Ein Hofladen mitten in der Stadt St. Gallen: Regioherz macht aus der Not eine Tugend und schafft ein Novum

An der Bahnhofstrasse 2 ist ein neues Geschäft eingezogen: Regioherz. Das ist ein Hofladen mitten in der Stadt, der ausschliesslich Produkte von regionalen Kleinbetrieben verkauft. Am Samstag war Eröffnung.

Basil Schnellmann
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Der Laden ist optimal gelegen. Gleich nebenan ist die Bushaltestelle Schibenertor.

Der Laden ist optimal gelegen. Gleich nebenan ist die Bushaltestelle Schibenertor.

Bild: Basil Schnellmann (19. November 2020)

Mitte vergangener Woche: Noch sind viele der Holzregale leer, und die geschälte Weisstanne steht etwas verloren im Raum. Doch schon bald soll es hier drinnen aussehen wie in einem Hofladen. Genau das ist die Idee von Regioherz. Das Ziel ist es, mitten in der Stadt ausschliesslich regionale Produkte zu verkaufen.

Die Gründer setzen sich so für die Produzenten der Region ein, deren traditionellen Absatzmärkte wegen der Pandemie verloren gegangen sind. Im Frühling wurden Wochenmärkte gestrichen, im Sommer und Herbst gab es kaum Messen oder Feste und die meisten Weihnachtsmärkte finden ebenfalls nicht statt. Der Fokus liegt dabei besonders auf den Direktvermarktern und den Kleinbetrieben.

Erfahrung ist vorhanden

Als ehemaliger Wirt hat Fredy Lüscher noch diverse Kontakte.

Als ehemaliger Wirt hat Fredy Lüscher noch diverse Kontakte.

Bild: Basil Schnellmann (19. November 2020)

Geführt wird der Laden von Milena Auletta und Fredy Lüscher. Auletta kann über zwölf Jahre Erfahrung im Verkauf vorweisen und Lüscher ist in Rehetobel kein Unbekannter. Bis zum Lockdown führte er das Restaurant Urwaldhaus. Dieses musste er allerdings aufgeben. Das Restaurant war für seine regionale Küche bekannt und Lüscher konnte viele der Zulieferer vom Konzept des städtischen Hofladens überzeugen. Derweil laufen die Fäden bei Inhaberin Grace Schatz zusammen. Schatz hatte im Lockdown die Idee des Stadthofladens, sie möchte aber im Hintergrund bleiben.

Regioherz kann von Milena Aulettas jahrelanger Erfahrung profitieren.

Regioherz kann von Milena Aulettas jahrelanger Erfahrung profitieren.

Bild: Basil Schnellmann (19. November 2020)

Die drei setzten alles daran, den Laden noch vor Dezember eröffnen zu können. Dabei haben sie sich regional nicht nur für die Produkte auf die Fahne geschrieben, sondern auch bei der Ausstattung und Einrichtung des Ladenlokals. Schatz sagt: «Die Regale wurden eigens für Regioherz von einer Liechtensteiner Holzmanufaktur gefertigt, wofür wir selbst Weisstannen entrindet und gereinigt haben.» Der Boden wurde zudem in Graubünden produziert und von einem Bodenleger aus dem Appenzellerland verlegt.

Zusammenbringen was Zusammengehört

Es gehe darum, ehrliche und nachhaltige Produkte anzubieten. Der Stadt-Hofladen bietet daher alles, was man in einem Hofladen auf dem Land erwartet: Eingemachtes, Fleisch- und Milchprodukte, regionale Biere, Schnaps, Honig, Saucen, Öle und vieles mehr. Das Obst und Gemüse werde momentan überwiegend von Bio-Höfen und sogar einem Permakultur-Hof geliefert.

Die Regale füllen sich allmählich mit Produkten.

Die Regale füllen sich allmählich mit Produkten.

Bild: Basil Schnellmann (19. November 2020)

«Mit Regioherz bringen wir zusammen, was zusammengehört: Qualitätsbewusste Kunden und regionale Produzenten», sagt Schatz. Während urbane Kundinnen und Kunden, die gerne regional, nachhaltig und direkt beim Produzenten einkaufen, oftmals keine Zeit hätten, um verschiedene Hofläden und Märkte zu besuchen, fehle es vielen Kleinproduzenten an Mitteln und Zeit, um einen eigenen Hofladen zu betreiben. Diese Probleme löst das sogenannte Shop-im-Shop-Konzept.

Ein Rundum-Sorglos-Paket

Dieses ist denkbar einfach: Jeder Produzent mietet ein Regalfach im Laden und vertreibt darin seine Produkte. Zusätzlich kann er sie in der Degustations-Ecke präsentieren. Dort können sich die Konsumenten direkt von Qualität und Geschmack der Produkte überzeugen. Der Aufwand für den Produzenten ist gering, denn sobald die Produkte in der Filiale angekommen sind, übernimmt das Regioherz-Team Verkauf und Marketing der Produkte. Die Platzverhältnisse sind grosszügig, insgesamt erstreckt sich der Laden über zwei Stockwerke und eine Zwischenetage.

Blick ins Erdgeschoss: Dort werden die Essensartikel verkauft.

Blick ins Erdgeschoss: Dort werden die Essensartikel verkauft.

Bild: Basil Schnellmann (19. November 2020)

Jeweils am Donnerstag soll zudem ein Abendverkauf stattfinden, an dem einzelne Produkte mit Präsentationen besser vorgestellt werden sollen. Der Produzent bekommt so die Gelegenheit, mit dem Konsumenten in Kontakt zu treten und umgekehrt. So werde auch das Gesicht hinter den Produkten gezeigt.

Weitere Produzenten gesucht

«Aktuell umfasst unser Angebot ungefähr 30 bis 40 regionale Produzenten und ihre Produkte», sagt Schatz. Alle stammen aus den Kantonen St. Gallen, Thurgau, Appenzell sowie aus Liechtenstein. Doch diese Zahl soll sich noch stark erhöhen. «Wir haben 150 Regalfächer, der Platz ist da», sagt Schatz.

«Es geht nicht darum, irgendein Hofladen zu sein, sondern der Hofladen zu sein»

Vorgaben gibt es für die Produzenten grundsätzlich keine. Nur eines ist wichtig: Die Produkte müssen regional sein. Sogar die Kaffeebohnen sind in der Umgebung geröstet worden.

Ein transparentes Preismodell

Das Preismodell von Regioherz setzt sich aus zwei Komponenten zusammen. Zum einen wird für das Regalfach ein Mietabonnement von 3, 6 oder 12 Monaten abgeschlossen und kostet 50 Franken pro Monat, was einem Zweifränkler pro Tag entspricht. Zum anderen fällt eine Provision von 20 Prozent für die verkauften Produkte an, um unter anderem die Kosten für Personal, Verpackung und Marketing zu decken.

Das Team von Regioherz hofft auch, dass das Coronavirus die Konsumenten mehr Richtung Nachhaltigkeit und zum Ökologiegedanken hinzieht. Man müsse sich mehr auf sich selber und das Regionale zurückbesinnen. Der ganz grosse Traum ist eine schweizweite Expansion. «Das wäre natürlich der Hammer, wenn die Leute sagen würden: ‹Gang is Regio, döt findsch das.›»


Hinweis: www.regioherz.wordpress.com