Eine noch nie da gewesene Maturafeier: Kantonsschule am Burggraben zeichnet ihre 303 Maturandinnen und Maturanden aus

Corona trotzen sie bis zum Abschluss: die Abschlussjahrgänge der Kanti Burggraben feiern trotz Einschränkungen in der Kirche Linsebühl.

Viola Priss
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Maturafeiern Kantonsschule am Burggraben in der Kirche Linsenbühl. Am 17. Juni in St. Gallen © Nik Roth / TAGBLATT
Maturafeiern Kantonsschule am Burggraben in der Kirche Linsenbühl. Am 17. Juni in St. Gallen © Nik Roth / TAGBLATT
Maturafeiern Kantonsschule am Burggraben in der Kirche Linsenbühl. Am 17. Juni in St. Gallen © Nik Roth / TAGBLATT
Maturafeiern Kantonsschule am Burggraben in der Kirche Linsenbühl. Am 17. Juni in St. Gallen © Nik Roth / TAGBLATT

Nik Roth

Eine Maturafeier ist per se immer etwas Besonderes. Ein Meilenstein im Leben eines jeden Kantiabgängers, der Übergang in eine neue Lebensphase. Die diesjährige Feier der Kantonsschule am Burggraben jedoch ist in vielerlei Hinsicht anders, als alle Maturafeiern zuvor.

Die Stimmung am Mittwochnachmittag unter den Schülern der 4dNP und 4eNP der Burggrabenschule ist feierlich und doch entspannt. Kurz durchbricht die Sonne die Gewitterwolken, als ein kleiner, loser Pulk aus festlich gekleideten jugendlichen Damen und Herren sich vor der Kirche Linsebühl einfindet. Schon hier fällt auf: Etwas ist ungewöhnlich. Man winkt sich aus der Ferne zu, statt überschwänglicher Umarmungen werden stolz strahlende Lächeln ausgetauscht. Eine reife Atmosphäre herrscht unter den Maturandinnen und Maturanden. Pro Klasse sind es an die 25, geladen sind ausserdem maximal vier Angehörige, so die Vorgabe der Schule.

Pro Klasse sind es an die 25 Maturandinnen und Maturanden. Eingeladen sind ausserdem maximal vier Angehörige.

Pro Klasse sind es an die 25 Maturandinnen und Maturanden. Eingeladen sind ausserdem maximal vier Angehörige.

Nik Roth

Auch in der Kirche herrscht eine aussergewöhnliche Atmosphäre. Statt sonst ausnahmslos besetzter Reihen ist jede zweite Reihe abgesperrt, die Emporen sind unbesetzt. Doch von Leere kann hier keine Rede sein. Der Saal ist gefüllt mit dem, was Rektor Marc König in seiner Ansprache als «beeindruckende Stärke» bezeichnet, welcher er während des Lockdowns in den vergangenen Wochen im Kontakt mit seinen Schülern immer wieder begegnet sei.

Eine neue Schulrealität über Nacht

Hinter den 303 Absolventen der Kantonsschule am Burggraben, liegen Wochen, die sie, ihre Eltern, Lehrer und Freunde wohl nie vergessen werden. Ab dem 13. März, so erinnert Prorektor Michael Lütolf in seiner Laudatio, war für sie alle «von heute auf morgen alles anders». Das hiess für die angehenden Maturandinnen und Maturanden zuerst einmal, dass alles unsicher, unüberschaubar und unberechenbar war. Es hiess für beide Seiten auch, sich auf einen völlig neuen Unterricht einzulassen, hiess, Beziehungen zu den Mitschülern und Lehrern nur noch über den Bildschirm zu pflegen und, so Lütolf, «sich auf eine neue Realität einzulassen».

Deine Welt ist nicht grösser, als das Fenster, dass Du ihr aufreisst – das von Lütolf gewählte Zitat des israelischen Lyrikers Elazar Benyoëtz könnte passender nicht sein. Denn die Schülerinnen und Schüler erschufen sich in den letzten Wochen selbst Fenster. Zueinander und miteinander via Bildschirm, die Zukunft im Blick. Die Herausforderungen des Homeoffice, des autodidaktischen Lernens, des auf den Kopf gestellten Alltages meisterten sie und bewiesen dabei darüber hinaus noch Kreativität. Jahrbuch, Aufgabenhilfe, Schülerzeitung und Schulradio liefen auch in dieser schwierigen Zeit weiter und bescheinigten den jungen Leuten ein Reifezeugnis, das sich zwischen den nackten Zahlen des Maturazeugnisses versteckt.

Die junge Songwriterin Joya Schedler durfte ihr eigens komponiertes Lied «Windows» vorsingen.

Die junge Songwriterin Joya Schedler durfte ihr eigens komponiertes Lied «Windows» vorsingen.

Nik Roth

Musikalisch unterstreicht dies die junge Songwriterin Joya Schedler mit ihrem eigens komponierten Lied «Windows»: «Its the kind of that thing, that makes me want to dream», singt sie und füllt den Saal mit ergreifender Aufbruchsstimmung. Doch die Schüler sollen nicht in Träumen verharren Lütolf ermutigt sie vielmehr ihr Fenster weit aufzureissen, als würde es hinter ihnen brennen. «Stehen Sie auf und stürzen Sie sich singend und tanzend in die Welt.»

Die Matura 2020, was ist sie wert?

Die Frage drängt sich auf, was die Matura 2020 noch wert sei, so Rektor Marc König in seiner Rede an die Absolventen. Anders sei, dass dieses Jahr ein warmer Händedruck ausbleiben müsse. Anders sei, dass die Zeugnisse coronabedingt in roten Säcken überreicht würden. Weggefallen seien für die Schüler ausserdem die mündlichen Prüfungen. Dazu käme jedoch ein Mehr an Lebenserfahrung, auch an informatischem Know-how, an realem Erleben von Gesundheits-, Wirtschafts- und Weltpolitik, wie es die Jahrgänge vor ihnen nicht vorweisen können. König:

«Sie sind der Jahrgang Corona und gleichzeitig auch der Jahrgang Klima.»

Er widmet jeden Applaus, der die einzelnen Absolventen hoch zur Empore begleitet ebenfalls den Eltern und Freunden. All ihnen gebühre ebenfalls Anerkennung. Das nun sinnbildlich weit aufgerissene Fenster stehe sperrangelweit offen, sagt Prorektor Michael Lütolf zum Abschluss. «Bis zum Ausgang begleite ich Sie noch. Den Rest Ihres Weges gehen Sie dann selbst.»

Es sind so nicht nur die vor Stolz strahlenden Gesichter der Kantiabgänger, die unter den opulenten Orgelklängen ihres Mitschülers Basil Herold aus der Kirche schreiten. Ein Blick in die Gesichter der anwesenden Eltern und Freunde verrät, dass das Miteinander der letzten Wochen an diesem Tag in ein «endlich miteinander feiern dürfen» mündet. Nicht selten sind sie es, die später vor der Kirchtüre später das rote Säckli mit dem ganz besonderen Inhalt vor der stolzgeschwellten Brust tragen.