Eigentlich wollte diese St.Gallerin nicht unbedingt 100 Jahre alt werden - weil aber der Stadtpräsident vorbeikommt, hat sie es sich anders überlegt

Die Rentnerin Lilly Frei ist 100. Zu diesem hohen Geburtstag gab's am Freitag weisse Orchideen. Sie hat viel zu erzählen, auch über den Zweiten Weltkrieg.

Elisabeth Fitze
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Stadtpräsident Thomas Scheitlin stosst mit Lilly Frei an.

Stadtpräsident Thomas Scheitlin stosst mit Lilly Frei an.

Bild: Elisabeth Fitze

Lilly Frei hat es geschafft. Jetzt hat sie die 100-Jahr-Marke endlich erreicht. Eigentlich habe sie nicht unbedingt 100 werden wollen, aber als sie hörte, dass der Stadtpräsident dann vorbeikäme, habe sie es sich doch anders überlegt, sagt sie.

Wie versprochen besuchte Stadtpräsident Thomas Scheitlin die Jubilarin am Freitag, um ihr zu gratulieren. «Auf 200 Jahre mehr», sagt er, als er mit ihr anstösst. Sie antwortet nur mit einem herzhaften Lachen.

Die 100-Jährige findet vor allem in der Natur viel Freude. Ihre Lieblingsblume sei die weisse Orchidee. Vor Frei steht nicht nur ein Orchideenstock, sondern gleich zwei. Der Stadtpräsident und die Altersheimleitung haben ihren Wunsch beide erhört. Auch am Garten des Altersheim Sömmerli, in dem sie seit sieben Jahren residiert, erfreut sich Lilly Frei sehr.

Sie sei sehr zufrieden. «Hauptsache es geht noch», sagt die Jubilarin. Seit dieser Woche lebt sie wieder im Haus Sömmerli, nachdem sie fast ein Jahr lang im Provisorium hauste. Ihr neues Zimmer hat drei Fenster. Da hätten auch all die Blumen Platz.

Die Jubilarin half Flüchtlingen

Lilly Frei hat in ihrem langen Leben viel erlebt. Ihr Grossneffe, der sich mit ihrer Geschichte intensiv beschäftigt hat, erzählt von ihrer Zeit im Zweiten Weltkrieg. Sie arbeitete damals als Telefonistin im Krankenhaus in St.Gallen.

Ihr Spital bekam Ende des Krieges eine telefonische Anfrage, ob sie für Flüchtlinge aus dem Konzentrationslager Mauthausen Platz hätten. Diese hat das Krankenhaus aufgenommen und versorgt. Dies sei eine ihrer prägendsten Erfahrungen gewesen.