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Diskussion über den Kulturpreis der Stadt St.Gallen: Gegen die Vergabe im stillen Kämmerlein

Vergangene Woche hat die Nicht-Vergabe des Kulturpreises der Stadt an Milo Rau medial nochmals hohe Wellen geworfen. Einen vorläufigen Schlusspunkt setzte am Samstagabend eine spontan organisierte Podiumsdiskussion im Palace. Am spannendsten dabei war der Blick auf die mögliche Zukunft des Preises.
Reto Voneschen
Podiumsdiskussion zum Kulturpreis-Streit am Samstagabend im Palace mit (von links) Etrit Hasler, Sandra Meier und Moderator Kaspar Surber. (Bild: Benjamin Manser)

Podiumsdiskussion zum Kulturpreis-Streit am Samstagabend im Palace mit (von links) Etrit Hasler, Sandra Meier und Moderator Kaspar Surber. (Bild: Benjamin Manser)

Nein, das Podium vom Samstagabend war nicht ausgewogen: Im Palace diskutierten SP-Stadtparlamentarier und Autor Etrit Hasler, Kinok-Programmleiterin Sandra Meier und «WoZ»-Journalist Kaspar Surber. Am Telefon zugeschaltet war Theatermacher Milo Rau aus Köln. Im überraschend zahlreichen Publikum sassen Stadträtin Maria Pappa und der städtische Kommunikationschef Andreas Nagel; sie blieben aber Zuhörer und mischten in der Diskussion nicht mit.

Man habe bei der Zusammensetzung des Podiums bewusst auf Vertreterinnen und Vertreter der Stadt verzichtet, sagte Moderator Kaspar Surber am Anfang des Anlasses. Einerseits sei er spontan und sehr kurzfristig entstanden, anderseits wolle man für einmal bewusst die Perspektive der Kunstschaffenden diskutieren und ihre Sicht auf die Ungereimtheiten um die Vergabe des diesjährigen Kulturpreises zeigen.

Ein Einzelvorschlag, kein Zweierticket

Der erste Diskussionsblock, der Blick auf die Preisvergabe, brachte gegenüber der bisherigen Medienberichterstattung kaum Neues. Durch Sandra Meier, die das Verfahren in der Kulturkommission miterlebt hatte und nach Nichtberücksichtigung des Vorschlags des Gremiums wie zwei andere Mitglieder daraus zurücktrat, wurden Details geklärt.

Die Kulturkommission hat kein Zweierticket vorgelegt, sondern Milo Rau vorgeschlagen. Der Stadtrat zeigte sich Ende 2017 damit nicht einverstanden und wollte Alternativen. Die Kommission hielt an Rau fest. Die Stadtregierung verlieh den Preis darauf Felix Lehner. Dieser war in der Kulturkommission zuvor auch als valabler Kandidat diskutiert worden, doch wollten die Fachleute ihm den städtischen nicht unmittelbar nach dem kantonalen Kulturpreis verleihen.

Druck auf die Kulturkommission

Etrit Hasler erklärte nochmals seine Motive dafür, die Nichtverleihung des Preises an Milo Rau durch einen Vorstoss öffentlich zu machen. Aufgrund früherer Geschehnisse liege der Verdacht auf der Hand, dass der Stadtrat den «Provokateur und Störenfried Rau» – wie dieser sich selber bezeichnete – aus politischen Gründen nicht als Preisträger wollte. Darum habe er eingegriffen und sich über seine Expertenkommission hinweggesetzt.

"Die Debatte darüber, wie dieser Kulturpreis vergeben wurde, ist wichtig. Das durfte jetzt nicht stillschweigend über die Bühne gehen.»
Sandra Meier, Programmleiterin Kinok

Das Ganze habe man wie in früheren Fällen im stillen Kämmerlein abwickeln wollen, kritisierte Hasler am Podium im Palace. Dafür sei mit einem Gutachten des städtischen Rechtskonsulenten unter anderem massiv Druck auf die verbleibenden Mitglieder der Kulturkommission ausgeübt worden. Dieses Vorgehen, das dann in der Debatte eines ersten Vorstosses von Parlamentsmitgliedern mitgetragen worden sei, gehe gar nicht, zeigte sich Hasler erzürnt.

Transparente Verleihung

Daraus ergab sich in der Palace-Debatte eine erste Forderung für künftig Kulturpreisverleihungen: Diese müssten transparent erfolgen. Man müsse nachvollziehen können, wenn die Politik den einstimmigen Vorschlag der Kulturfachleute übergehe. Wie etwa in Berlin, wie Milo Rau das dortige Verfahren erklärte.

Die beste Lösung wäre in den Augen des Palace-Podiums eine künftige Verleihung wie beim Kanton durch ein Fach- und nicht durch ein politisches Gremium vornehmen zu lassen. Das wird im Stadtparlament auch noch diskutiert, weil Etrit Hasler eine Motion eingereicht hat, mit der er die Kompetenz für Preisvergaben vom Stadtrat in die Kulturkommission zügeln will. Darüber, dass man das mit einem – transparenten – Vetorecht des Stadtrats verknüpfen könnte, lasse er mit sich reden, sagte der SP-Parlamentarier im Palace.

Kunstschaffende müssen sich zeigen können

Ein anderes Thema für die Zukunft war am Podium die Schaffung von lokalen Auftrittsmöglichkeiten für Künstlerinnen und Künstler mit St.Galler Wurzeln. Dies sei unabdingbar, wenn man das Kriterium für die Vergabe von kulturellen Preisen beibehalten wolle, jemand müsse dafür in der lokalen Szene Spuren hinterlassen haben.

Viele Kunstschaffende müssten für ihre Ausbildung und ihren Karrierestart wegziehen. Damit sie danach im lokalen Kulturbetrieb wahrgenommen würden, müssten sie sich präsentieren können – so wie das in der Musik und in der bildenden Kunst bereits heute einigermassen funktioniere, sagte Milo Rau. Er kritisierte, dass Produktionen von ihm durch europäische und Schweizer Städte tourten, das Theater St.Gallen trotz verschiedener Anfragen aber nie Interesse daran gezeigt habe.

Ein alterntiver Kulturpreis?

«Und was machen wir jetzt weiter?», lautete am Samstagabend eine der letzten Publikumsfragen an der Kulturpreis-Diskussion im Palace. Sie löste im ersten Moment auf dem Podium leichte Ratlosigkeit und allgemein gehaltene Antworten aus: Die Stadtpolitik wird sich mit der Motion von SP-Stadtparlamentarier Etrit Hasler auseinandersetzen. Und wichtig sei es, bei Politik und Bevölkerung Verständnis für die Rolle der Kultur zu wecken, die nicht nur schön und unterhaltend sein, sondern auch provozieren, aufwecken und auch schockieren dürfe.

Auf die Frage, ob denn wirklich keine konkrete Aktion denkbar sei, liess Moderator Kaspar Surber durchblicken, dass es beim Palace-Team die Idee gibt, im Herbst einen alternativen Kulturpreis zu vergeben. Andiskutiert sei die Verleihung des «Goldenen Fussabdrucks». Dies in Anspielung auf das Argument des Stadtrates, Milo Rau habe in St.Gallen keinen «kulturellen Fussabdruck» hinterlassen und daher keinen Kulturpreis verdient.

Ob daraus tatsächlich etwas wird, ist gemäss Kaspar Surber derzeit völlig offen. Das Palace-Team werde sich darüber im Sommer aber ganz sicher weitere Gedanken machen. (vre)

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