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Ein Jahr in einem fremden Land: Wieso diese junge Mongolin nach Abtwil kommt, um Deutsch zu lernen

Die junge Mongolin Norjmaa Zorigtbaatar lebt zurzeit in Abtwil. Hier lernt sie die Sprache und spielt Basketball.
Michel Burtscher
Die Gitarre hat sie mitgenommen: Norjmaa Zorigtbaatar in der Stube ihrer Gastfamilie. (Bild: Benjamin Manser)

Die Gitarre hat sie mitgenommen: Norjmaa Zorigtbaatar in der Stube ihrer Gastfamilie. (Bild: Benjamin Manser)

Der Start in der Schweiz ist für Norjmaa Zorigtbaatar ein schmerzhafter. Keine zwei Monate lebt sie hier, als sie sich am Bein verletzt. «Das ist beim Basketballspielen mit anderen ausländischen Studenten passiert», sagt sie und lacht, so wie sie das oft tut während des Gesprächs. Die 20-jährige Mongolin sitzt am Stubentisch von Isabelle und Robert Scherrer in Abtwil – der Fuss steckt in einer Plastikschiene – und erzählt, warum sie ihre Heimat verlassen hat, um hier ein Jahr lang an der Pädagogischen Hochschule in Rorschach zu studieren, weit weg von ihren Freunden und Verwandten.

Anfang August landet Norjmaa Zorigtbaatar nach einer 20-stündigen Reise in Zürich und macht ihre ersten Schritte in der Schweiz, fast 7000 Kilometer von der Mongolei entfernt. In ihrer Heimat studiert sie Deutsch, an der Pädagogischen Hochschule in der Hauptstadt Ulaanbaatar. In die Schweiz ist sie gekommen, um ihre Sprachkenntnisse zu verbessern. Ihr Berufsziel: Deutschlehrerin.

Auf den ersten Blick mag das erstaunen, doch Deutsch ist keineswegs eine seltene Sprache in der Mongolei. Laut Zahlen des Auswärtigen Amtes in Berlin verfügen etwa 30 000 Menschen im ostasiatischen Land über gute Deutschkenntnisse. Das hat historische Gründe: Die Mongolei pflegte enge Kontakte zur DDR, Tausende Mongolen haben in Ostdeutschland studiert.

Das Bildungswesen kennen lernen

Grundkenntnisse der deutschen Sprache bringt auch Norjmaa Zorigtbaatars schon mit, dem Studium sei dank. Doch ihr fällt es teilweise noch schwer, komplexere Dinge zu verstehen und auf Fragen ausführlich zu antworten. Wenn Robert Scherrer mit ihr spricht, dann tut er das langsam und in einfachen Worten. Er ist Norjmaa Zorigtbaatars Gastvater, seine Frau und er nehmen sie für ein halbes Jahr in ihrem Haus in Abtwil auf.

Robert Scherrer.

Robert Scherrer.

Doch Scherrer ist nicht nur das: Er ist auch Präsident des Vereins «Pro Mongolia», der diese Bildungsjahre für junge Mongolinnen organisiert. Jedes Jahr kommen in diesem Rahmen fünf bis sieben Studentinnen in die Ostschweiz, um an verschiedenen Schulen zu studieren. Es geht dabei nicht nur darum, dass sie ihre Sprachkenntnisse vertiefen. Sie sollen auch das hiesige Bildungswesen kennen lernen und mit den gewonnenen Erkenntnissen das Bildungswesen in ihrer Heimat «positiv beeinflussen», wie Scherrer sagt.

Das ganze Land entdecken

Für die jungen Frauen aus der Mongolei ist das Bildungsjahr eine einmalige Chance. Selber berappen müssen sie nur den Flug in die Schweiz und wieder zurück. Die Unterkunft bei der Gastfamilie ist kostenlos, die Krankenkasse sowie ein Generalabonnement und ein kleines Taschengeld zahlt Pro Mongolia. Damit besucht Norjmaa Zorigtbaatar in ihrer Freizeit dann – manchmal zusammen mit ihren Gasteltern, manchmal zusammen mit den anderen mongolischen Studentinnen – verschiedene Orte in der Schweiz.

Das ganze Land möchte sie entdecken, wie sie sagt. In Zürich und Luzern war sie schon, in Winterthur, auf dem Säntis und auf dem Bodensee. Überrascht sei sie gewesen, wie gross die kleine Schweiz doch sei, erzählt Norjmaa Zorigtbaatar. «Mir gefällt es sehr gut hier.» Besonders angetan haben es ihr die Natur und die hohen Berge. «Es ist so schön ruhig hier und es hat wenig Stau», sagt sie. Das sei in Ulaanbaatar mit seinen rund 1,4 Millionen Einwohnern ganz anders.

Sie spielt Tischtennis in Gaiserwald

Heimweh habe sie noch keins, sagt Norjmaa Zorigtbaatar. Doch ihre Familie, die vermisse sie schon. Sie hat zwei ältere Brüder und eine jüngere Schwester. Mit ihnen und ihren Eltern kommuniziere sie per Video-Chat, sagt sie. Anschluss hat sie hierzulande indes schnell gefunden. So spielt sie nicht nur Basketball, sondern auch beim Tischtennisclub Gaiserwald mit. «Ich wurde überall gut aufgenommen», sagt die junge Mongolin. Auch an der Pädagogischen Hochschule. Die Mitstudenten und Dozenten seien «sehr nett» und würden immer fragen, ob sie alles verstehe.

Norjmaa Zorigtbaatar absolviert dort das zweite Studienjahr und folgt dabei dem gleichen Stundenplan wie die einheimischen Studenten, büffelt also auch Mathematik, Fachdidaktik und Klassenführung, hat Werken und Musik. Am Anfang sei das alles noch sehr schwierig gewesen, sagt Norjmaa Zorigtbaatar, doch mit jeder Woche gehe es besser. Ende dieses Jahres wechselt sie die Gastfamilie und wird dann noch sechs Monate in der Stadt St.Gallen wohnen. Dann geht es zurück nach Ulaanbaatar, wo sie ihr Studium fertigmachen muss.

Robert Scherrer denkt, dass Norjmaa Zorigtbaatar durch das Bildungsjahr und die «wertvollen Erfahrungen» später bessere Chancen auf dem Arbeitsmarkt in ihrer Heimat hat. Sie kann nicht nur Lehrerin werden, sondern beispielsweise auch Reiseführerin oder Dolmetscherin. So wie andere ehemalige Gaststudentinnen. Mit vielen hätten sie noch immer Kontakt, sagt Robert Scherrer. Und hofft, dass das auch bei Norjmaa Zorigtbaatar der Fall sein wird.

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