Drei St.Galler Schulklassen in Quarantäne: Ein Zivildienstleistender im Schulhaus Riethüsli wurde positiv auf das Coronavirus getestet

Da der Infizierte nicht mehr genau wusste, mit welchen Kindern er näheren Kontakt hatte, mussten etwa 60 Schüler und Lehrer in Quarantäne geschickt werden.

Rosa Schmitz
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Für etwa 60 Schüler und Lehrer des Riethüslis wurde am Sonntag Quarantäne verordnet.

Für etwa 60 Schüler und Lehrer des Riethüslis wurde am Sonntag Quarantäne verordnet.

Benjamin Manser

Covid-19 an der Primarschule Riethüsli: Ein Zivildienstleistender, der mit mehreren Klassen Kontakt hatte, wurde positiv auf das Virus getestet. «Wie es zur Infektion kam, ist unklar», sagt Oskar Sturzenegger, Leiter der Primarschule Riethüsli. Er habe am Freitagabend von der infizierten Person erfahren, sie habe Symptome entwickelt und sich testen lassen.

Oskar Sturzenegger, Leiter der Primarschule Riethüsli.

Oskar Sturzenegger, Leiter der Primarschule Riethüsli.

PD

Das ganze Wochenende hat die Schulleitung via Kanton das weitere Vorgehen abgeklärt. «Da der Zivi nicht mehr genau wusste, mit welchen Kindern er näheren Kontakt hatte, mussten wir den schweren Entscheid treffen, zwei Schulklassen, eine Kindergartenklasse und deren Lehrpersonen in Quarantäne zu schicken.» Betroffen sind etwa 60 Personen.

Bereits am Freitag wurde ein Kind, das in der St. Galler Kindertagesstätte Tempelacker im Zentrum der Stadt betreut wird, gleichzeitig wie sein Vater positiv auf das Coronavirus getestet.

Ansteckungsrisiko wie überall anderorts

«Hier zeigt sich, wie wichtig die Mitverantwortung einer jeden Person ist», sagt Kantonsärztin Danuta Reinholz. Wäre die Person in der Schule Riethüsli bei Symptomen zu Hause geblieben, wäre den anderen die Quarantäne erspart geblieben. Zwar ist das Ansteckungsrisiko an Schulen etwa gleich hoch wie überall andernorts, wo sich viele Menschen in geschlossen Räumen treffen. Aber das Ansteckungsrisiko werde durch das richtige Verhalten stark reduziert. Reinholz:

«Es ist an Schule nicht höher als im ÖV oder einem Supermarkt.»

Beruhigend sei ausserdem, dass das Risiko eines schweren Krankheitsverlaufs bei Menschen unter 20 Jahren extrem gering sei.

Betroffene müssen zehn Tage zu Hause bleiben

Sturzenegger sagt:

«Ich glaube auch nicht, dass sich die Person im Schulhaus angesteckt hat. Aber ich weiss es natürlich nicht, und dies macht einen unsicher.»

Die Eltern der betroffenen Schulkinder wurden am Sonntag via E-Mail informiert. Die Kinder müssen ab dem Tag des Kontaktes zehn Tage in Quarantäne. Sprich: Kinder, die am vergangenen Montag Kontakt mit dem Zivi hatten, dürfen bereits am Donnerstag wieder zur Schule – sofern sie keine Symptome zeigen. «Die meisten Eltern waren sehr verständnisvoll», sagt Sturzenegger. Einige Kinder seien heute noch mit Atemschutzmasken nach Hause geschickt worden.

Der Schulleiter ist froh, dass bald Sommerferien sind: «Ich hoffe, dass sich bis dann alles ein wenig beruhigt.» Man werde von nun an wieder vermehrt auf die Hygienemassnahmen aufmerksam machen.

Schutzkonzepte haben sich bewährt

Stadtrat Markus Buschor von der Direktion Bildung und Freizeit.

Stadtrat Markus Buschor von der Direktion Bildung und Freizeit.

Benjamin Manser

Auf andere Schulhäuser hat der Coronafall der Primarschule Riethüsli keine Auswirkungen. «Die geltenden Schutzkonzepte haben sich bewährt», sagt Stadtrat Markus Buschor, Direktion Bildung und Freizeit. Er habe bereits den Entschied von Bund und Kanton vor knapp zwei Monaten, die Schule wieder zu öffnen, gut nachvollziehen können. Auch begrüsse er es, dass der Unterricht heute wieder in ganzen Klassen erfolgt. Die Infektion zeige aber, wie wichtig es sei, dass die Schutzmassnahmen und Verhaltensempfehlungen weiterhin strikte eingehalten werden.

«Das gilt nicht nur für die Schulen, sondern für alle Gesellschaftsbereiche.»

Die Inhalte der Schutzkonzepte der städtischen Schulen basieren auf detaillierten Vorgaben der übergeordneten Behörden – dazu gehören das Bundesamt für Gesundheit, der Erziehungsrat des Kantons St. Gallen und das Amt für Volksschule. Die konkrete Umsetzung erfolgte in den Schuleinheiten unter Federführung der jeweiligen Schulleitung. «Solange die Anzahl der Ansteckungen nicht deutlich steigt, sollen die Schulen meiner Meinung nach offen bleiben», sagt Buschor. Es mache zudem Sinn, dass nur diejenigen Personen in Quarantäne gingen, welche engen Kontakt mit der positiv getesteten Person hatten.