Durchgangsverkehr in St.Gallen
«Kein grosses Lärmproblem»: Der Stadtrat will an der Demutstrasse nicht aktiv werden und stösst damit Anwohner und Interpellanten vor den Kopf

Ein Grüner und eine SPlerin stören sich am Pendlerverkehr auf der Demutstrasse in St.Georgen und fordern verkehrsberuhigende Massnahmen. Doch der Stadtrat erklärt den Mehrverkehr mit einer vorübergehenden Baustelle an der Teufener Strasse und sieht an der Demutstrasse einzig eine neue Messstelle für die Verkehrszählung vor.

Christina Weder
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Anwohnerinnen und Anwohner stören sich am Durchgangsverkehr auf der Demutstrasse.

Anwohnerinnen und Anwohner stören sich am Durchgangsverkehr auf der Demutstrasse.

Bild: Tobias Garcia
Andreas Hobi, Stadtparlamentarier Grüne, Fraktionspräsident Grüne/Junge Grüne

Andreas Hobi, Stadtparlamentarier Grüne, Fraktionspräsident Grüne/Junge Grüne

Bild: PD
Marlene Bodenmann, SP-Stadtparlamentarierin

Marlene Bodenmann, SP-Stadtparlamentarierin

Bild: PD

Ein beachtlicher Teil der Autopendler aus dem Appenzellerland fährt übers Tal der Demut in den Osten der Stadt und zurück. Das stellen die beiden Stadtparlamentarier Andreas Hobi (Grüne) und Marlene Bodenmann (SP) in einer Interpellation mit dem Titel «Zu viel Pendlerverkehr durchs Tal der Demut» fest, die von 22 Mitgliedern des Stadtparlaments unterzeichnet wurde. An der Demutstrasse seien viele Familien mit Kindern und ältere Personen zu Hause. Doch die Wohnqualität leide unter Lärm- und Abgasemissionen. Quartierintern sei gar von einer «Südspange» die Rede. Hobi und Bodenmann wollen vom Stadtrat wissen, was er in Anbetracht der sich zuspitzenden Verkehrssituation im Tal der Demut zu tun gedenke.

Doch der Stadtrat sieht keinen Handlungsbedarf, wie aus seiner Antwort hervorgeht. Er beruft sich auf den aktuellen Lärmkataster von 2017. Danach wird der Immissionsgrenzwert (IGW) an der Demutstrasse nur minimal überschritten. Der IGW bezeichnet die Schwelle, ab welcher der Lärm die Bevölkerung in ihrem Wohlbefinden massgeblich stört.

Zählstelle soll ab diesem Jahr Daten liefern

Der Abzweiger von der St.Georgen-Strasse in die Demutstrasse.

Der Abzweiger von der St.Georgen-Strasse in die Demutstrasse.

Bild: Tobias Garcia

Auf die Frage der beiden Interpellanten, inwieweit der Stadtrat Kenntnis von der Verkehrsbelastung habe, verweist dieser auf die noch fehlende permanente Zählstelle im Tal der Demut. Eine solche soll demnächst installiert werden und ab diesem Jahr Daten liefern. Vorderhand stützt sich der Stadtrat bei der Beurteilung des Verkehrsaufkommens auf die nächstgelegenen Zählstellen an der St.Georgen- und der Teufener Strasse. An diesen sei keine merkliche Zunahme des Verkehrs festzustellen.

Anhaltspunkte zum Verkehrsaufkommen im Tal der Demut liefert zudem die Stadtpolizei. Sie ermittelt bei Geschwindigkeitsmessungen jeweils auch die Zahl der Fahrzeuge, die gemäss Stadtrat allerdings statistisch nur bedingt repräsentativ ist. Danach passierten in den Jahren 2014 bis 2019 täglich zwischen 2100 und 2200 Fahrzeuge die Demutstrasse. 2017 war die Verkehrsmenge leicht höher. Erst 2020 schlug sie mit 2800 Fahrzeugen pro Tag oben aus. Städtische Verkehrsfachleute erklären diese Abweichung mit einer Baustelle an der Teufener Strasse. Sie rechnen damit, dass sich die Verkehrsmenge 2021 wieder im langjährigen Mittel einpendelt und dass sie auch infolge der bevorstehenden A1-Sanierung nicht wesentlich zunehmen wird.

Bei Instandstellung der Strasse sollen Massnahmen geprüft werden

Demutstrasse im Quartier St.Georgen.

Demutstrasse im Quartier St.Georgen.

Bild: Tobias Garcia

Der Stadtrat kommt zum Schluss: Die Demutstrasse weise eine für ihren Ausbaustandard und ihre Funktion «sehr geringe Verkehrsmenge» auf. Der Lastwagenanteil betrage tagsüber vier Prozent. Es gebe weder ein «grosses Lärmproblem», noch handle es sich um einen Unfallschwerpunkt. Verkehrsberuhigende Massnahmen sind deshalb keine geplant – zumindest vorerst nicht.

Auch von einer Ausdehnung der Tempo-30-Zone oder einer generellen Beschränkung von Lastwagenfahrten will er nichts wissen. Allerdings werde man bei Instandstellungen der Demutstrasse künftig prüfen, «inwieweit Massnahmen zur Verbesserung des Strassenraums und zur Reduktion der Durchfahrtsattraktivität umgesetzt werden können».

Anwohner haben Petition eingereicht

Stadtparlamentarier Andreas Hobi zeigt sich enttäuscht über die Antwort des Stadtrats. Allfällige Verbesserungen würden auf die lange Bank geschoben. «Die Sorgen der Anwohnerinnen und Anwohner werden heruntergespielt und nicht ernst genommen.» Dabei stütze sich der Stadtrat auf Tempomessungen, die kurz nach dem Lockdown erhoben worden und deshalb nicht repräsentativ seien.

Die Quartierbewohner sind in der Zwischenzeit selbst aktiv geworden. Sie haben 620 Unterschriften gesammelt und kurz vor Weihnachten eine Petition mit dem Titel «Demutstrasse beruhigen – Lebensqualität statt Durchgangsverkehr» eingereicht. Ihrer Ansicht nach besteht Handlungsbedarf. Die Antwort auf die Petition steht noch aus.