Wegen Millionen für die Sana Fürstenland AG formieren sich in Gossau Befürworter und Gegner – obwohl noch nicht sicher ist, ob es überhaupt eine Abstimmung geben wird

Schon laufen Kampagnen für und gegen die Gossauer Pflegeheimmillionen, ohne dass eine Abstimmung sicher ist.

Johannes Wey
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Die IG für ein optimiertes Pflegeheim sammelt derzeit Unterschriften.

Die IG für ein optimiertes Pflegeheim sammelt derzeit Unterschriften.

Symbolbild: Martin Rütschi/Keystone

Man könnte meinen, der Urnengang über die drei Millionen für die Sana Fürstenland AG stehe unmittelbar bevor. Die Leserbriefe in den Zeitungen, offensichtlich wohl koordiniert, könnten Seiten füllen. Mitte Oktober trudelten plötzlich die ersten Zuschriften von Befürwortern der Finanzspritze auf der Redaktion ein. Als die IG für ein optimiertes Pflegeheim (Igop) dann das Referendum ankündigte, zogen die Gegner mit Leserbriefen nach. Auch Inserate wurden geschaltet.

Sandro Contratto (FDP)

Sandro Contratto (FDP)

Bild: PD

Dabei steht noch nicht einmal fest, ob es überhaupt zu einer Abstimmung kommt. Seit dem 14. November läuft die Referendumsfrist. Das Stadtparlament hatte den Beitrag über drei Millionen Franken vor einem Monat gutgeheissen – die einzige Gegenstimme kam von Sandro Contratto (FDP), einem von zwei Gesichtern der IG für ein optimiertes Pflegeheim (Igop). Diese hat laut ihrem zweiten Exponenten, Marius Thürlimann, schon weit über die Hälfte der nötigen 600 Unterschriften gesammelt. Die Frist läuft bis am 23. Dezember. «Wir sind zuversichtlich, die Zahl zu erreichen», sagt Thürlimann.

Gegenkomitee bereitet sich schon auf Abstimmung vor

Hanspeter Froehlich

Hanspeter Froehlich

Bild: Urs Bucher

Nun hat sich bereits ein Gegenkomitee gebildet («Tagblatt» vom Montag). Im Kernkomitee engagieren sich sechs Personen, darunter ein aktives und drei ehemalige Mitglieder des Stadtparlaments. Am Dienstag ging die Website des Komitees Pro-Visorium online. Der Fokus liege einerseits darauf, die Stimmberechtigten zu überzeugen, das Referendumsbegehren nicht zu unterschreiben, sagt Präsident Hanspeter Fröhlich. Andererseits plane das Komitee auch schon die Organisation eines Abstimmungskampfes. «Es ist anzunehmen, dass die Igop 600 Unterschriften zusammenbringt», sagt Fröhlich. Kommt das Referendum zu Stande, dürfte die Abstimmung im März stattfinden.

Vom neuen Gegenspieler lässt sich die Igop laut Thürlimann nicht beirren. Man werde die Bemühungen auch mit einem Gegenkomitee nicht verstärken. Die Igop konzentriere sich derzeit auf die Unterschriftensammlung, einem allfälligen Abstimmungskampf werde man sich später widmen.

Zeigen, dass es einem ernst ist

Silvano Moeckli.

Silvano Moeckli.

Bild: PD

Dass sich das Gegenkomitee jetzt schon formiert, findet Politologe Silvano Moeckli «sehr klug». «Je früher man sich engagiert, umso besser.» Das zeige, dass es einem ernst ist. Und vielleicht gelinge es auch, potenzielle Unterzeichner eines Referendumsbegehrens abzuschrecken. «Sie sehen, welche Meinungsführer und welche Mittel bei einer Abstimmung auf der Gegenseite wären.» Das klare Resultat im Parlament spricht laut Moeckli eher dafür, dass es auch vom Volk bestätigt würde. «Allerdings kann es immer zu einer Überraschung kommen.»