Altersheim für Heimweh-Engelburger nimmt Form an

Anfang November ziehen die ersten Bewohner ins nagelneue Alters- und Pflegezentrum Engelburg. Zwei Drittel der Pflegezimmer und fast alle Wohnungen des 21-Millionen-Projekts sind bereits vergeben.

Sebastian Schneider
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Die Aussenansicht des neuen Alterszentrums wird von Rohbeton dominiert. (Bild: Ralph Ribi)

Die Aussenansicht des neuen Alterszentrums wird von Rohbeton dominiert. (Bild: Ralph Ribi)

«Im Moment ist es noch laut wie an einer Kreuzung», sagt Othmar Füglister fast schon entschuldigend. Draussen vor dem Neubau des Alters- und Pflegezentrum Oberhalden ist ein Bagger im Einsatz. Gärtner sind daran, Bäume zu pflanzen und die Grünfläche oberhalb des Engelburger Schulhauses fertig zu gestalten. Der Bau an sich ist so gut wie fertig. Hie und da eilt ein Handwerker durch die Gänge. «Stellenweise müssen noch elektrische Anschlüsse angebracht werden», sagt Füglister, der das Zentrum in Engelburg und später auch jenes in Abtwil führen wird.

Holz prägt die Materialwahl für die Inneneinrichtung. (Bild: Ralph Ribi)

Holz prägt die Materialwahl für die Inneneinrichtung. (Bild: Ralph Ribi)

Auf einem Rundgang durch das Erdgeschoss und die beiden Etagen kommt er ins Schwärmen. «Es gibt hier unzählige durchdachte Details.» Diese zum Wohl der Bewohnerinnen und Bewohner, die ab dem 1. November in die sieben Wohnungen und 38 Pflegezimmer ziehen werden. Füglister ist vom Konzept absolut überzeugt. Der ebenfalls zufriedene Gaiserwalder Gemeindepräsident Boris Tschirky, der zugleich Präsident der Stiftung Alter und Gesundheit Gaiserwald ist, drückt es so aus:

«Man darf durchaus sagen, dass wir das Optimum bekommen.»

Coiffeursalon, Fitness, Ort der Stille

Rund 21 Millionen Franken wird das Projekt der Architekten Gähler und Flühler geplant haben, die Stiftung kosten. So wie es derzeit aussieht, wird man den Kostenvoranschlag laut Tschirky unterschreiten können.

Das Zentrum lässt dennoch kaum Wünsche offen; es bietet einen Coiffeursalon, einen Fitness- und Baderaum, einen Ess- und Sitzbereich in jedem Stockwerk. Es gibt einen Ort der Stille und einen Mehrzweckraum, wo auch Konzerte möglich sind. Jedes Zimmer ist mit dem modernsten Pflegebett und einem schwellenlosen Bad ausgestattet. Zudem bietet jedes einen Balkon – je nach Lage mit Blick auf den Säntis, auf den Bodensee oder auf die Kirche Engelburg.

Im Foyer tickt eine Wanduhr. (Bild: Ralph Ribi)

Im Foyer tickt eine Wanduhr. (Bild: Ralph Ribi)

Auf einem hohen Ausbaustandard sind auch die sieben Alterswohnungen im westlichen Gebäudeteil. Sie werden das zu Hause sein für betagte, aber noch selbstständige Menschen. Je nach Bedarf können die Pensionäre zusätzliche Serviceleistungen des Zentrums in Anspruch nehmen. Entsprechend variiert die Monatspauschale zwischen 2900 und 3550 Franken. Die Nachfrage nach diesen Wohnungen ist gross. Denn es gibt laut Tschirky viele Hausbesitzer, denen das Leben in der eigenen Liegenschaft zu umständlich oder zu einsam wird. Füglister sagt:

«Einige der Wohnungen hätten wir zehnmal vermieten können.»

Aktuell ist nur eine Wohnung nicht vermietet. Parterrewohnungen seien wegen des Sicherheitsgefühls bei Betagten nicht gleich beliebt wie jene in oberen Stockwerken, erklärt Füglister.

Doch gerade punkto Sicherheit müssen sich die Bewohner in der rund um die Uhr betreuten Einrichtung kaum Sorgen machen. Für die Sicherheit in der Wohnung hilft zum Beispiel eine Lichtschranke im Badezimmer. Spricht sie zu lange nicht an, löst sie einen Alarm und einen Kontrollgang des Pflegepersonals aus.

