Diesen beiden sind Zähne heilig: Wenn der Sohn die Zahnarztpraxis des Vaters übernimmt

In der Zahnarztpraxis, im Familienkreis und im Ausgang in der Stadt St.Gallen: Sandro und Hansueli Keller reden oft über die Arbeit.

Livia Grob
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Die Zahnärzte Sandro (links) und Hansueli Keller arbeiten seit fast drei Jahren zusammen in der Familienpraxis. (Bild: Benjamin Manser)

Die Zahnärzte Sandro (links) und Hansueli Keller arbeiten seit fast drei Jahren zusammen in der Familienpraxis. (Bild: Benjamin Manser)

«Lueg, da isch jo min Zahnarzt.»

Dies hören Vater und Sohn häufig. Hansueli Keller führt seit 27 Jahren eine Praxis in Herisau. Auf der Strasse werden die beiden häufig von Patienten erkannt. «Wenn sich jemand freut, seinen Zahnarzt zu sehen, ist das ein gutes Zeichen», sagt Hansueli Keller. Denn vor dem Besuch beim Zahnarzt hätten viele ein wenig Angst. Mit einem flotten Spruch und etwas Einfühlungsvermögen lasse sich dies laut dem 61-Jährigen kurieren.

Humor sei wichtig, damit sich die Patienten in der Praxis wohlfühlten. «Als ich damals die Praxis an der St.Gallerstrasse in Herisau eröffnete, gab es noch nicht so viel Konkurrenz in der Branche. Das hat sich in den letzten zehn Jahren allerdings geändert.» So erzählt der Stadtsanktgaller mit Stolz von den Patienten, die teils aus der ganzen Schweiz kommen, um sich bei ihm die Zähne machen zu lassen. Seit 2002 befindet sich die Praxis an der Gossauerstrasse 2.

Einzig die Tochter hat mit Zahnmedizin nichts am Hut

Ausserhalb der Sprechstunden reden Vater und Sohn oft über ihre Arbeit. Auch Gina Keller, Hansuelis Frau, arbeitet in der Praxis. Am Familientisch werden sie aber gebremst. «Meine Tochter hat nicht viel mit Zahnmedizin am Hut», sagt Vater Keller. Beim Essen sei es nicht das beliebteste Thema, über die Zähne anderer zu reden.

Doch ausserhalb der Familie wird oft über Zähne gesprochen. Sandro Keller sagt etwa:

«Im Ausgang wollen die Leute häufig über ihre Zahnprobleme sprechen. Sie wollen Fragen stellen oder eine Auskunft haben.»

Das mache ihm nichts aus. Es sei eine gute Art, neue Patienten zu finden. Und er erzählt gerne von seinem Beruf. «Trotzdem schlage ich irgendwann einen Themenwechsel vor», sagt der 34-Jährige.

Sein Interesse an der Zahnmedizin war nicht immer so gross. «Als Jugendlicher zog es mich eher in Richtung Wirtschaft.» Nach der Matura merkte Sandro Keller aber schnell, dass dies nicht das Richtige für ihn war. Die Arbeit des Vaters habe ihn schon immer interessiert und bald sei er von dessen Faszination für den Zahnarztberuf angesteckt worden. «Ich absolvierte ein Studium und habe die Entscheidung nie bereut.»

Nach dem Studium ging der Sohn auf Wanderschaft

Nach dem fünfjährigen Studium in Zürich wollte der Sohn nicht sofort beim Vater in der Praxis anfangen. «Wir waren uns einig, dass ich zuerst anderswo Erfahrungen sammeln sollte.» Er ging, wie sein Vater es nennt, «auf Wanderschaft» und arbeitete in Chur und in Bischofszell.

Doch bereits seit fast drei Jahren betreut Sandro Keller jeweils montags in der Familienpraxis in Herisau Patienten. Bei dieser Arbeit – Vater und Sohn Schulter an Schulter – dürften Konflikte vorprogrammiert sein. Beide sagen: 

«Nein, bei uns klappt es. Wir harmonieren gut.»

Jeder habe seine Patienten und zwischendurch besprechen sie Fälle. Von Vater könne er viel lernen, sagt der Sohn. «Denn den jungen Zahnärzten fehlt es heute teils an technischem Wissen. Da habe ich als ehemaliger Zahntechniker Vorteile», sagt Hansueli Keller. Bevor er Zahnarzt wurde, arbeitete er während 14 Jahren als Zahntechniker.

Doch nun stehe in naher Zukunft seine Pensionierung bevor. Deswegen habe sein Sohn bereits einige Jahre vor dem Ruhestand des Vaters angefangen, in der Praxis zu arbeiten. «Es ist wichtig, dass die Patienten ihn kennen lernen», sagt Hansueli Keller. So könne er die Praxis später ohne Sorgen an seinen Sohn weitergeben.

Ganz zurückziehen möchte er sich aber noch nicht. Er plant, seinen Sohn als Ferienvertretung zu entlasten. «Ich bin sehr glücklich, bleibt mein Lebenswerk weiterhin in der Familie.»

Wie die Eltern

Der Apfel fällt nicht weit vom Stamm. Dieses bekannte Sprichwort meint, dass ein Kind Eigenschaften und Verhaltensweisen der Eltern übernimmt. In einer losen Serie porträtiert die «Tagblatt»-Stadtredaktion Familien, in denen ein Kind dasselbe macht wie die Mutter oder der Vater – beruflich, politisch, gesellschaftlich, sportlich oder künstlerisch. (red)