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Die Gemeinde Thal zeigt Herz für Schweizer Fahrende

Auf dem Thaler Areal Fuchsloch soll ein provisorischer Durchgangsplatz für Schweizer Fahrende eingerichtet werden. An derselben Stelle wurde im Jahr 2014 ein fixer Platz von der Bürgerschaft knapp abgelehnt.
Rudolf Hirtl
Im «Fuchsloch» zwischen Altenrhein und Buriet soll ein Platz für Schweizer Fahrende eingerichtet werden. (Bild: Rudolf Hirtl)

Im «Fuchsloch» zwischen Altenrhein und Buriet soll ein Platz für Schweizer Fahrende eingerichtet werden. (Bild: Rudolf Hirtl)

«Ja, ich erwarte aus der Bevölkerung Widerstand gegen das Vorhaben», räumt Thals Gemeindepräsident Röbi Raths auf Anfrage ein. Dies wohl auch in Erinnerung an das Jahr 2014, als sich die Stimmbürgerinnen und Stimmbürger der Gemeinde gegen einen Durchgangsplatz aussprachen. Umso wichtiger sei der Infoanlass vom Montag, 29. April, im «Ochsen»-Saal. Bei diesem Anlass werden Gemeindeverantwortliche und Regierungsrat Marc Mächler über die Einrichtung und den Betrieb eines Durchgangsplatzes für Schweizer Fahrende im «Fuchsloch» informieren. Raths sagt:

«Fahrende, welche die Platzordnung nicht einhalten und die Spielregeln nicht beachten, werden weggewiesen.»

Thals Gemeindepräsident betont aber auch, dass es sich um eine provisorische Einrichtung handle. Sollten ernsthafte Probleme auftauchen, so könne die Übung abgebrochen werden. Daran glaubt Raths aber nicht. Er macht vielmehr auf die Vorteile des Vorhabens aufmerksam. «Der Kanton wird auf der Burietstrasse eine Einspurstrecke errichten. Dies erhöht in diesem Bereich der Kantonsstrasse die Sicherheit beträchtlich.»

Der Boden gehört der Eidgenossenschaft

Geht es nach den Vorstellungen von Marc Mächler, so sollen also im abgelegenen Gebiet zwischen Altenrhein und Buriet, künftig Schweizer Fahrende einen Platz für ihre Wohnwagen vorfinden. Das Grundstück Nr. 2630 im «Fuchsloch» in Thal gehört dem Bund und wurde in der Vergangenheit vom Militär genutzt. Der Bund stellt das Land dem Kanton St. Gallen zur Verfügung, der darauf die technische Infrastruktur erstellen wird. Bewirtschaftet wird der provisorische Durchgangsplatz von der Gemeinde Thal selbst.

Das Grundstück in Thal hat der Kanton bereits früher als fixen Platz ins Auge gefasst. Im Frühling 2009 wurde der Kantonsratsbeschluss über die Finanzierung von Durchgangsplätzen für Fahrende gefasst. Im Gebiet Fuchsloch hätten einfache Gebäude mit Toiletten und Duschen sowie eine Entsorgungsstelle entstehen sollen. Die Kosten von 1,2 Millionen Franken hätte der Kanton übernommen. Schon damals bot der Thaler Gemeinderat Hand und hiess das Projekt gut. Dies rief allerdings Einsprecher auf den Plan, die ein Referendum lancierten und eine Urnenabstimmung erzwangen. Mit 1183 Nein- gegen 1056-Ja-Stimmen wurde die Umzonung des Grundstücks und damit die Realisierung des Durchgangsplatzes schliesslich verhindert.

Die Gemeinde Thal hat bereits Erfahrung mit Fahrenden. In der Vergangenheit hatten sich diese jeweils beim «Arena»- Areal oder im Industriegebiet an der Rietlistrasse auf Höhe Airport niedergelassen. Nach dem Nein im Mai 2014 gab es in der Gemeinde jedoch keinen Platz mehr für Fahrende.

«Wir wollen den Grundstein für einen definitiven Platz legen»

Wo immer der Kanton St.Gallen Durchgangsplätze für Schweizer Fahrende einrichten will, winken die Gemeinden ab. Regierungsrat Marc Mächler erläutert nachfolgend, wie er die Bevölkerung in Thal vom Projekt im «Fuchsloch» überzeugen will.

Auch gegen den provisorischen Platz in Thal ist Widerstand zu erwarten. Wie wollen Sie die Bevölkerung von Ihrem Vorhaben überzeugen?
Marc Mächler: Das Baudepartement hat 2016 beschlossen, an einem konkreten Standort zu Beginn auf provisorische Durchgangsplätze zu setzen. Aufgrund der Lage und der hinreichenden Erschliessung, der Möglichkeit einer provisorischen Errichtung mit Wasser und Strom sowie der teilweisen Umzäunung ist aus Sicht der Gemeinde und des Kantons der Platz ideal für einen provisorischen Betrieb.

Welche Gründe sprechen denn für Thal?
Die Grösse eignet sich für einen kleinen Durchgangsplatz für rund zehn Wohnwagen. Unmittelbar grenzt kein Wohngebiet an den Platz. Die Erschliessung ist sichergestellt. Der Platz ist verfügbar und kann von der Armee gemietet werden und mit dem benachbarten Betrieb besteht gutes Einvernehmen.

Was heisst provisorisch genauer, wie lange können Fahrende bleiben? Und was ist, wenn es zu Problemen kommt, wie wird kontrolliert?
Der provisorische Durchgangsplatz in Thal ist auf zwei bis drei Jahre befristet. Anschliessend besteht die Option, den Versuchsbetrieb um zwei Jahre zu verlängern. Kann nach dem Versuchsbetrieb ein positives Fazit gezogen werden, strebt der Kanton einen definitiven Durchgangsplatz an. Für den Betrieb ist das Bauamt der Gemeinde Thal verantwortlich. Da das Gelände eingezäunt ist, hat es die Gemeinde Thal in der Hand, wer das Areal nutzt.

Wenn die Gemeinde Thal ihre Mitarbeit verweigert, wird der Platz dennoch umgesetzt?
Die Gemeinde Thal unterstützt die Errichtung eines provisorischen Durchgangsplatzes. Wie gesagt, nach dem Testbetrieb werden wir mit der Gemeinde ein Fazit ziehen. Fällt dieses positiv aus, streben wird einen definitiven Durchgangsplatz an.

Weshalb haben Sie das Thema zur Chefsache erklärt?
Der Kanton ist verpflichtet, den Schweizer Fahrenden Durchgangsplätze zur Verfügung zu stellen. Ich bin überzeugt davon, dass wir dank provisorischer Durchgangsplätze die Chance erhalten, die Vorurteile der Bevölkerung gegenüber den Fahrenden zu relativieren. So können wir den Grundstein legen, um aufgrund positiver Erfahrungen einen definitiven Durchgangsplatz anzustreben. (rtl)

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