Erlösung durch Handauflegen: Ein christlicher Heiler zu Gast in Gossau

In Gossau ruft ein christlicher Heiler zur Sprechstunde. Am ersten Abend bleibt die Erfolgsquote überschaubar.

Johannes Wey
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Andreas Straubhaar fesselt das Publikum. (Bild: Lisa Jenny)

Andreas Straubhaar fesselt das Publikum. (Bild: Lisa Jenny)

Im Fürstenlandsaal herrsche eine Atmosphäre, «in der Wunder geschehen können», sagt Andreas Straubhaar. Und nicht weniger verspricht sich der Prediger von diesem Abend. «Heil und Heilung», heisst die Veranstaltung die auf Einladung der Family Church Halt in Gossau macht. Straubhaar füllt zwar nur eines der drei Saalabteile, dafür vier Mal: Von Montag bis Mittwoch dieser Woche und kommenden Montag gleich nochmals. 2018 gastierte der Berner Oberländer noch im Freihof.

Gegen 150 Personen jeden Alters sitzen hier. Die meisten von ihnen wissen, wie es bei freikirchlichen Veranstaltungen zu und her geht: Beim Gebet schliessen sie die Augen, einige erheben sich oder strecken die Arme in die Höhe. Sie singen den Text der Loblieder ab Leinwand mit, die die zweiköpfige Band anstimmt. Und wenn Straubhaar «Hallelujah!» oder «Amen!» ruft – und das kommt oft vor an diesem Abend – antworten sie mit Zustimmung.

Vom Aneurysma bis zur Nussallergie

Straubhaar ist ein begnadeter Erzähler. Er spricht über Jesus, platziert hie und da einen Witz. Doch er wolle an diesem Abend nicht nur reden. Die Veranstaltung solle ein «Erlebnisabend» sein. Oder besser: Jesus durch ihn heilen zu lassen, wie es Straubhaar ausdrückt. Die Erfolgsbeispiele auf dem Veranstaltungsflyer reichen vom Aneurysma bis zur Nussallergie.

An diesem Abend ruft er zunächst Leute mit Gelenkschmerzen auf, sich zu melden. Eine Mutter geht nach vorne. Ihre Schulter schmerze so sehr, dass sie nicht mehr mit ihrem Kind spielen könne. «Ich ziehe den Schmerz aus dieser Schulter, im Namen von Jesus Christus», sagt Straubhaar – die Frau stellt keine Verbesserung fest. Auch das zweite Gebet bringt keine Besserung. «Aber ich weiss, dass es weggehen wird», sagt die Frau. Nun wird Straubhaar bestimmter: «Im Namen von Jesus befehle ich, dass der Schmerz jetzt weggeht!» Nun glaubt die Patientin eine Linderung zu spüren, durch den Saal brandet Applaus. Doch der Prediger will den Schmerz ganz zum Verschwinden bringen. Nach einem weiteren Versuch erklärt die Frau, dass sie den Arm nun wieder besser bewegen könne. Schmerzen verspüre sie dabei nur noch wenige, auch wenn das Knacken in der Schulter geblieben sei. «Danke Jesus!», kommentiert Straubhaar.

Dann kommen weitere Patientinnen nach vorne, vorwiegend ältere, mit Schmerzen in der Schulter oder im Knie. Die Zuschauerinnen und Zuschauer schliessen die Augen und machen mit, wenn Straubhaar gegen die Gebrechen anbetet.

Zum Schluss kann sich jeder mit einem Leiden, auch einem seelischen, oder sonstigen Anliegen in eine Reihe stellen. Fünf Teams aus Mitgliedern der Familiy Church legen ihre Hände auf und beten. Er wolle damit zeigen, dass die Heilung nicht an seiner Person, sondern am Glauben an Jesus hänge, sagt Straubhaar.

Ein Ziel ist die Mission

Er wolle die Leute «nicht nur äusserlich, sondern auch innerlich heilen», sagt Straubhaar nach der Veranstaltung. Die Menschen sollten ein Verbindung zu Gott finden. Das Wort «Mission» finde er dafür aber zu altmodisch, obwohl es auch auf seiner Website zu lesen ist, genauso wie «Evangelisation». Diese betreibe er «häufig in Gebieten mit katholischem Hintergrund», ist weiter zu lesen. In diesen Gebieten seien die Menschen oft gottesgläubiger, begründet Straubhaar. Auf keinen Fall wolle er aber Gläubige aus der Katholischen Kirche abwerben, vielmehr ermutige er sie, Gottesdienste zu besuchen, egal welcher Konfession. Micha Leuenberger, der Leiter der Family Church Gossau, ist zufrieden mit dem Abend. Oft habe er erlebt, wie Leiden durch Jesus gelindert worden seien. Eine Garantie gebe es bei solchen Anlässen aber nicht. «Manchmal werde ich positiv überrascht, manchmal bin ich etwas enttäuscht.»