600 Gamer auf dem Olma-Gelände

Heute startet die zweite LAN-Party in der Olma-Halle 2.0. Bis Sonntag zocken über 600 Gamer rund um die Uhr. Die besten Teams der Schweiz nehmen teil – auch ein Ostschweizer E-Sportler mischt mit.

Luca Ghiselli
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Ausdauer gefragt: Die LAN-Party in der Olma-Halle 2.0 dauert fast 72 Stunden. (Bild: Urs Bucher (7. Januar 2018))

Ausdauer gefragt: Die LAN-Party in der Olma-Halle 2.0 dauert fast 72 Stunden. (Bild: Urs Bucher (7. Januar 2018))

Für die allermeisten ist es ein unkomplizierter Zeitvertreib. Abschalten vom Alltag, eintauchen in eine andere, virtuelle Welt. Gaming ist in dieser Form längst in der Mitte der Gesellschaft angekommen – ob auf Konsolen oder auf dem PC. Für einige wenige ist Gamen aber mehr als nur ein Hobby – es ist ein Sport, den sie zumindest teilweise professionell betreiben. Sie organisieren sich in Teams, werden von grossen Unternehmen finanziell unterstützt und messen sich an diversen Turnieren mit anderen Spielern. Dieses Wochenende werden ab Donnerstagabend solche Turniere wieder in der Olma-Halle 2.0 ausgetragen. Zum zweiten Mal findet in der Messehalle eine LAN-Party statt.

Früher eine Notlösung, heute ein Trend

LAN-Partys sind ein Zusammenschluss von privaten Computern durch ein lokales Netzwerk, das Local Areal Network (LAN). Vor der Verbreitung des Internets wurde so die Möglichkeit geschaffen, in Spielen live gegeneinander anzutreten. Während der 1990er-Jahre boomten die Partys. Mit der Verbreitung des Breitband-Internets zogen sich aber ab Mitte der 2000er-Jahre mehr und mehr Gamer in den privaten Raum zurück. Seit einigen Jahren erfreuen sich LAN-Partys wieder grösserer Beliebtheit, weil die Anlässe den sozialen Aspekt in die Game-Kultur zurückbringen.

Die Premiere im Januar 2018 verlief erfolgreich. Hunderte Gamerinnen und Gamer verbrachten das Wochenende in der Halle – zockten, schliefen und verpflegten sich dort. Bis auf eine Internetpanne zu Beginn also ein reibungsloser Auftakt, auf dem die Veranstalter 2019 aufbauen wollen. Die Premiere vor einem Jahr war aber auch der Startschuss zu etwas Grösserem – dem «Digital Sports Hub Switzerland». St.Gallen will zum Knotenpunkt für digitalen Sport werden – und hat im vergangenen Mai ein Grobkonzept vorgestellt. Unternehmen und Verwaltung sind sich einig: Macht man die Region zum Hotspot des digitalen Sports, können insbesondere Fachkräfte aus dem IT-Bereich angelockt werden.

Die Besten messen sich in den Hauptturnieren

Am diesjährigen E-Event werden in den Hauptturnieren wieder der Shooter-Klassiker «Counter Strike: Global Offensive», der Mehrspieler-Egoshooter «Overwatch» und nicht zuletzt der Online-Multiplayer «League of Leg­ends» gespielt. Die besten Teams der Schweiz sind am Start – darunter auch «mYinsanity». Das Team organisiert die St.Galler LAN-Party mit – und hat damit quasi ein Heimspiel. Auch der Wiler Silvan Loser ist für das Team am Start. Der 21-jährige Informatiker wechselte vor einem Jahr von «Arctic Gaming» zu seinem neuem Team. «Ich wollte um den ersten Platz mitspielen», sagt er dem «St.Galler Tagblatt».

Loser hat in der Regel einen Match pro Woche, dazu kommt ein wöchentliches Training. «Es geht nicht nur um den Spass, wir wollen gewinnen», sagt er. Zwar gebe es an LAN-Partys auch Plauschturniere, an denen die Gamer es nicht bitterernst meinten. «An den Turnieren will man aber beweisen, dass man der Beste ist», sagt Loser. In seinem Team sei er der einzige Ostschweizer, die Gamer kommen aus der ganzen Schweiz. Trotz potenter Sponsoren könne er aber nicht vom E-Sport leben, sagt Loser.

Der Reiz von LAN-Partys wie jener dieses Wochenende in St.Gallen ist für Silvan Loser klar: «Die meisten Gamer kenne ich nur online – an einem solchen Wochenende begegnet man sich aber persönlich und kann sich austauschen.» Es sei wie in einer grossen Familie. Die Begegnung, die gemeinsame Zeit stehe im Vordergrund. Und so komme es dann auch mal vor, dass man nachmittags die Halle verlasse und eine Partie Fussball oder Volleyball zusammen spiele, einem Turnier im Public Viewing zusehe oder sich an der Bar austausche. Insgesamt nimmt Loser mit seinem Team an etwa sechs bis sieben solcher LAN-Partys pro Jahr teil.

Besucher können in Gaming-Welt eintauchen

Die St.Galler LAN-Party in der Olma-Halle ist auch für Besucherinnen und Besucher geöffnet. Sie sind eingeladen, in die Gaming-Welt einzutauchen und durch das Meer von PC-Bildschirmen zu schlendern. Schliesslich geht es den Veranstaltern nicht nur darum, den Gamern ein angenehmes Erlebnis zu ermöglichen. Sie wollen auch die St.Galler Bevölkerung für E-Sports begeistern.

Am Donnerstag, 19 Uhr, geht die Party mit einem Spassabend los. Dabei werden hauptsächlich Fun-Games wie «Rock-Band» und Ähnliches gespielt. Die Finale der Turniere finden am Sonntag statt, bevor die Veranstaltung um 15 Uhr endet. Gezockt wird im 24-Stunden-Betrieb.

REPORTAGE: LAN-Party: Zwischen Monitor und Schlafsack

Rund 700 Gamer aus der ganzen Schweiz haben am Wochenende die Olma-Halle 2 in Beschlag genommen. Sie zockten sich zu Sieg oder Niederlage, zelebrierten gemeinsam ihr digitales Hobby - und tanzten sogar um die Wette.
Luca Ghiselli