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St.Galler Oberstufenschüler über das Kinderfest: «Eher ein Fest für die ältere Generation»

Es gibt Dinge, die Oberstufenschüler am Kinderfest stressen: Der Marsch zum Kinderfestplatz erscheint ihnen endlos. Die Vorgaben bei der Kleiderwahl sind ihnen zu streng. Dennoch geben sich die Jugendlichen überraschend traditionsbewusst.
Christina Weder
Die Schülerinnen und Schüler der Oberstufe Centrum finden, am Kinderfest ist zu viel vorgegeben: «Wir sollten unsere Meinung dazu sagen können», sagt beispielsweise Joyce (links). (Bild: Michel Canonica)

Die Schülerinnen und Schüler der Oberstufe Centrum finden, am Kinderfest ist zu viel vorgegeben: «Wir sollten unsere Meinung dazu sagen können», sagt beispielsweise Joyce (links). (Bild: Michel Canonica)

«Wer von Euch freut sich so richtig aufs Kinderfest?» Auf diese Frage ist es zunächst einmal ruhig im Klassenzimmer des Schulhauses Blumenau. Die zwölf Jugendlichen im Alter zwischen 13 und 17 Jahren, die verschiedene Klassen der Oberstufe Centrum besuchen, werfen sich verstohlene Blicke zu. Schliesslich melden sich zwei Mädchen, die sich zumindest «ein bisschen freuen» – vor allem auf die Tanzaufführung. Neun Jugendliche sind eher gleichgültig eingestellt. Sie machen mit, weil es eben dazugehört. Nur ein Schüler findet es «einen Seich». Andrej (13) begründet: «In dieser Hitze zur Kinderfestwiese hochzulaufen, finde ich gar nicht toll. Letztes Mal war es richtig heiss.»

Das Klischee, dass Oberstufenschüler das Kinderfest partout nicht mögen, ist damit schnell entkräftet. Das ist die erste Erkenntnis an diesem Morgen, an dem die zwölf Jugendlichen Red und Antwort stehen, was sie vom Kinderfest halten. Die meisten von ihnen machen bereits zum dritten Mal mit. Sie lieben es zwar nicht, aber sie hassen es auch nicht. Denn schliesslich finden alle etwas, was ihnen am Anlass gefällt, der – sofern das Wetter mitspielt – am Mittwoch stattfinden soll.

An erster Stelle werden als Vorteile der unterrichtsfreie Tag und der schulfreie Morgen danach genannt. «Dann können wir ausschlafen», sagt Tina (13). Wichtig ist auch das Essen. Auf die Frage, ob sie nicht lieber einen Kebab statt einer Bratwurst hätten, fällt die Antwort eindeutig aus. Auf die St. Galler Spezialität wollen sie nicht verzichten. Gian (14) findet aber auch das Vegi-Brötli fein, das die Schüler anstelle der Wurst wählen können. Und Larissa (13) freut sich auf die Süssigkeiten.

Herumkommandieren und Kleiderwechseln

Die Jugendlichen sehen das Fest nicht durch die rosarote Brille. Sie haben das eine oder andere daran auszusetzen. Gian stört sich am «Herumkommandieren der Lehrer». Tina findet es nervig, dass sich die Jugendlichen am Kinderfesttag drei- bis viermal umziehen müssen, da sie am Umzug andere Kleider tragen als bei der Vorführung auf der Bühne. Und Liarah (15) kritisiert, der Umzug ziehe sich unnötig in die Länge.

In Reih und Glied durch die Stadt zu gehen, löst bei den Jugendlichen zwiespältige Gefühle aus. Und doch finden alle, der Umzug gehöre dazu. Niemand in der Runde will ihn abschaffen. «Aber am liebsten abkürzen», findet Liarah. ­Joanna (15) weiss genau, worauf es beim Marschieren ankommt: «Abstand halten, immer lächeln und winken.» Es sei einerseits cool, wenn die Leute am Strassenrand stünden. Anderseits fühle man sich ausgestellt. Dieser Meinung ist auch Liarah: «Die Erwachsenen schauen einem zu, man fühlt sich unwohl.» Und man könne dabei nicht einmal die Kleider anziehen, die man möchte.

