Eggersriet
«Dass es so schnell geht, hätten wir nicht gedacht»: Das Sur Le Lac arbeitet an der Utopie – und ist vorerst ausverkauft

Während immer mehr Festivals und Konzerte abgesagt werden, wagt das Sur Le Lac den Schritt nach vorne. Das Risiko ist gross, die Planung schwierig – trotzdem zeigen sich die Veranstalter optimistisch. Auch, weil das erste Ticketkontingent im Nu ausverkauft war.

Sebastian Rutishauser
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Ein Zeltdorf hoch über dem Bodensee: Neben Konzerten und regionaler Kulinarik kann am Sur Le Lac die atemberaubende Aussicht in der Abendstimmung genossen werden.

Ein Zeltdorf hoch über dem Bodensee: Neben Konzerten und regionaler Kulinarik kann am Sur Le Lac die atemberaubende Aussicht in der Abendstimmung genossen werden.

Bild: Urs Bucher (13. August 2016)

«Warum nicht gerade jetzt? Die Situation ist sowieso schon deprimierend genug.» Während viele Veranstalterinnen und Veranstalter von Kulturevents zögern, prescht das Organisationskomitee des Festivals Sur Le Lac vor: Es ist fest entschlossen, Musik und Tanz in diesem Sommer auf die Eggersrieter Höhe zurückzubringen – trotz zahlreicher Unsicherheiten.

«Damit wollen wir den Leuten, aber vor allem den Kulturschaffenden, signalisieren, dass wir das Festival am 13. und 14. August unbedingt durchziehen wollen», erklärt Lorena Vellone, Kommunikationsbeauftragte des Vereins Sur Le Lac und Mitglied des Organisationskomitees.

Ein dreiminütiger Ansturm

Dass der Verein den Vorverkauf und die Bekanntgabe der ersten Künstlerinnen und Künstler lancierte, während immer mehr Festivals und Konzerte abgesagt werden, hat laut Vellone auch praktische Gründe: Zum einen seien Prozesse und Vorbereitungen für Kulturevents während der Pandemie langwieriger geworden und erforderten dementsprechend auch längere Planungszeiten. Andererseits habe das Komitee mit dem Vorverkauf versucht, die momentane Stimmung zu sondieren:

«Wir wollten rausfinden, ob die Leute überhaupt bereit sind, wieder ein Festival zu besuchen.»

Die Leute sind es: Nach einem dreiminütigen Ansturm waren sämtliche Tickets ausverkauft. Zwar seien die Veranstalter davon ausgegangen, dass die Nachfrage stärker sein würde als in den Vorjahren – das habe man auch bei Freunden und Bekannten aus dem näheren Umfeld gespürt. Vellone sagt aber:

«Dass es so schnell geht, hätten wir nicht gedacht. Die Überraschung war gross.»

Den Grund für die hohe Nachfrage sieht sie in der diesjährigen Begrenzung des Ticketkontingents: Lediglich 300 Ein- und Zweitagespässe wurden zum Verkauf freigeschaltet. «Diese 300 sind für uns einfach das Minimum, damit wir die Durchführung des Festivals überhaupt in Erwägung ziehen können.» Enttäuschte, die kein Ticket ergattern konnten, sollen laut Vellone aber noch damit warten, ihre Ferien anderweitig zu verplanen: «Wir beobachten die Entwicklung der Situation laufend und hoffen, bald mehr Tickets in den Vorverkauf geben zu können.»

Ein Leitfaden – der Unterschied zu 2020

2020 war noch alles anders: Damals gaben die Verantwortlichen im Juni bekannt, dass das Sur Le Lac ins Wasser fallen würde. Mit dem Vorverkauf wurde gar nicht erst gestartet.

Miteinander vergleichen könne man die beiden Jahre aber nicht, meint Vellone: «Wir hatten in den vergangenen Monaten viel Zeit, uns verschiedene Szenarien für das Festival zu überlegen. 2020 hat das gefehlt.» Aus den Erfahrungen sei ein Leitfaden entstanden. Dieser erleichtere den Planungsprozess enorm.

Wie das konkrete Schutzkonzept für die Konzerte aussehen soll, bleibt vorerst unklar.

Wie das konkrete Schutzkonzept für die Konzerte aussehen soll, bleibt vorerst unklar.

Bild: Ralph Ribi (10. August 2018)

In den vergangenen Wochen haben die Veranstalter immer wieder das Gespräch mit Bands, Partnern und anderen Vertretern der Kulturbranche gesucht. Diese hätten sich häufig sehr kulant gezeigt: «Wir sind dankbar, dass wir so beispielsweise mit den Gagen der Künstlerinnen und Künstler und anderen grösseren Investitionen noch ein wenig zuwarten können.»

Trotzdem: Je länger die Lage unsicher bleibe und je mehr Investitionen getätigt werden müssen, desto höher werde das Risiko für den Non-Profit-Verein. Vellone sagt:

«Intern haben wir uns deshalb eine Frist gesetzt – bis dahin müssen wir wissen, ob das Festival durchführbar ist.»

Was in dieser verzwickten Lage sicherlich helfe, sei die Zusicherung des Kantons, das Sur Le Lac im Falle einer Absage zu unterstützen. Demnach würden die kantonalen Ausfallentschädigungen für Kulturunternehmen 80 Prozent des Schadens decken. «Damit kämen wir – wie schon im letzten Jahr – nochmals mit einem blauen Auge davon.» Bei einer Absage besteht die Möglichkeit einer Rückerstattung des Tickets.

Mehr Schweizer Bands

Mit dem Vorverkauf wurden die ersten Künstlerinnen und Künstler angekündigt. Neben QuinzeQuinze aus Frankreich und Sorry sowie PVA aus Grossbritannien stammen vier der Bands aus der Schweiz. «Wir haben uns bewusst für ein Line-up mit mehr Schweizer Künstlern als in den Vorjahren entschieden», erklärt Vellone. So wolle der Verein die regionale und nationale Musikszene in einer Zeit, in der Auftrittsmöglichkeiten rar seien, gezielt unterstützen.