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Der Rorschacher mit dem
grünen Daumen

Seit Jahren gehört Urs Bawidamann zu den Blumen- und Gartenfreunden. Vor 40 Jahren half er dem Verein beim Aufbau des Familiengartens im Rorschacherberger Neuhus. Dort pflegt der 80-Jährige seinen Garten täglich.
Perrine Woodtli
Urs Bawidamann in seinem Garten-Paradies in Rorschacherberg. (Bild: Perrine Woodtli)

Urs Bawidamann in seinem Garten-Paradies in Rorschacherberg. (Bild: Perrine Woodtli)

Über die Aussicht kann sich im Familiengarten Neuhus niemand beklagen. Von den Schrebergärten oberhalb des Rorschacher Zentralfriedhofs geniesst man den Ausblick auf den See. Im Familiengarten lebt die Natur. Bunte Blumen blühen und Vögel zwitschern von den Gartenhäuschen. Eine Eidechse sonnt sich auf einem Stein. Nur die rauschende Autobahn stört die Idylle ein wenig. «Es ist eine Oase. Ein Ort, um Ruhe zu finden und Kraft und Energie zu tanken», sagt Urs Bawidamann. Der 80-Jährige ist einer von knapp 100 Pächtern, die im Familiengarten eine Parzelle gemietet haben. Wie Bawidamann sind alle Pächter Mitglieder der Blumen- und Gartenfreunde. Der Verein wurde 1958 gegründet und verpachtet auf dem Areal Neuhus in Rorschacherberg und im Langmoos südlich des Spitals Rorschach insgesamt knapp 180 Parzellen.

Bei dieser Aussicht auf den See macht das Gärtnern richtig Spass. (Bild: Perrine Woodtli)

Bei dieser Aussicht auf den See macht das Gärtnern richtig Spass. (Bild: Perrine Woodtli)

Seit 40 Jahren ein Gartenparadies

Urs Bawidamann ist ein Ur-Rorschacher («In Rorschach geboren und liegen geblieben») und seit vielen Jahren Mitglied der Blumen- und Gartenfreunde. Vor 40 Jahren half er beim Aufbau des Familiengartens im Neuhus mit. 1979 bewarb sich der Verein bei der Gemeinde Rorschacherberg für den freien Boden – mit Erfolg. 1980 eröffneten die Blumen- und Gartenfreunde den Garten. Das Gemeinschaftshaus beim Eingangstor hat Bawidamann gezeichnet und in Auftrag gegeben. Als Bauleiter war er vom Fach.

Im Vereinshaus finden regelmässig Anlässe statt, etwa Jassnachmittage. Auch Ausflüge gehören dazu. Am Vereinsleben gefallen ihm vor allem die Leute, die dahinterstehen, sagt Bawidamann. «Dass es Menschen gibt, die sich selbstlos für etwas einsetzen, ist nicht selbstverständlich.»

Es wird nicht nur gegärtnert, sondern auch gefeiert

Der Pensionär mit dem grünen Daumen ist täglich «hier oben im Neuhus». Beim Rundgang begrüsst er die Leute in ihren Gärten und hält gerne einen Schwatz. «Ich kenne aber längst nicht mehr jeden», sagt er. Früher hätten die Pächter viel mehr miteinander zu tun gehabt – regelmässig traf man sich beieinander im Garten. «Das hat sich geändert. In der heutigen Gesellschaft gibt es nicht mehr so ein Miteinander.» Mit Freunden und Familie aber verbringen er und seine Frau heute noch viel Zeit im Garten. «Früher kamen wir mit den Kindern hierher und feierten auch mal ein Fest.» Bawidamann betont, dass ein Garten aber nicht nur zum Feiern da sei. «Einen Garten in Schuss zu halten, bedeutet viel Arbeit. Ohne wird er schnell zur Wildnis.» Ein Garten zu pflegen sei eine gesunde Beschäftigung. «Ich bin immer an der frischen Luft und die Arbeit geht nie aus.»

Pächter geben Garten altersbedingt ab

Zur Zeit sind nahezu alle Parzellen im Neuhus und Langmoos verpachtet. Bei den Pächtern handelt es sich gemäss Bawidamann um Menschen jüngeren und mittleren Alters und Familien sowie vereinzelt um ältere Menschen. Letztere würden teilweise altersbedingt den Garten aufgeben müssen. Bawidamann ist einer der ältesten im Verein und auch er spüre, dass nicht mehr alles gleich gut geht. Früher baute er noch mehr Gemüse an. Heute besteht ein Teil seiner Parzelle aus einem Stück Wiese. «So habe ich weniger Arbeit.»

Im selbstgebaute Häuschen nistet momentan eine Amsel. (Bild: Perrine Woodtli)

Im selbstgebaute Häuschen nistet momentan eine Amsel. (Bild: Perrine Woodtli)

Ein Blumen- und Gartenfreund war Bawidamann schon als Kind. «Mein Vater gärtnerte immer zu Hause. Während der Kriegszeit waren wir zudem froh um eigenes, frisches Gemüse», erinnert er sich. Auf seinen 200 Quadratmetern pflanzt Bawidamann heute Gemüse, etwa Kohlrabi und Salat an. Aber auch zahlreiche Blumen zieren sein Paradies mit dem selbst gebauten Häuschen. Dieses teilt er zur Zeit mit einer Amsel, die ihre Eier unter dem Dach ausbrütet.

Wie lange er noch gärtnert, lässt Urs Bawidamann offen. «Falls jemand kommt, der viel Freude am Garten hat, würde ich es mir überlegen, den Platz zu übergeben», sagt er. Und fügt hinzu: «Wobei, ich würde das alles hier schon sehr vermissen.»

Mein Verein

In loser Folge stellt die «Tagblatt»-Redaktion Personen aus der Region Rorschach vor, die seit vielen Jahren in einem Verein tätig sind, und sich fürs Vereinsleben engagieren. (red)

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