Dresscode an der Schule: Bauchfreie Tops bleiben an den Oberstufen der Region zu Hause

Die Oberstufenschülerinnen und Oberstufenschüler in der Region St.Gallen müssen sich an einen Dresscode halten.

Rossella Blattmann
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Bauchfreie Tops sind nur  in der Freizeit erlaubt. (Bild: Getty)

Bauchfreie Tops sind nur  in der Freizeit erlaubt. (Bild: Getty) 

Hervorblitzende Unterhosen, bis ins Gesicht gezogene Baseballmützen, tiefe Ausschnitte. Die Kleidung von Jugendlichen sorgt auch im laufenden Schuljahr für Kontroversen. Im Kanton St.Gallen hat dieses vor zwei Wochen angefangen. Kurz darauf teilte die Stadt Gossau mit, dass sie eine neue Schulordnung erhält. Neu sind in Gossau Vorschriften zur Bekleidung und zu religiösen Kopfbedeckungen gesetzlich verankert. Zum Beispiel: Das Kopftuch ist erlaubt, Hotpants und Flip-Flops hingegen sind verboten. Das Parlament verabschiedet die neue Schulordnung wohl noch bis Ende des laufenden Jahres.

Merkblatt hängt im Klassenzimmer

Auch in den sieben Gemeinden in der Umgebung von St.Gallen – Wittenbach, Gaiserwald, Eggersriet, Muolen, Berg, Mörschwil und Häggenschwil – hat der Schulalltag wieder begonnen. Eine Umfrage bei den regionalen Oberstufen zeigt nun: Es gibt Regeln für die Kleidung der Schülerinnen und Schüler im Unterricht. Gesetzlich in der Schulordnung verankert sind sie jedoch nicht.

Teenager aus Wittenbach, Berg und Muolen besuchen das Oberstufenzentrum (OZ) Grünau in Wittenbach. Laut Schulratspräsident Georges Gladig hängt in sämtlichen Klassenzimmern ein Merkblatt mit Kleidungsvorschriften.

«Wir wollen die Kleidung bewusst von der Freizeitkleidung abgrenzen.»

Das Merkblatt sei sämtlichen Schülerinnen und Schülern bekannt, und gelte für Mädchen und Knaben. «Die Bekleidungsvorschriften für Lehrkräfte richten sich ebenfalls danach», sagt Gladig. Diskussionen um religiöse Kopfbedeckungen habe es am OZ Grünau nie gegeben.

«Nicht dauernd Polizisten spielen»

Seit 2012 ist Häggenschwil die einzige Schweizer Gemeinde mit einer privatisierten Oberstufe. Maya Boppart ist Lernhausleiterin der SBW Secundaria. An der Oberstufe sei die Bekleidung der Schüler in der Schulhausordnung, den «Grundregeln des Zusammenlebens», geregelt. «Die Schüler sollen auf eine gepflegte Erscheinung, Hygiene und angemessene Kleidung achten», sagt Boppart. Kopfbedeckungen, sichtbare Unterwäsche sowie tiefe Décolletés seien untersagt, genauso wie Militärbekleidung im Unterricht und Trainerhosen ausserhalb des Sports.

«Wir wollen ein selbstverantwortliches, verantwortungsvolles Zusammenleben und als Lehrpersonen nicht dauernd die Polizisten spielen»,

sagt Maya Boppart. Bei Bedarf gehe man in einem persönlichen Gespräch auf die Jugendlichen zu und verlange von ihnen, ihre Kleidung den Vorgaben der Schule entsprechend anzupassen. An der SBW Häggenschwil sei das Tragen eines Kopftuchs bisher kein Thema gewesen.

«Sollten dennoch Schülerinnen mit Kopftuch in die Schule kommen, gilt bei uns der Grundsatz: ‹Es ist normal verschieden zu sein – Akzeptanz ist wichtig›».

Das Thema Kopftuch würde in einem solchen Fall aufgearbeitet und im Schulalltag der SBW thematisiert.

Trainerhosen nur im Turnunterricht

Die Hausordnung am Oberstufenzentrum Mühlizelg in Abtwil enthält ebenso Vorgaben zur Kleidung im Unterricht. In der Schulordnung hingegen sind laut Jürg Seitter, Präsident der Schule Gaiserwald, keine Kleidervorschriften festgehalten.

Das Tragen von Trainerhosen im Klassenzimmer, mit Ausnahme des Sportunterrichts, ist gemäss Seitter auch am OZ Mühlizelg verboten. Genauso verhalte es sich mit T-Shirts mit verletzenden Aussagen. Kopfbedeckungen seien im Unterricht grundsätzlich verboten. Der Gaiserwalder Schulpräsident sagt:

«Doch auf Antrag und im Einzelfall kann die Schulleitung das Tragen einer Kopfbedeckung erlauben.»

Schulen im Kanton St.Gallen dürfen Kopftuch und Kippa nicht verbieten

Die Outfits der Schüler dürfen den Unterricht nicht stören. «Im Volksschulgesetz (VSG) steht, dass sich Schüler in der Schule korrekt zu kleiden haben», sagt Franziska Gschwend, Leiterin Dienst für Recht und Personal beim Bildungsdepartement des Kantons St.Gallen. Bezüglich der Kleidung der Schüler gebe es im VSG keine Verbote. In den Weisungen des Erziehungsrates ist laut Gschwend festgehalten, dass im Unterricht das Tragen von Kleidern verboten ist, die Ausdruck von Diskriminierung sind oder rechtswidrige Botschaften übermitteln. «Das Tragen von Kleidern, die Ausdruck der religiösen Freiheit sind – zum Beispiel ein Kopftuch oder eine jüdische Kippa – darf den Schülern nicht verboten werden», so Gschwend. Ausserdem sollen die Schüler bei der Kleiderwahl auf «Sittlichkeit und Funktionalität» achten. «Die einzelnen Schulen dürfen ergänzende Vorschriften erlassen, soweit sie dem VSG und den Weisungen nicht widersprechen», ergänzt sie. Auch Gossau sei verpflichtet, sich an das übergeordnete kantonale Recht zu halten. Soweit für sie ersichtlich, stehe der Entwurf einer neuen Schulordnung der Stadt Gossau jedoch nicht im Widerspruch zum kantonalen Recht. (bro)