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Diese Waldkircherin ist die beste Elektroinstallateurin des Kantons

Claudia Niedermann hat die Lehrabschlussprüfung mit der Note 5,6 abgeschlossen. Das überrascht selbst sie.
Sandro Büchler
«Büroarbeit ist nichts für mich»: Claudia Niedermann bei ihrer Arbeit. (Bild: Urs Bucher)

«Büroarbeit ist nichts für mich»: Claudia Niedermann bei ihrer Arbeit. (Bild: Urs Bucher)

«Ich war total baff», sagt Claudia Niedermann. Vor kurzem hat sie die Lehrabschlussprüfung zur Elektroinstallateurin mit der Note 5,6 abgeschlossen – als Beste des Kantons St.Gallen. Laut den Prüfungsexperten ist Niedermann die erste Frau, die dieses Resultat geschafft hat.

Doch von ihrem Spitzenergebnis erfährt die 20-Jährige erst, als sie an der Diplomfeier auf die Bühne gerufen wird. In dem Moment habe sie alles noch gar nicht einordnen können, sagt Niedermann.

«Selbst jetzt ist die Note noch nicht richtig bei mir angekommen.»

Niedermann wächst auf einem Bauernhof in Waldkirch auf. Da habe sie schon in jungen Jahren häufig gewerkelt. Welche Lehre sie beginnen wollte, darüber hatte sie jedoch lange Zeit keine klare Vorstellung. «Ich habe in alle Richtungen geschnuppert.»

Bei der Wäger AG in Waldkirch, die Elektro- und Fotovoltaikanlagen plant und baut, hat es Niedermann von Beginn weg «mega gut gefallen». Nur gerade zwei Minuten hat sie vom Elternhaus zum Lehrbetrieb. Der kurze Weg sei aber nicht ausschlaggebend gewesen. Vielmehr sei es die Chemie im Team gewesen, die sie zum Start der Ausbildung im Unternehmen bewogen habe.

Wissensdurst forderte Lehrmeister heraus

Niedermann ist ein neugieriger Mensch. Sie wolle stets verstehen, wie etwas funktioniert. «Alles, was ich in die Finger nehme, will ich im Detail wissen und kennen.» So habe sie immer viele Fragen gestellt. Fragen, für deren Beantwortung ihr Lehrmeister teils selbst in Fachbüchern nachschlagen musste. Ihr Wissensdurst sei schon mitverantwortlich für den Prüfungserfolg, gibt Niedermann zu.

Geholfen hat ihr aber auch der Austausch mit den anderen zwei Lehrlingen der Wäger AG, die wie Niedermann die vier Jahre dauernde Ausbildung zum Elektroinstallateur absolvierten. Zwar haben sich die drei vorgenommen, regelmässig zusammen für die Abschlussprüfung zu lernen. Doch meist hätten sie die Köpfe spontan zusammengestreckt, als Fragen aufgetaucht seien. «Wir haben uns ein paar Mal am Samstag getroffen.» So hat sich das Trio gegenseitig angespornt. Auch ihr Lehrmeister hat die hauseigenen Lernenden vor der Prüfung mündlich abgefragt.

Sechs Frauen und 135 
Männer ausgebildet

Einmal in der Woche hat Niedermann die Berufsschule in St.Gallen besucht. In der 16-köpfigen Klasse waren drei Frauen. An der Abschlussfeier erhielten mit Niedermann sechs Frauen ihr Diplom – ihnen gegenüber standen 135 Männer. Die Waldkircherin sieht sich aber nicht als Vorreiterin in einem von Männern geprägten Handwerk.

«Es ist aber wichtig zu zeigen, dass es möglich ist, als Frau in einem technischen Beruf an der Spitze dabei zu sein.»

Wenn Niedermann auf Montage war, hat sie unterschiedliche Reaktionen erhalten. Die einen hätten sich gefreut, wenn eine Frau die elektrischen Schaltanlagen verkabelt, Stromleitungen zieht und Fotovoltaikanlagen auf Dächern installiert.

Doch auch Skeptiker habe es gegeben. Zu Beginn ihrer Ausbildungszeit haben Niedermann einige wenige Kunden gefragt: «Kannst du das?» Mittlerweile habe sich ihr Talent aber im Dorf und in der Region herumgesprochen. Ein Talent, das sie mit 
der Bestnote nur noch unterstrichen hat.

In der Arbeitsweise sieht die frischdiplomierte Elektroinstallateurin nur wenige Unterschiede zwischen Mann und Frau. «Ich weiss mir oft mit kleinen Tricks zu helfen.» Männer würden beispielsweise eine schwere Kabelrolle eher tragen. Sie hingegen rolle das Kabel Stück für Stück ab, sagt Niedermann.

Schwere Maschinen 
und Blasmusik

Der Elan und die Freude an der Arbeit ist bei der jungen Frau spürbar. Am liebsten sind Niedermann die kleinen Aufträge. «Einen Fehler suchen in einer Anlage, die nicht mehr läuft.» Denkaufgaben reizen sie. Die Elektroinstallateurin benutzt das Wort «chögle» dafür. Wenn es irgendwo stockt und harzt, motiviert sie dies, eine Lösung zu finden. «Die Ideen sind mir dabei noch nie ausgegangen.»

Niedermann erinnert sich an eines ihrer Projekte. Ein altes Riegelhaus in Waldkirch sollte sanft umgebaut werden. Die Diskussionen, wie man Stromkabel und Steckdosen platzieren soll, um die alten Holzbalken möglichst wenig zu tangieren, habe sie besonders gemocht.

Sie schätze aber den Abwechslungsreichtum, den der Beruf als Elektroinstallateurin mit sich bringe. Mit schweren Maschinen in einer Wand bohren, schlitzen und spitzen etwa.

«Zwischendrin etwas kaputt machen können, macht schon auch Spass.»

Auch wenn es dreckig und staubig wird, fühlt sich Niedermann wohl. Sie arbeite gerne mit den Händen. «Büroarbeiten sind nichts für mich», sagt sie keck. Vorderhand arbeitet sie auch nach den Sommerferien im Lehrbetrieb weiter. Weitergehende Pläne habe sie noch nicht. «Ich schaue, wo es mich hinzieht.»

Als Ausgleich zu ihrem Beruf hilft Niedermann mit den Tieren auf dem elterlichen Hof. Zudem spielt sie Kornett im Musikverein Waldkirch. Das Musizieren sei aber lediglich ein Hobby, betont Niedermann. «Da bin ich nicht so fleissig und stehe lieber in der zweiten Reihe.»

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