Ein Buch über die Stägestadt St.Gallen: 13'000 Stufen in Wort und Bild

St.Gallen ist eine Treppenstadt. Über 120 öffentliche Treppen gibt es hier. Ihnen wurde jetzt ein Buch gewidmet. Der 192 Seiten starke Band von Kunsthistoriker Edgar Heilig und Fotograf Klaus Stadler überzeugt. Er hat das Zeug zum Standardwerk zu diesem Thema zu werden.

Reto Voneschen
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Die St.Galler Treppen sind die direkteste Fussverbindung zwischen der Talsohle sowie den Hängen und Kuppen nördlich und südlich der Stadt. Sie werden im Alltag gerne benutzt, sind für viele aber auch ein beliebtes Sportgerät. Im Bild die Gesstreppe am Dreilindenhang. (Bild: Ralph Ribi - 18. Juli 2019)

Die St.Galler Treppen sind die direkteste Fussverbindung zwischen der Talsohle sowie den Hängen und Kuppen nördlich und südlich der Stadt. Sie werden im Alltag gerne benutzt, sind für viele aber auch ein beliebtes Sportgerät. Im Bild die Gesstreppe am Dreilindenhang. (Bild: Ralph Ribi - 18. Juli 2019)

Erstaunlich ist am Buch «TreppenLandschaft St.Gallen» zuerst einmal, dass es so lange gedauert hat, bis eine so umfassende Publikation zum Thema erschienen ist. In St.Gallen sind öffentliche Treppen nämlich allgegenwärtig. Dies ist der Lage der Stadt zwischen zwei Hügelzügen und ihrer Entwicklungsgeschichte geschuldet.

Eine Lesepause auf der Treppe. (Bild: Roger Berhalter - 16. August 2018)

Eine Lesepause auf der Treppe. (Bild: Roger Berhalter - 16. August 2018)

Heute existieren auf Stadtgebiet über 120 öffentliche Treppen, die auf einer Länge von gut 8,5 Kilometern rund 13'000 Stufen aufweisen. Mit diesen Zahlen gehört St.Gallen mit Sicherheit in die Spitzengruppe der treppenreichsten Städte Europas.

Teil des Alltagslebens

Auf jeden Fall spielen die Treppen bis heute im Alltag vieler Städterinnen und Städter eine wichtige Rolle als direkteste Fussverbindung vom Wohn- zum Arbeits- oder zum Studienplatz und aus dem Siedlungs- in die Naherholungsgebiete. Zunehmend werden sie auch als Sportgeräte (wieder-)entdeckt. «Wieder», weil sie früher beliebte «Turngeräte» für Oberstufen- und Kanti-Sportlehrer waren.

Der Tatsache, dass sich Treppen hervorragend für Ausdauertrainings eignen und bei Läuferinnen und Läufern beliebt sind, trägt etwa auch die Aktion «Stägestadt» Rechnung. Am Stägestadt-Tag gibt's neben kulturellen immer auch sportliche Aktivitäten auf öffentlichen Treppen der Stadt. In diesem Jahr findet der Tag am 8. September statt.

Premiere zieht viel Publikum an

Das Buch zu den Treppen der Stadt hatte am Samstag vor dem ehemaligen Schulhaus Tschudiwies Premiere. Dass das Thema interessiert, zeigte der vergleichsweise grosse Publikumsaufmarsch. Der Text für den Band stammt aus der Feder des Kunsthistorikers Edgar Heilig, die Bilder zum grössten Teil von Klaus Stadler. Erschienen ist er in der Schriftenreihe der Stadt St.Gallen. Vertrieben wird der Band durch die Verlagsgenossenschaft St.Gallen (VGS).

Klaus Stadler, Fotograf und Physiotherapeut.

Klaus Stadler, Fotograf und Physiotherapeut.

Man kann’s kurz auf den Punkt bringen: Der Band über die Stadtsanktgaller Treppen ist gelungen. Er ist eine gute Mischung, die das Zeug zum Standardwerk für das behandelte Thema hat. Auf den ersten Blick überzeugen die Illustrationen: Neben Plänen und historischen Bildern findet sich eine Fülle aktueller und origineller Aufnahmen aus allen Ecken der Stadt. Auf 192 Seiten sind es 190 Abbildungen. Bei manchen Bildern und Plänen bedauert man eigentlich nur, dass das Format des Bandes nicht grösser gewählt wurde. Was vermutlich eine Kostenfrage war.

Raritäten und Architekturtreppen

Edgar Heilig, Kunsthistoriker und Buchautor.

Edgar Heilig, Kunsthistoriker und Buchautor.

Nicht nur die Bilder überzeugen, sondern auch der Text. Was angesichts des Autors nicht überrascht. Edgar Heilig war bis zu seiner Pensionierung lange Jahre bei der St.Galler Stadtplanung tätig. Basis des Buchs ist ein Bericht über Treppen fürs Tiefbauamt von 2014. Speziell spannend ist sein Ansatz, die St.Galler Treppen in zehn Familien einzuteilen.

Hier kommen auch «Raritäten» wie die Hundwiler Leiter vor. Dieser legendäre Auf- und Abstieg vom Wolfganghof zu den Brücken an Wattbach und Sitter existiert heute nicht mehr. Zusätzlich wirft Heilig ein Bild auf «Architekturtreppen», also auffällige Treppen in Zusammenhang mit öffentlichen Bauten und Anlagen in der Innenstadt sowie auf Unterführungen.

«TreppenLandschaft St.Gallen» ist im Buchhandel, online bei der Verlagsgenossenschaft St.Gallen (VGS) oder im Foyer des St.Galler Rathaus für 34 Franken erhältlich.

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Roger Berhalter