Nach geplatzter Neueröffnung: Dorfbeiz Hirschen in Grub SG harrt neuer Wirte

Der «Hirschen» im st.gallischen Grub bleibt vorläufig zu. Eine geplante Eröffnung an diesem Wochenende durch ein Wirtepaar ist geplatzt. Es hofft auf eine neue Chance.

Daniel Wirth
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Bleibt vorläufig geschlossen: der «Hirschen» im st.gallischen Grub.

Bleibt vorläufig geschlossen: der «Hirschen» im st.gallischen Grub.

Bild: Ralph Ribi (14. Juli 2020)

Der Gemeindepräsident von Eggersriet ist im «Jägerhof» in der Stadt St.Gallen in einer Wirtefamilie aufgewachsen. Roger Hochreutener (CVP) sagt, er wisse deshalb genau, wie hart das Geschäft sei. Auch ohne den Lockdown wegen der Coronapandemie, der den Wirten in diesem Frühling während mehrerer Wochen jegliche Einnahmen verunmöglicht habe.

Roger Hochreutener, Präsident der Gemeinde Eggersriet, zu der auch das Dorf Grub SG gehört.

Roger Hochreutener, Präsident der Gemeinde Eggersriet, zu der auch das Dorf Grub SG gehört.

Urs Bucher

Hochreutener sagt, er und der Eggersrieter Gemeinderat hätten null Interesse, einem Wirt das nötige Patent zu verweigern. Auch nicht im Fall der Gruber Dorfbeiz. Im Gegenteil, sagt er:

«Wir wollen, dass der ‹Hirschen› bald wieder aufgeht.»

Roger Hochreutener betont, der Gemeinderat habe das Patentgesuch für den «Hirschen» ordentlich geprüft und behandelt.

Im Moment bleibt die Dorfbeiz aber zu. Eigentlich wollten Michaela Schranz und Rainer Kelterbaum an diesem Wochenende mit einer Antrinkete fulminant starten. Alles war parat.

Doch dem 59-jährigen gelernten Koch Rainer Kelterbaum wurde das Patent nicht ausgestellt. Weshalb nicht? Gemeindepräsident Hochreutener sagt nichts dazu. Es handle sich um ein laufendes Verfahren, denn Kelterbaum könnte gegen die Verweigerung des Wirtepatents Rechtsmittel ergreifen. Das tut er aber nicht.

Im «Zum goldige Fässli» den Bierabsatz vervielfacht

«Es ist zu viel Geschirr zerschlagen», sagt er, der zusammen mit seiner Lebenspartnerin seit fünf Jahren im Restaurant Zum goldige Fässli in Rorschach wirtet und dort den Bierabsatz von 2015 bis heute kontinuierlich von 15 auf 80 Hektoliter im Jahr steigerte.

Er sagt, er wäre auch im «Hirschen» in Grub von der Brauerei Schützengarten beliefert worden. So weit kommt’s nicht. Kelterbaum sagt, er habe Verständnis, dass der Gemeinderat sein Patentgesuch nach Gewährung des rechtlichen Gehörs abgelehnt habe.

Der Mann, der seit 35 Jahren im Gastgewerbe tätig ist, macht keinen Hehl daraus: Sein Strafregisterauszug und sein Betreibungsregisterauszug sind nicht makellos. Zusammen mit Michaela Schranz habe er im «Hirschen» in Grub noch einmal durchstarten und seine Gläubiger zufriedenstellen wollen. Er habe keinen Berg Schulden, mit einem regelmässigen Einkommen könne er seine Ausstände, die sich im vierstelligen Bereich bewegten, rasch begleichen, sagt Kelterbaum. Er habe auf eine Chance gehofft und hoffe weiter darauf.

Auf der Suche nach einer neuen Lösung

In Rorschach lautet das Patent auf den Namen seiner Partnerin. Sie habe in Eggersriet kein Gesuch eingereicht, weil auch ihre für ein Wirtepatent notwendigen Papiere nicht ohne Einträge seien.

Weil sie hofften, die Erteilung eines Wirtepatents sei mit einem gültigen Pachtvertrag und dem Nachweis, seit Jahrzehnten im Gastgewerbe tätig zu sein, reine Formsache, haben sie den Pachtvertrag für das «Goldige Fässli» gekündigt. Das Haus wurde in der Zwischenzeit verkauft. Kelterbaum und Schranz sind seit Freitag mit dem neuen Besitzer in Kontakt. «Möglicherweise finden wir eine Lösung», sagt Kelterbaum.

Ansonsten würden sie ein neues Lokal suchen und darauf hoffen, in einer anderen Gemeinde in Seenähe eine Chance als Wirtepaar zu bekommen. «Wir können etwas», sagt Kelterbaum, der in seiner Miniküche im « Goldige Fässli» am Wochenende kocht. Seit fünf Jahren habe er keine Ferien mehr gehabt. «Eine Ausnahme war der Lockdown», sagt er mit einer Grossportion Selbstironie.

Dorfgemeinschaft hatte die Beiz solidarisch gerettet

Zu den Stationen als Küchenchef und Wirt gehören der «Löwen» in Affeltrangen, das Hotel Seemöwe in Güttingen, die Altersresidenz Kursana in St.Gallen und weitere Lokale in der Ostschweiz. Eine Zeit lang ar­beitete er auch in ­Lateinamerika.

Der «Hirschen» war 2013 mit Unterstützung vieler Helfer und Gönner umgebaut worden. Von da an bis zu diesem Frühling führten Ursula und Amedeo Polcari die Dorfbeiz.