DJ-Konzert per Mausklick: Die St.Galler Jugendarbeit verlegt das Angebot in der Corona-Krise ins Internet

Breakdance, Fotografie, Konzerte: Die städtische Jugendarbeit funktioniert während des Lockdowns in den sozialen Medien.

Christoph Renn
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Die St. Galler Jugendarbeit geht mit ihren Angeboten digital.

Die St. Galler Jugendarbeit geht mit ihren Angeboten digital.

PD

Die Schulen bleiben geschlossen, Veranstaltungen verboten. Um Langeweile zuvorzukommen, haben die Offene Jugendarbeit St.Gallen und die Jugendinformation Tipp neue Angebote aus dem Boden gestampft. Eines haben alle gemeinsam: Sämtliche Kurse, Konzerte und Treffs finden im Internet statt.

Donat Richiger

Donat Richiger

Denn sämtliche Angebote der städtischen Dienststelle Kinder Jugend Familie, welche physischen Kontakt voraussetzten wie Jugendtreffs, Jugendkulturräume oder die Jugendinformation wurden am 16.März geschlossen. «Mit den neuen Formen können wir den Kontakt mit den Jugendlichen trotzdem aufrechterhalten», sagt Donat Richiger von der Offenen Jugendarbeit Zentrum.

Vielen Jugendlichen ist es im Lockdown langweilig. Das Bedürfnis nach Kontakt zu ihren gleichaltrigen Freundinnen und Freunden ist stark. «Wir mussten uns überlegen, wie und auf welchen Kanälen wir die Jugendlichen ansprechen können», sagt Richiger. Einerseits haben die Jugendarbeiter den Vorteil gehabt, dass sie schon vorher auf verschiedenen sozialen Medien aktiv waren.

Andererseits arbeitet jemand bei der Jugendinformation, der sich mit Social Media und anderen Plattformen sehr gut auskennt. So kommunizieren sie auch über Plattformen, die vor allem in der Gamerszene schon beliebt sind, die breite Bevölkerung jedoch noch nicht kennt. «So konnten wir nach dem ersten Schock in kürzester Zeit ein breites Angebot auf die Beine stellen und sind nicht aus allen Wolken gefallen.»

Von Yoga-Kursen bis Bastelstunden

Für die Zielgruppe der 10- bis 16-Jährigen bietet die Offene Jugendarbeit Ost/West beispielsweise digitale Jugendtreffs an, Netflix-Partys oder Workshops. «Es gibt online Yoga-Kurse, Mitarbeiter basteln mit den Jugendlichen oder zeichnen gemeinsam», sagt Donat Richiger. Die Rückmeldungen der Teilnehmenden seien bisher super. Wohl auch deshalb, weil die Mitarbeitenden der Offenen Jugendarbeit und der Jugendinformation die Jugendlichen von Anfang an ins Boot geholt hätten.

«Uns ist es sehr wichtig, dass die Jugendlichen selbst Inhalte produzieren und Ideen liefern.»

Bei den Jüngeren würden die Mitarbeiter noch mehr Initiative übernehmen. Bei der älteren Zielgruppe sind es hingegen vor allem die aktiven Betriebsgruppen der Kulturräume Flon und Talhof, welche die Plattformen mit Leben füllen. So organisieren sie zusammen mit der Jugendkultur für die Zielgruppe der 15- bis 26-Jährigen unter anderem Konzerte und DJ-Sets, die live über ihre Kanäle ausgestrahlt werden.

«Doch sie bieten auch verschiedene Kurse in Fotografie, Videoschnitt oder Breakdance. «Vor allem der Breakdance-Kurs, bei dem jeden zweiten Tag neue Schritte gelernt werden, findet bei den Jugendlichen grossen Anklang.» Aber auch die DJ-Konzerte würden stets gut besucht. «Die Betriebsgruppen finden es cool, dass trotz Lockdown in der Stadt noch etwas läuft, auch wenn die Veranstaltungen nur digital stattfinden.»

Doch die ganze Situation sei für die Jugendlichen schon schwierig. Auch die jüngsten Lockerungspläne des Bundesrates haben den Jugendlichen wenig in die Karten gespielt. «Für viele war es ein herber Dämpfer, dass Veranstaltungen noch länger nicht erlaubt sind», sagt Richiger. Doch sei den meisten klar gewesen, dass sie noch länger warten müssen, bis sie sich wieder in den Jugendkulturräumen der Stadt treffen können. Bisher habe sich der grosse Teil der Jugendlichen vorbildlich an die Vorgaben des Bundesrates gehalten. «Das darf auch mal gesagt sein.»

Ein Radio von Jugendlichen für Jugendliche

Damit die Jugendlichen auch in den kommenden Wochen in der digitalen Welt beschäftigt werden können, lanciert die Jugendarbeit der Stadt St.Gallen ein weiteres Projekt. «In diesen Tagen gehen wir mit einem Radiosender online», sagt Donat Richiger. Ausgestrahlt wird das Programm primär über die Videoplattform Twitch. «Die Sendungen können aber auch auf anderen Kanälen, wie zum Beispiel Youtube, ohne persönlichen Account mitverfolgt werden», sagt Richiger.

Sämtliche Links zu den verschiedenen Angeboten sind auf der Website der Stadt ersichtlich. Beim Projekt Radio9000 ist fast die ganze Dienststelle Kinder Jugend Familie involviert. «Mitarbeitende der Bibliothek werden beispielsweise Geschichten vorlesen», sagt Richiger. Aber auch die Offene Jugendarbeit, die Jugendberatung und die Jugendinformation sollen Inhalte generieren. «Dabei legen wir grossen Wert darauf, dass sämtliche Richtlinien des Bundesamts für Gesundheit eingehalten werden.»

Die Projekte der Jugendarbeit der Stadt St.Gallen haben über die Stadtgrenze hinaus für Ansehen gesorgt. «Wir haben verschiedene Anfragen erhalten, wie wir uns organisiert haben», sagt Donat Richiger. Dabei interessierten sich die Jugendarbeiter vor allem dafür, welche Plattformen die Offene Jugendarbeit nutzt. «Dabei setzten wir auf verschiedene Kanäle und konzentrieren uns nicht nur auf einen. So hätten sie unter anderem ihren Instagram-Auftrtitt ausgebaut. «Wir werden voraussichtlich auch in Zukunft vermehrt neben dem physischen auch unser digitales Angebot ausbauen.» Auch nach der Zeit mit Corona.