Gymnasium Friedberg in Gossau fördert Dialog zwischen Jung und Alt: Grossmutter erzählt Enkel über ihr Leben in der Sowjetunion

Schülerinnen und Schüler des Gymnasiums Friedberg haben im Rahmen eines Schulprojekts Zeitzeugen interviewt. Der Schüler Michael Palkin befragte seine Grossmutter Svetlana Gogija.

Yuliya Khandozhko
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Der Enkel Michael Palkin nimmt das Interview mit seiner Grossmutter mit dem Smartphone auf und macht einen Kurzfilm daraus.

Der Enkel Michael Palkin nimmt das Interview mit seiner Grossmutter mit dem Smartphone auf und macht einen Kurzfilm daraus.

Yuliya Khandozhko (1. Juli 2020)

Michael Palkin zeigt den fertigen fünfzehnminütigen Kurzfilm. Darin interviewt er seine Grossmutter Svetlana Gogija über ihr Leben in der Sowjetunion. Seine Fragen und ihre Antworten werden mit Schwarz-Weiss-Fotos aus dem Familienarchiv, passend zum Thema, ergänzt.

Im Rahmen des Geschichtsunterrichts hatten die Schüler des Gymnasiums Friedberg in Gossau die Aufgabe erhalten, lebende Zeitzeugen zu interviewen und daraus kurze Filme zu erstellen. Der Auftrag ist Teil des kantonsübergreifenden Schulprojektes «Zeitmaschine bauen», das neu mit zwei ersten Untergymnasiumklassen des Gymnasiums Friedberg auch erstmals im Kanton St. Gallen umgesetzt wurde. Die Kurzfilme, die dabei entstanden sind, können online anschaut werden.

Von Familienfotos zur Idee

Der Interviewteil sei einfach gewesen, sagt Michael Palkin. «Ich habe einige Fragen zusammengestellt und diese mit meiner Grossmutter besprochen und verbessert. Nach zwei Anläufen war das Audiofile fertig», sagt der 13-Jährige.

Er fand das Interview spannend, da er nicht viel vom Lebenslauf seiner Grossmutter wusste und so mehr über diese Zeit lernen konnte. Das Fotografieren und Schneiden sei aufwendiger gewesen und habe länger gedauert.

Wie die Schülerinnen und Schüler mit einer App Videos erstellen und bearbeiten können, hatte ihnen zuvor Christian Lüthi, Historiker, Medienwissenschaftler und Initiant des Projektes, in der Schule gezeigt.

Die Videos sollten aus Einblendungen von Familienfotos und Gegenständen aus dem Leben der Zeitzeugen bestehen. Die Fotos aus Svetlana Gogijas Familienarchiv waren es auch, die Palkin auf die Idee gebracht haben, seine Grossmutter als Zeitzeugin zu wählen.

Ein Bild aus dem Familienarchiv: Svetlana Gogija mit ihrem Sohn.

Ein Bild aus dem Familienarchiv: Svetlana Gogija mit ihrem Sohn.

PD

Auch diese zeigte grosses Interesse an der Projektarbeit ihres Enkels. «Fünfzehn Minuten reichen natürlich nicht aus, um den ganzen Lebenslauf zu erzählen», sagt Svetlana Gogija, «aber wir haben es doch in kompakter Form geschafft».

Das Projekt sei lehrreich und nützlich, gerade in der heutigen Zeit, in der sich die Jugend wenig für reale Leute interessiere, sagt Gogija. Normalerweise fehlt sowohl der immer noch in Vollzeit berufstätigen 68-jährigen Ärztin als auch ihrem Enkel die Zeit für Gespräche über ihr Leben.

Aktiven Umgang mit der Vergangenheit fördern

Laut dem Rektor des Gymnasiums, Lukas Krejčí, sollen die Schülerinnen und Schüler durch das Projekt richtiges Fragen und Zuhören lernen. Er sagt:

«Die Schüler sollen fragend an die Geschichte herangehen.»

Sie sei mehr als das, was man aus Büchern und Lehrfilmen kenne. «Geschichte ist überall.» Der Kontakt mit lebenden Zeitzeugen solle einen aktiven Umgang mit der Vergangenheit fördern, den historischen Wert der Zeugen verständlich machen und aufzeigen, dass mit deren Ableben ein wichtiger Teil der Geschichte verloren gehe.

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