Ein Elterncafé soll im Halden-Quartier für mehr Austausch sorgen

Um fremdsprachige Familien zu fördern, hat das Quartier Halden eine Plattform für Eltern geschaffen.

Rafael Hug
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Das Elterncafé soll auch Anlaufstelle für Erziehungsfragen sein.

Das Elterncafé soll auch Anlaufstelle für Erziehungsfragen sein.

Getty

Eine Gruppe von Eltern hat jüngst ein Elterncafé im Quartier Halden ins Leben gerufen. Es soll eine Plattform für Eltern, insbesondere fremdsprachige, aus dem Quartier bieten. Diese sollen damit die Chance haben, sich in neutralem Rahmen und unabhängig von ihrer Nationalität austauschen zu können. Im Organisationskomitee sind Eltern aus der Schweiz, aus Nigeria, aus der Türkei, aus Albanien und aus Griechenland vertreten.

Ebenso multinational geht es im Quartier zu und her. Der Anteil an fremdsprachigen Familien ist gross, genauso wie die Vielfalt an Nationalitäten. So wird Integration im heterogenen Quartier grossgeschrieben. Doch nebst vielen Chancen und der Vielfältigkeit bringen die kulturellen und sprachlichen Unterschiede auch Herausforderungen mit sich. Eine grosse Herausforderung ist dabei die Bildung. Eng damit verbunden ist die Kommunikation mit den Eltern der Schulkinder. Die Eltern sind ein wichtiger Teil des Eingliederungsprozesses.

Manuela Rechsteiner-Anastasakos, Sozialarbeiterin und Initiantin des Elterncafés

Manuela Rechsteiner-Anastasakos, Sozialarbeiterin und Initiantin des Elterncafés

Bild: Rafael Hug

Fundament der Integration sei die Sprache. «Deshalb möchten wir im Elterncafé den Sprachbarrieren entgegenwirken», sagt Manuela Rechsteiner-Anastasakos aus dem Organisationskomitee. Die Sozialarbeiterin ist selbst Mutter von drei Kindern und wohnt im Halden-Quartier. «Im Elterncafé versuchen wir, ausschliesslich Deutsch zu sprechen.» Denn nicht nur fremdsprachige Kinder, sondern auch deren Eltern sollen in ihren Sprachfähigkeiten gestärkt werden. Dies geschieht, so das Konzept des Elterncafés, am einfachsten über den Austausch mit Menschen in einer vergleichbaren Lebenssituation.

Bessere Vernetzung unter den Eltern

«Das Bedürfnis nach mehr Vernetzung im Quartier war offensichtlich da», sagt Rechsteiner. Dass es viele motivierte Eltern und Lehrkräfte gebe, sei Anlass genug gewesen, aktiv zu werden. «Wir streben mit dem Elterncafé einen niederschwelligen Austausch und die Vernetzung der Eltern im Quartier an.»

Für fremdsprachige Familien sei der Alltag anspruchsvoll – neuer Heimatort, unbekannte Sprache und neue Strukturen. Oft sei aufgrund von Sprachbarrieren auch die Kommunikation zwischen Eltern und Schule nicht einfach. Gehen Informationen im Austausch verloren, so stehe das einer guten Integration im hiesigen Quartierleben im Weg.

«Diese Defizite wollen wir mit aktiver Integrationsförderung abbauen.»

Der Treff, zu dem auch Schulkinder und deren Geschwister eingeladen sind, soll für die Eltern auch eine Anlaufstelle für Erziehungsfragen sein. «Es ist wichtig, Eltern in Themen, die sie verunsichern oder beschäftigen, ernstzunehmen und zu unterstützen», sagt Rechsteiner. Solche Unsicherheiten können Fragen zur Kinderbetreuung, zur gesunden Entwicklung der Kinder und zur Eingliederung in der neuen Heimat sein. «Wir wollen kulturenübergreifend Berührungsängste nehmen, das Zusammenleben stärken und den Austausch fördern», sagt Rechsteiner. Bis im kommenden März sind acht Durchführungen des Elterncafés Halden geplant.

«Wenn die Anlässe auf Anklang stossen, wollen wir das Projekt unbedingt weiterführen.»

Sie seien sehr dankbar für die Unterstützung und Zusammenarbeit mit der Schule, der ökumenischen Kirchengemeinde und des Elternforums.

Für das Café plane man gemeinsam mit Fachstellen interaktive Programmpunkte: Das Elterncafé solle sich den Bedürfnissen der Eltern anpassen und weiterentwickeln. «Denn am Ende wollen wir Vielfalt und Integration leben», resümiert Rechsteiner.

Quartierbeauftragter betont Rolle für die Integration

Peter Bischof, Quartierbeauftragter der Stadt St.Gallen.

Peter Bischof, Quartierbeauftragter der Stadt St.Gallen.

Bild: Benjamin Manser

«Solche Projekte haben eine wichtige Rolle im Integrationsprozess», sagt Peter Bischof, Quartierbeauftragter der Stadt St.Gallen zum Elterncafé. Doch den Begriff Integration müsse man differenziert betrachten, hier im Kontext von Migration. Das Elterncafé habe das Potenzial, Eltern unterschiedlicher sozialer Schichten dazu zu bewegen, direkte Kontakte zu knüpfen und gegenseitiges Vertrauen aufzubauen. Um sich so im Quartier wohlzufühlen. «Diese Anlässe sind wichtig für eine nachhaltige Eingliederung der Familien in die Gesellschaft», sagt Bischof.

Hinweis: Nächstes Elterncafé: 7. Januar 2020, 8-11 Uhr, Haldenkirche.

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