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Dieser Gossauer Bauer verkauft sein Gemüse online über Abos

Rund um seinen Hof im Mädertal in Gossau pflanzt Landwirt Markus Bernhardsgrütter
75 Gemüsesorten an. Direkt vom Feld liefert er die Produkte in «Saisonboxen» zu seinen Kunden. Mittlerweile nutzen auch andere Bauern die Plattform.
Sandro Büchler
Landwirt Markus Bernhardsgrütter bringt sein Gemüse in Styroporboxen direkt zum Kunden. (Bilder: Benjamin Manser)

Landwirt Markus Bernhardsgrütter bringt sein Gemüse in Styroporboxen direkt zum Kunden. (Bilder: Benjamin Manser)

Die Sonne steht schon tief, als Markus Bernhardsgrütter den langen überdeckten Tunnel betritt. Darin gedeiht frischer Nüsslisalat. Auf einem Sitz mit vier Rädern schneidet Bernhardsgrütter einige Pflanzen ab und legt sie in die Styroporbox. In der quadratischen Kiste liegen bereits normale Kartoffeln, dazu eine Süsskartoffel, orange und gelbe Karotten und ein Sellerie.

«Zurzeit muss ich den Nüsslisalat am Abend richten, denn am Morgen ist er noch gefroren», sagt Bernhardsgrütter. Wenn es wärmer werde, pflücke er den Salat frühmorgens, bevor er losfahre. Von seinem Hof im Mädertal, etwas ausserhalb von Gossau, beliefert der Landwirt Kunden aus der ganzen Region mit seinem Gemüse. «Gmüäs und Obst direkt vom Buur», steht in geschwungenen Buchstaben am Heck seines Autos. «Da je nach Saison der Inhalt der Box wechselt, war der Name relativ schnell klar: Saisonbox», sagt der Bauer.

Zum Markt kommt neu der Online-Handel

Am Morgen hat Bernhardsgrütter neben dem Nüsslisalat Eichblatt- und Kopfsalat gesetzt, zudem hat er Rüebli und Spinat gesät. In einem Feld hinter dem Stall spriesst Urdinkel. 75 Gemüsesorten pflanzt Bernhardsgrütter an. Er beginnt aufzuzählen:

«Peperoni, Federkohl, acht verschiedene Tomatensorten, Randen, Schwarzwurzel, Lauch.»

Besonders beliebt seien die Zuckermelonen, sagt Bernhardsgrütter.
Was in die Box kommt, gibt die Jahreszeit vor. «Doch auch der Kunde entscheidet mit und kann seine Vorlieben angeben.» Einmal pro Woche, jeweils am Freitag, beliefert Bauer Bernhardsgrütter seine Kundschaft. «Auch eine Lieferung jede zweite oder dritte Woche ist möglich», sagt er. 20 bis 45 Franken, je nach Haushaltsgrösse, kostet die saisonal zusammengestellte Box. Für Geschäfte und Büros bietet er Lieferungen mit Obst an.

Mit diesem Konzept, den Konsumenten das Gemüse im Abonnement direkt ab Hof zu verkaufen, ist Bernhardsgrütter nicht allein. In den vergangenen Jahren schossen ähnliche Betriebe wie Pilze aus dem Boden. Er selbst kam vor rund zehn Jahren, als er sich zum Agrotechniker ausbildete, zum ersten Mal mit der Idee in Kontakt. «Für die Abschlussarbeit entwickelte ich eine Strategie zur Direktvermarktung über das Internet.» Dies lag ihm nahe: «Denn bereits meine Eltern verkauften ihr Gemüse am Gossauer Wochenmarkt selber.» Auch Bernhardsgrütter setzt sein Gemüse vorwiegend am Markt ab. Dazu kam nun der Online-Handel. Im Jahr 2012 tat er sich mit Matthias Ruoss zusammen. Sie gründeten ihre eigene Firma.

Kurze Wege, persönlicher Kontakt

Mittlerweile bietet der Gossauer die Online-Plattform anderen Landwirtschaftsbetrieben in der ganzen Schweiz an. «Von Murten über Zug bis nach Schaffhausen beteiligen sich findige Landwirte. Saisonbox macht die ganze Administration, von der Bestellung bis zum Verkauf.» Die Landwirte haben eines gemeinsam: «Wir sind allesamt junge, motivierte Unternehmer.» Ihr Innovationsgeist eint die Bauern.

Ökologie hat für sie einen hohen Stellenwert: «Wir brauchen keine Verpackungen, nur die wiederverwendbaren Boxen.» Mit hinein packt er eine gefrorene 1,5-Liter-Wasserflasche, um die Ware zu kühlen. Fleisch hat der Bauer ebenfalls im Angebot, dieses bezieht er bei der Metzgerei Ochsen. «Für den Transport wird das Fleisch zusätzlich gekühlt.» Klingelt der Bauer und seine Abnehmer sind nicht zu Hause, legt er die Box an einen vorbestimmten und schattigen Ort.

Bernhardsgrütters Transportwege sind kurz. «Bei uns ist alles nah», sagt er. «Regional ist bei den Grossverteilern teils ein weiter Begriff.» Sein Einzugsgebiet reicht von Uzwil über die Stadt St. Gallen hinaus und von Hauptwil und Waldkirch bis nach Herisau. Er kenne fast alle seine Kunden persönlich. «Wir wollen, dass es ihnen gut geht.»

«Den Wein liessen wir bleiben»

Doch nicht alles auf Bernhardsgrütters Hof funktioniert auf Anhieb: Er hat es mit Wein probiert. Der Bauernhof steht auf einem sanften Hügel; am Südhang – mit Blick zum Säntis – reihen sich Rebstöcke aneinander.

«Doch unser produzierter Wein war nicht wirklich geniessbar. Deshalb liessen wir es bleiben.»

Stattdessen brennt er aus den Trauben nun Grappa und vermischt den Schnaps mit Himbeeren zu einem süssen Likör. Himbeeren hat er reichlich: 735 Stauden wachsen auf seinem Betrieb. Bernhardsgrütter lacht: «Ja, wir sind immer offen für Neues.»

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