubelbeiss, den berühmt-berüchtigten Raubmörder. Gelegentlich half er ihnen das geschlagene Holz in die oberen Stockwerke zu tragen. Und wenn er mal im Gefängnis übernachten musste, spielte er mit ihnen:

«Nachts habe ich manchmal Gefangene aus ihren Zellen rausgelassen, um mit ihnen zu jassen.»

Auch im Alter ist Robert Engler noch aktiv und gesellig. Seit fast 40 Jahren trifft er sich mit Freunden zum Stamm im Quartier. Nicht zum Jassen, sondern um über «Gott und die Welt» zu reden. Und der FC St.Gallen liegt ihm immer noch am Herzen. Die Heimspiele besucht er nicht regelmässig, aber am Sonntag fieberte er beim 3:3 gegen die Young Boys vor dem Fernseher mit. Auf Thomas Scheitlins Frage, ob die Fussballspieler früher so seriös gewesen seien wie heute, antwortet Engler mit einem Lachen. Einmal habe er sich vor einem Spiel in Lugano einen «Römer» – ein Glas Wein – gegönnt. Und trotz der Nähe des Espenmoos’ zur Wohnung sei «der Heimweg manchmal lang geworden», sagt seine Frau.

Robert Engler: Der älteste Evergreen

Der älteste Fussballer, der je für den FC St. Gallen gespielt hat, wird im kommenden Februar 95jährig. Wenn es das Schicksal nicht anders vorsieht, wird Robert Engler den runden Geburtstag zusammen mit seiner Gattin Margrit feiern können.
Fredi Kurth