Vielen Dank für Ihre Registrierung. Sie haben jetzt den Aktivierungslink für Ihr Benutzerkonto per E-Mail erhalten.

Vielen Dank für Ihre Anmeldung.

Ihr Konto ist aktiviert. Wir wünschen Ihnen viel Lesevergnügen.

Vielen Dank für Ihre Bestellung. Wir wünschen Ihnen viel Lesevergnügen.

Die neue Leiterin im Bernhardzeller Wiborada: Ein Farbtupfer im Heimalltag

Nach dem Tod des Heimleiters standen Bewohner und Mitarbeiter im Wiborada in Bernhardzell unter Schock. Jetzt hat die ehemalige Pflegedienstleiterin die Führung übernommen. Eigentlich hatte sie schon gekündigt.
Corinne Allenspach
Seit Anfang Juni leitet Gaby Abenhaim das Wohn- und Pflegezentrum Wiborada. Ihre Vorliebe für Pink ist oft Gesprächsthema bei den Bewohnern. (Bild: Michel Canonica)

Seit Anfang Juni leitet Gaby Abenhaim das Wohn- und Pflegezentrum Wiborada. Ihre Vorliebe für Pink ist oft Gesprächsthema bei den Bewohnern. (Bild: Michel Canonica)

Pink. Die neckische Haarsträhne, der Nagellack, der Lippenstift, der Locher auf dem Tisch, die Schere, die Orchidee, die Bilder an der Wand, gemalt vom Ehemann. Wer Gaby Abenhaim in ihrem Büro in einem der bequemen Ledersessel gegenübersitzt, kann die pinke Farbe nicht übersehen. Eine spezielle Bewandtnis habe es nicht damit, sagt die Leiterin des Wohn- und Pflegezentrums Wiborada. «Ich hatte auch schon Rot und Violett.» Aber jetzt ist es Pink. Eine Farbe, die Fröhlichkeit und einen Hauch Unbeschwertheit ausstrahlen soll. Etwas, das im Wiborada in den vergangenen Wochen besonders wichtig war, hat das Heim doch eine Zeit der «enormen Wellenbewegungen» hinter sich, wie Gaby Abenhaim sagt.

Dass sie an diesem Tag überhaupt im Büro der Heimleitung sitzt, ist dem Schicksal geschuldet. Eigentlich hatte die 50-Jährige, die mit ihrem Mann und zwei kanarischen Doggen in St. Gallen wohnt, gekündigt. Auf 1. Juni hätte sie im Josefsheim in St. Gallen die Pflegedienstleitung übernehmen sollen. Hätte. Denn dann kam der Tag, der das Wiborada in einen Schockzustand versetzte. Der langjährige Heimleiter Thomas Günter starb im April an Herzversagen. «Die Bewohner und die Belegschaft waren sehr bestürzt und im luftleeren Raum», sagt Gaby Abenhaim. Zumal auch der neue Stiftungspräsident Christoph Hagger erst seit wenigen Tagen im Amt war.

Herzlichkeit und Wertschätzung leben

Die Mitarbeiter seien auf sie zugekommen und hätten gesagt: «Du kannst jetzt nicht gehen.» Aber Gaby Abenhaim hatte ja bereits einen Vertrag. Ausserdem war es für sie nie Thema, ein Seniorenheim zu führen. Aber: «Man plant und denkt, und dann wird plötzlich anders bestimmt.» Als dann auch der Stiftungspräsident fragte, ob sie nicht bleiben könne, fühlte sie sich geehrt. Und sie, deren Herz fürs Wiborada schlägt, musste nicht mehr lange überlegen. «Ich habe mit grosser Freude ja gesagt.» Im Josefshaus sei die Freude verständlicherweise klein gewesen, aber das Verständnis für die aussergewöhnlichen Umstände sei da.

Seit 1. Juni nun leitet Gaby Abenhaim das Wiborada. Vorher war sie dort sechs Jahre lang als Pflegedienstleiterin tätig. Diese Aufgabe übernimmt neu Kathrin Kuratli. Alte Menschen liegen Gaby Abenhaim am Herzen. Ihr ganzes Berufsleben hatte sie mit Senioren zu tun, 25 Jahre in leitender Funktion an verschiedenen Orten. «Ich habe viel gesehen und erlebt, wie man ein Heim gut oder weniger gut führen kann.» Was ihr wichtig ist, weiss die St. Gallerin deshalb genau. Sie will Herzlichkeit in den Heimalltag bringen und Wertschätzung gegenüber den 70 Mitarbeitenden. «Wenn jemand geschätzt wird, gibt er das weiter und das kommt im Endeffekt den Bewohnern zugute», ist sie überzeugt.

Je länger das Gespräch dauert, desto klarer wird, warum man Gaby Abenhaim im Wiborada nicht hat ziehen lassen wollen.

Ein Begegnungsort für Jung und Alt

Ihre Fröhlichkeit, ihre Energie und ihre Begeisterung sind ansteckend. Die grauen Augen funkeln hinter den grossen Brillengläsern, wenn sie erzählt, was sie mit dem Wiborada plant. Ein offenes Haus soll es werden. Dank Veranstaltungen wie Herbstmarkt, Chilbi, öffentlichen Vorträgen und mehr. Zudem sollen die Öffentlichkeitsarbeit, der Einbezug der Angehörigen, die Vernetzung mit dem Dorf und die Zusammenarbeit mit anderen Institutionen gefördert werden. «Ich möchte den Leuten die Schwellenangst nehmen vor dem Pflegeheim», sagt Gaby Abenhaim. «Das Wiborada soll zu einem Begegnungsort für Jung und Alt werden.»

Denn eines weiss die 50-Jährige nach jahrelanger Arbeit in der Altenpflege: «Die Bewohner geben einem sehr viel.» Sie seien mit sehr wenig zufrieden. Einem netten Wort, einem Lächeln, einer Aufmerksamkeit. Und sie hätten es verdient, dass man ihnen im Alter eine Stimme gebe in einer Gesellschaft, die es alten Menschen oft nicht leicht mache.

Was sagen die Bewohner eigentlich zu Gaby Abenhaims Vorliebe für Pink? Die Heimleiterin lacht. Sie werde oft angesprochen. «Viele meinen ja, alte Menschen seien eher konservativ.» Aber sie erhalte viele Komplimente, höre oft, Pink passe zu ihr. Und: Es bringe Pep in den Heimalltag.

Merkliste

Hier speichern Sie interessante Artikel, um sie später zu lesen.

  • Legen Sie Ihr persönliches Archiv an.
  • Finden Sie gespeicherte Artikel schnell und einfach.
  • Lesen Sie Ihre Artikel auf allen Geräten.