Nach Verwaltungsgerichtsentscheid: Ehemalige St.Galler Lehrer reichen dem Stadtrat eine Aufsichtsbeschwerde ein

Ehemalige «Buchental»-Lehrer haben dem Stadtrat eine Aufsichtsbeschwerde gegen die Dienststelle Schule und Musik eingereicht. Zum zweiten Mal nach 2016. Sie wollen etwas bewegen.

Daniel Wirth
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Im Schulhaus Buchental hat sich die Situation gemäss Stadtrat Markus Buschor inzwischen normalisiert. (Bild: Urs Bucher)

Im Schulhaus Buchental hat sich die Situation gemäss Stadtrat Markus Buschor inzwischen normalisiert. (Bild: Urs Bucher)

Es sei alles rechtens zu- und hergegangen und es bestehe kein Handlungsbedarf: Etwa so war die Quintessenz der Antwort des Stadtrates auf eine Aufsichtsbeschwerde, die drei Lehrer des Schulhauses Buchental 2016 gegen das damalige Schulamt einreichten, nachdem die Stadt mit dem Schulleiter das Arbeitsverhältnis in gegenseitigem Einvernehmen aufgelöst und einem Reallehrer fristlos gekündigt hatte.

Das Verwaltungsgericht des Kantons St. Gallen hat in der Zwischenzeit entschieden, der Reallehrer sei zu Unrecht fristlos entlassen worden, weil ihm das rechtliche Gehör nicht gewährt wurde und er vor der Entlassung nicht verwarnt worden war.

Der Wortlaut ist der gleiche

Darum haben die Lehrer die Aufsichtsbeschwerde im selben Wortlaut erneut eingereicht, wie sie gestern an einer Medienkonferenz erklärten. Sie reklamieren in ihrer Beschwerde ein «forsches und ungerechtes Vorgehen» des Schulamts, der heutigen Dienststelle Schule und Musik.

Die ehemaligen «Buchental»-Lehrer Markus Fässler, Jörg Bodenmann, Werner Erni und Manfred Abderhalden traten gestern vor die Medien, weil sie auf dem offiziellen Weg nicht zu ihrem Ziel gekommen waren, wie es Markus Fässler formulierte.

Und weil sie mit Namen hinstehen wollten für etliche andere Lehrpersonen und Schulleiter, die sich wie sie nicht wertgeschätzt fühlten, aber sich nicht öffentlich äussern wollten, weil sie bei der Stadt im Lohn stünden und um ihre Stelle fürchten müssten, falls sie leise Kritik übten.

«Wir haben oft das Gespräch gesucht»

Sie hätten mehrere Male das Gespräch gesucht, mit Dienststellenleiterin und Stadtrat. Es sei aber nie zu einem solchen gekommen, sagt Fässler.

«Hätte der Stadtrat die Aufsichtsbeschwerde 2016 zum Anlass genommen, der Sache im ‹Buchental› auf den Grund zu gehen, wäre das die Steuerzahler der Stadt St. Gallen günstiger gekommen», ärgert sich Fässler heute noch.

Stadt muss Lehrer entschädigen

Die Stadt musste dem fristlos entlassenen Reallehrer gegen 100000 Franken Lohn nachzahlen.

Was erhoffen sich die Beschwerdeführer von ihrer erneuten Intervention beim Stadtrat? «Dass die Sache noch einmal aufgerollt wird nach dem Entscheid des Verwaltungsgerichts», sagt Fässler. In St. Gallen möge es heute nur noch Lehrer leiden, die alles abnickten, was von der Schulleitung und aus dem Amtshaus käme. Das könne nicht sein.

Stadtrat Markus Buschor, Vorsteher der Direktion Bildung und Freizeit, weiss seit einer Woche vom Eingang der Aufsichtsbeschwerde. Er könne der Antwort des Stadtrats nicht vorgreifen, sagt Buschor auf Anfrage.

Schuldirektor Markus Buschor. (Bild: Urs Bucher)

Schuldirektor Markus Buschor. (Bild: Urs Bucher)

Er persönlich könne sich aber nicht vorstellen, dass der Stadtrat die gleichlautende Beschwerde anders beantworten werde wie beim ersten Mal. Zum Vorwurf des aufmüpfigen «Buchental»-Quartetts, er als Stadtrat und die Amtsleiterin seien nicht gesprächsbereit gewesen, sagt Markus Buschor: «An mich persönlich kam keine Anfrage.» Eine Gespräch mit einer Gruppe von Lehrpersonen habe er indes geführt; Markus Fässler sei dabei gewesen.

Dienststelle führt Workshops durch

Den Vorwurf, Lehrer dürften sich heute nicht mehr einbringen in die Entwicklung der Schule, weist der Schuldirektor entschieden von sich. «Ich und die Leitung der Schule und Musik wünschen uns Lehrerinnen und Lehrer, die sich gegenüber den Kindern und Jugendlichen, den Eltern und gegenüber Kolleginnen und Kollegen korrekt verhalten», sagt er. Einbringen könnten sich Lehrpersonen täglich in den Schulhausteams, bei den pädagogischen Dialogen und in regelmässig stattfindenden stadtweiten Workshops.