Düstere Aussichten für den Verkehr: Ehemaliger Politiker präsentiert mögliche Lösungen

Stau auf der Autobahn, überlastete Strassen in der Stadt und wenig Platz für Velos: Der ehemalige SVP-Stadtparlamentspräsident Josef Ebneter kritisiert die heutige Verkehrspolitik scharf. Und er liefert Lösungsansätze wie eine Südspange.

Christoph Renn
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Stau auf dem städtischen Strassennetz. Mit visionären Ideen soll dieses Problem behoben werden. (Bild: Benjamin Manser)

Stau auf dem städtischen Strassennetz. Mit visionären Ideen soll dieses Problem behoben werden. (Bild: Benjamin Manser)

«Die Verkehrspolitik der Stadt war bis anhin meist unkoordiniert.» In einem Schreiben weist der Ingenieur und ehemalige SVP-Stadtparlamentspräsident Josef Ebneter auf Verkehrsprobleme hin. Fein säuberlich aufgelistet beschreibt er, welche Defizite die Stadt mit dem heutigen Verkehrsregime hat und haben wird.

Und er liefert drei Lösungen: Parkhäuser an den Einfahrten zur Stadt, eine Südspange und ein Busnetz auf der Autobahn. «Meine Lösungsansätze sind nicht von heute auf morgen umsetzbar», sagt Ebneter. Sie sollen Denkanstösse für die zukünftige Verkehrspolitik der Stadt sein. Denn es bestehe ein Engpass, der mit den heutigen Ideen nicht gelöst werden könne.

Auch Christian Hasler, Bereichsleiter Verkehr, hat Ebneters Schreiben erhalten. «Die Verkehrsprobleme, welche er anspricht, sind bekannt.» Die Lösungsansätze überzeugten ihn aber wenig. «Sie entsprechen nicht dem heutigen Zeitgeist.» Und die Kritik, dass die städtischen Planer unkoordiniert arbeiten, lässt Hasler nicht gelten: «Der Richtplan und das Mobilitätskonzept sind von der Politik breit abgestützt.»

Das Auto an der Peripherie parkieren

Mit dem «neuen Verkehrskonzept» versucht Josef Ebneter, mehrere Probleme zu lösen. Er will die Innenstadt attraktiver machen, die Stadtautobahnen entlasten, den ÖV stärken und die Velowege ausbauen. Doch wie soll das gehen? Mit Umsteige-Parkhäusern an den städtischen Ausfahrten. Konkret denkt Ebneter an die Ausfahrten Winkeln, Rosenberg, Kreuzbleiche, Spital, Neudorf, Mörschwil, Engelburg und im Riethüsli. In diesen Parkhäusern sollen Pendler auf den ÖV oder ein E-Bike umsteigen. Denn vor allem der Pendlerverkehr belaste das städtische Strassennetz stark.

Mit diesem Lösungsansatz soll laut Ebneter primär das städtische Strassennetz entlastet werden. Somit gäbe es mehr Platz für Velowege und zudem könnten mehr Busspuren realisiert werden. Zuletzt könne so die Innenstadt besser den Bedürfnissen als «Einkaufszentrum Stadt» entsprechen. «Diese Park-and-Ride-Parkhäuser sind eine Vision», sagt Ebneter. Wie genau die Umsetzung aussehen würde, müssten die städtischen Verkehrsplaner ausarbeiten.

Hasler steht diesem Vorschlag kritisch gegenüber: «Wenn, dann müssten diese Parkhäuser mindestens zehn Kilometer von der Innenstadt entfernt liegen», sagt er. Er glaube nicht, dass Autofahrer bis an die Stadtgrenze fahren und dort auf den Bus umsteigen. Zudem habe eine externe Studie im Auftrag der Regio St. Gallen-Bodensee ergeben, dass im Zentrum der Agglomeration in St. Gallen eine Förderung von Park-and-Ride nicht zweckmässig sei. Ebneter entgegnet, dass das Angebot einfach genug attraktiv gestaltet sein müsste.

Eine Umfahrung von der Kreuzbleiche ins Neudorf

Neben den Parkhäusern will Ebneter die Verkehrsprobleme mit einer Autobahn-Umfahrung auf der Südseite lösen, falls dazu nach der Realisierung der anderen Massnahmen noch Bedarf besteht. Diese würde von der Kreuzbleiche unterirdisch bis zur Autobahneinfahrt im Neudorf führen – mit einem direkten Anschluss zum Kantonsspital. Dadurch gäbe es eine Entlastung der bestehenden städtischen Autobahnabschnitte und auch der städtischen Strassen.

«Diese Idee ist nicht neu», sagt Hasler, «eine solche Südspange wurde schon einmal geprüft.» Diese Abklärung wurde von den Fachleuten von Bund, Kanton und Stadt gemeinsam vorgenommen. «Aus Kostengründen ist eine Südspange schlicht nicht stemmbar», sagt Hasler. Deshalb habe man sich aufgrund der Beurteilung der Zweckmässigkeit für die günstigere Variante mit der Teilspange entschieden, mit der die zentralen Probleme mit geringeren Kosten gelöst werden könnten.

Mit einem Bus-Netz auf den Autobahnen soll laut Ebneters Vision zudem schweizweit Stau vermindert werden. «Diese würden von Autobahnanschluss zu Autobahnanschluss führen», sagt er. Dafür wäre nötig, dass alle grossen Schweizer Städte, wie im ersten Lösungsansatz beschrieben, über entsprechende Parkhäuser verfügten. «So könnten die Autobahnen vom Personalverkehr entlastet werden und der Stau würde verringern.»

Einkaufszentren an der Peripherie sind im Vorteil

Weiter weist Ebneter darauf hin, dass die Parkgebühren in den Einkaufszentren an der Peripherie billiger sind als in der Innenstadt. «Es ist nicht attraktiv, mit dem Auto in der Stadt einzukaufen.» Die Parkgebühren sind auch bei Hasler ein Thema. Doch: «Neuere Einkaufszentren müssen die Parkplätze auch bewirtschaften, ältere müssen dies aufgrund erteilter Baubewilligung und Bestandesgarantien noch nicht.»