Alte Gegenstände wecken Erinnerungen

Auch auf die Inneneinrichtung legt die Betreiberin Senevita Wert. Dies zeigen nicht zuletzt das 200-jährige Puppentheater und eine tickende Wanduhr im Foyer. Auf jedem Stockwerk steht ein über 200-jähriger Hochzeitschrank. Alte Bilder zieren die Wände, zu bestaunen gibt es auch ein Spinnrad oder eine Weissblech-Badewanne. «Mit diesen Exponaten schlagen wir eine Brücke zu den Erinnerungen der Bewohner», sagt Füglister. Bereits bei Besichtigungen zeige sich, dass diese Objekte gut ankommen. Ein weiterer Wohlfühl-Faktor ist Tageslicht, das an verschiedenen Orten, etwa beim Treppenhaus ins Haus strömt.

Antike Möbel sollen die Erinnerungen der künftigen Bewohner ansprechen. (Bild: Ralph Ribi)

Antike Möbel sollen die Erinnerungen der künftigen Bewohner ansprechen. (Bild: Ralph Ribi)

In den beiden Stockwerken befinden sich je 19 Pflegezimmer. Im ersten Stock sind bereits zwei Drittel vergeben. Füglister rechnet damit, dass das Wohn- und Pflegezentrum – aufgrund vieler «Heimweh-Engelburger» – bald ausgelastet wird. Den Betrieb werde man sukzessive hochfahren. So arbeiten derzeit rund zwei Dutzend Angestellte, im Vollbetrieb werden es laut Geschäftsführer 50 sein.

Eröffnung

Am letzten Oktoberwochenende finden im Alters- und Pflegezen-trum Engelburg zwei Tage der offenen Tür statt. Die Eröffnungsfeier beginnt am Samstag, 27. Oktober, um 10 Uhr mit Ansprachen des Stiftungsratspräsidenten, des Architekten und der Betreiberin. Anschliessend wird das Gebäude gesegnet. Von 11 bis 16 Uhr kann der Neubau eigenständig besichtigt werden. Auch am Sonntag, 28. Oktober, ist von 10 bis 16 Uhr eine freie Besichtigung möglich. Zudem gibt es eine musikalische Umrahmung, eine Foto-Dia-Show und eine Festwirtschaft. 

Bevor die ersten Bewohner ihre Wohnungen oder Zimmer beziehen, finden zwei Tage der offenen Türe statt.

Abtwil schreitet voran, Gossau steht still

In Abtwil entsteht derzeit ein Alters- und Pflegezentrum mit denselben Architekten und demselben Konzept wie in Engelburg. Nachdem es aufgrund des instabilen Untergrunds Verzögerungen gegeben hatte, kommt der Bau nun gut voran. Eröffnung ist laut Boris Tschirky Anfang 2020. Das Zentrum wird dereinst 57 Pflegezimmer und 12 Alterswohnungen umfassen. Entsprechend fallen die Kosten mit 32 Millionen Franken höher aus als in Engelburg.

Damit schafft Gaiserwald, was Nachbargemeinden verwehrt bleibt: Der Bau zweier Alterszentren geht ohne Einsprachen und ohne grössere Verzögerungen voran. In Mörschwil wurde der Kredit für das Pflegezentrum bereits 2012 gesprochen. Nun, sechs Jahre später, ist immerhin der Baustart in Sichtweite: Im Sommer 2019 sollen die Bagger auffahren. Drei Einsprachen hatten den Baustart verzögert. Ein Anwohner zog bis vor Bundesgericht, das 2017 zu Gunsten der Gemeinde entschied. Ganz ausgestanden ist der langwierige Rechtsstreit erst seit einem Monat, als derselbe Anwohner eine Rechtsverweigerungsbeschwerde zurückzog.

Auch der Bau der Sana Fürstenland in Gossau kommt nicht voran. Eine Einsprache und ein Rekurs beim Kanton blockierten das Grossprojekt. Das Baudepartement ging erst gar nicht auf eine inhaltliche Prüfung des Vorhabens ein und warf der Stadt Verfahrensmängel vor. Nun muss die Stadt nachbessern. (ses/nh)