«Es ist schon ein Fest für die Kinder, aber mehr noch für die Erwachsenen», sagt Gian. (Bild: Michel Canonica)

«Es ist schon ein Fest für die Kinder, aber mehr noch für die Erwachsenen», sagt Gian. (Bild: Michel Canonica)

Die Festkleider sind das Thema, das die Jugendlichen besonders umtreibt. Die Buben der Oberstufe Centrum werden lange schwarze Hosen, ein weisses Hemd und eine Krawatte tragen, die Mädchen ein Kleid. Dieses muss weiss sein und bestimmte Vorgaben erfüllen. «Nicht schulterfrei, keine Spaghetti-Träger und nicht zu kurz», fasst Lena (14) zusammen. «Ich würde das nicht so streng handhaben, sondern lockerer.» Joanna erzählt, sie habe richtig Mühe gehabt, ein Kleid zu finden, das diesen Kriterien entspreche und ihr auch gefalle. Gar nicht glücklich sind die Mädchen über die roten Applikationen, die sie daran anbringen mussten. «So versaut man jedes Kleid», findet Tina.

Liarah hätte gerne auf das violette Kleidchen aus dem Schulfundus verzichtet, das sie für die Aufführung anziehen muss. Sie erhält Unterstützung von Marius: «Wenn ich so ein violettes Kleid anziehen müsste, fände ich das auch grässlich.» Mit seinen schwarzen Hosen ist er hingegen ganz zufrieden. Gian hält dagegen, es sei eintönig, wenn alle Oberstufenklassen in Schwarz und Weiss daherkämen. Eine kleine Umfrage ergibt, dass keine der Schülerinnen von sich aus ein weisses Kleid wählen würde. Wenn sie selber bestimmen könnten, würde der Umzug wohl einiges bunter daherkommen.

Nun aber zur Frage, ob das Kinderfest seinen Namen auch verdient: Ist es wirklich um ein Fest für Kinder und Jugendliche? Die Schülerinnen und Schüler der Oberstufe Centrum bezweifeln das. «Es ist schon ein Fest für Kinder, aber mehr noch für die Älteren, die zuschauen und selber einmal mitgemacht haben. Eine Tradition eben», sagt Gian. Und Tina findet: «Man wird schon ein bisschen gezwungen mitzumachen. Das ist etwas unangenehm.» Dieser Meinung ist auch Joanna: «Es ist nicht nur zu unserem Spass.» Die Erwachsenen hätten mehr Freude am Fest als die Kinder, findet auch Rafael (14).

«Wir wären motivierter, wenn wir mitbestimmen dürften»

Trotzdem: Ganz umkrempeln würden die Jugendlichen das Kinderfest nicht. Dafür sind sie zu traditionsbewusst. «Die älteren Leute wären enttäuscht, wenn man zu viel ändern würde», sagt Joanna. Doch die Jugendlichen hätten durchaus Ideen, was sie anders machen würden. Vor allem wollen sie mehr mitgestalten und mitreden. «Es ist zu viel vorgegeben», findet Lena. Auch Tina wünscht sich mehr Freiheiten und weniger Druck.

«Wir sollten unsere Meinung sagen können», sagt Joyce (17) – zur Tanzaufführung, zur Kleiderwahl, aber auch zur Musik. «Dann könnten wir mitsingen und wären motivierter», meint Larissa. Sie würde das Fest an einem Tag durchführen, der sonnig, aber nicht zu heiss ist. Das mehrfache Verschieben des Anlasses ist auch für die Jugendlichen lästig und mühsam. Doch Gian, der jemanden kennt, der über die Durchführung mitentscheiden muss, hat Verständnis: «Es ist wirklich schwierig, das passende Datum zu finden.»

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