Ein Bus für den Kammelenberg: St.Galler Quartier kämpft für seine ÖV-Anbindung

Anwohner des Kammelenbergs in St. Georgen haben über 500 Unterschriften für eine eigene Buslinie gesammelt. Die Stadt prüft das Anliegen nun vertieft. Es gibt aber einige Hindernisse.

Luca Ghiselli
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Geht es nach den Quartierbewohnern, schlängelt sich bald schon ein VBSG-Bus diese Serpentinen hoch. (Bild: Ralph Ribi, 17. Dezember 2018)

Geht es nach den Quartierbewohnern, schlängelt sich bald schon ein VBSG-Bus diese Serpentinen hoch. (Bild: Ralph Ribi, 17. Dezember 2018)

Nirgendwo sonst schlängeln sich auf Stadtgebiet die Serpentinen so eng den Hang hoch wie hier. Gleich hinter dem Schulhaus Hebel in St. Georgen beginnt die Biserhofstrasse, die 700 Meter, vier Spitzkehren und knapp 50 Höhenmeter weiter oben in die Kammelenbergstrasse mündet. Zahlreiche Einfamilienhäuser, Villen mit Swimmingpool im Garten, aber auch einfachere Wohnbauten finden sich hier, am Südfuss des Freudenbergs.

Geht es nach den Anwohnern des Kammelenbergs, soll möglichst bald ein VBSG-Bus die Serpentinen hochfahren. Im Sommer hat ein Komitee über 500 Unterschriften für eine Buslinie ins Quartier gesammelt, im Oktober wurde die Bittschrift dem Stadtrat übergeben. Die Argumentation: Viele ältere Bewohner könnten die steilen Treppen von den Haltestellen der Buslinie 6 nicht mehr gut erklimmen, vor allem nicht mit Einkäufen. Ausserdem habe sich der Kammelenberg in den vergangenen Jahren baulich stark entwickelt und sei gewachsen. «Heute, da die Förderung des öffentlichen Verkehrs allgemein propagiert wird, empfindet das Quartier die Erschliessung des Kammelenbergs als überfällig», schreibt das Komitee in der Petition.

Forderungen nach Buslinie werden lauter

Die Forderung nach einer Buslinie auf den Kammelenberg sei an der Hauptversammlung des Quartiervereins St. Georgen nach einiger Zeit wieder aufgekommen, sagt Stephanie Meier vom Petitionskomitee. Ein anderer Anwohner, Hans Widmer, habe die städtische Baudirektorin Maria Pappa gefragt, warum das Quartier noch immer nicht vom ÖV erschlossen sei. «Das habe ich mich schon lange gefragt, und so kam die Idee einer Petition auf», sagt Meier.

Die Rufe nach einer Buserschliessung des Kammelenbergs würden im Quartier immer lauter, sagt Meier. Deshalb hoffe sie, dass der Stadtrat die Notwendigkeit einer Buslinie anerkenne und schon bald einen ersten Entwurf für das weitere Vorgehen in Aussicht stellen könne. Meier führt zum Beispiel die Buslinie Oberhofstetten als Argument für ein unkompliziertes Vorgehen ins Feld. Diese wurde per Parlamentsentscheid 2008 definitiv eingeführt. Stephanie Meier ist sich aber auch bewusst, dass sich die Ausgangslage seither geändert hat. Die Einführung neuer Buslinien liegt nicht mehr allein in der Kompetenz der Stadt. Seit 2016 bedürfen sie der Mitsprache des Kantons. Meier hofft, wie in Oberhofstetten, auf einen Probebetrieb. «Wenn wir es dort schaffen, den Bedarf auszuweisen und die nötigen Fahrgastzahlen erreichen, haben wir gute Chancen.» Das Quartier müsse jedenfalls am Ball bleiben und für die eigene Buslinie kämpfen.

Stadträtin und Baudirektorin Maria Pappa. (Bild: Benjamin Manser, 8.März 2018)

Stadträtin und Baudirektorin Maria Pappa. (Bild: Benjamin Manser, 8.März 2018)



Stadträtin Maria Pappa erklärt auf Anfrage, es gebe verschiedene Knackpunkte zu klären, bevor ein solcher Probebetrieb eingeführt werden könnte. Die Baudirektorin zählt zum Beispiel Wirtschaftlichkeit und Nachfrage der Linie dazu. Diese müssen laut Vorgaben des Kantons nämlich ausgewiesen sein. Sind sie es nicht, ist ein Versuchsbetrieb notwendig. Und wird das Potenzial der Probelinie auch dann noch als zu klein eingestuft, wird das Gesuch an den Absender zurückgewiesen.

Die Stadt klärt bauliche Massnahmen ab

Pappa teilt jedoch die Einschätzung des Komitees, wonach eine Buslinie auf den Kammelenberg für Quartierbewohner, insbesondere für Ältere, eine Entlastung wäre. «Nun gilt es abzuklären, welche baulichen Massnahmen überhaupt nötig wären, um eine Buslinie auf den Kammelenberg zu gewährleisten.» Dabei wird zum Beispiel geklärt, ob ein Wendeplatz gebaut oder Strassen verbreitert werden müssen.

«So stellen wir fest, ob es bauliche No-Go’s gibt, die einen Betrieb ohnehin verhindern würden», sagt Pappa. Und falls nicht, könne man mit der Planung eines Probebetriebs fortschreiten. Im März 2019 treffe sich die Direktion Planung und Bau mit den Technischen Betrieben zur Koordinationssitzung. «Dort fällt dann eine erste Vorentscheidung», sagt Pappa. Falle diese positiv aus, könne die Stadt mit der Planung fortschreiten und anschliessend beim Kanton vorstellig werden.

Bis dann aber tatsächlich auch ein Bus auf den Kammelenberg fährt, dauert es mindestens nochmals zwei Jahre. Dabei würden Kosten und Betrieb genau unter die Lupe genommen werden. Maria Pappa hegt dabei leise Zweifel, ob eine Buslinie via Biserhofstrasse in den Kammelenberg wirklich genug Fahrgäste anlocken könnte. Weil das Quartier hauptsächlich aus Einfamilienhäusern bestehe, sei fraglich, ob die nötige Anzahl Fahrgäste erreicht werden könnte, um die Buslinie wirtschaftlich genug auszugestalten.