Diese vier Gemeinden haben wie Gossau die Charta für Lohngleichheit unterzeichnet

Gossau hat kürzlich die Charta für Lohngleichheit unterzeichnet. Auch in Wil, Degersheim, Oberuzwil und Rorschacherberg macht man gute Erfahrungen mit der Charta für Lohngleichheit. Das war's dann aber schon im Kanton St.Gallen.

Tobias Söldi
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SP-Stadtparlamentarierin Monika Gähwiler-Brändle hat sich mit einem Vorstoss für die Lohngleichheits-Charta eingesetzt. (Bild: Mareycke Frehner, 19. Oktober 2017)

SP-Stadtparlamentarierin Monika Gähwiler-Brändle hat sich mit einem Vorstoss für die Lohngleichheits-Charta eingesetzt. (Bild: Mareycke Frehner, 19. Oktober 2017)

Hinweis: In einer früheren Version dieses Artikels hiess es, Gossau habe die Charta nicht unterzeichnet. Das war falsch: Der Stadtrat fällte Anfang Juli den entsprechenden Beschluss, der allerdings noch nicht kommuniziert wurde.

Anfang Monat hat der Gossauer Stadtrat die «Charta der Lohngleichheit im öffentlichen Sektor» unterzeichnet. Dies nachdem Monika Gähwiler-Brändle (SP) eine entsprechende Interpellation eingereicht hatte.

Damit ist Gossau in einen exklusiven Kreis vorgestossen: Nur Wil, Degersheim, Oberuzwil und Rorschacherberg hatten zuvor schon unterzeichnet. Dies, obwohl der Bund bei Angestellten des Bundes, der Kantone und der Gemeinden einen unerklärbaren Lohnunterschied von durchschnittlich 35 Prozent zwischen Männern und Frauen festgestellt hat. Das entspricht 522 Franken im Monat. Im Thurgau haben neun Gemeinden die Charta unterzeichnet.

«Zeigen, dass wir 
wirklich dazu stehen»

In Degersheim ist man sich bewusst, dass Handlungsbedarf besteht. «Uns ist es sehr ernst. Die Lohngleichheit muss man wirklich umsetzen», sagt Gemeindepräsidentin Monika Scherrer. Um diesem Bemühen Gewicht zu verleihen, hat sie am 11. Juni die Charta unterschrieben.

«Es ist eine Kultur, die man leben und verinnerlichen muss.»

Dass dies in den Büros der Gemeinde Degersheim bereits geschehe, zeigten etwa die vielen Abteilungen, die von Frauen geführt würden.

Den Ausschlag, die Charta zu unterschreiben, habe aber eine ganz praktische Überlegung gegeben: Es geschah nämlich im Zuge der ohnehin notwendigen Anpassung des Lohn- und Personalreglements. Was kommt nun auf die Gemeinde zu? «Im Moment noch nicht viel. Aber längerfristig bedeutet es, zu überprüfen, ob wir die Bedingungen einhalten, und wenn nicht, zu schauen, welche Massnahmen wir treffen müssen.» Man müsse zudem sicherstellen, dass auch die Auftragnehmer der Gemeinde die Lohngleichheit einhielten.

Die Stadt Wil hat 
eine Vorbildfunktion

Die Stadt Wil hat die Charta am 2016 gleich nach der Lancierung unterzeichnet. Stadtpräsidentin Susanne Hartmann erinnert sich:

«Ich war überrascht, dass wir die erste Gemeinde im Kanton waren.»

Auch sie sagt: «Es gibt keinen Grund für einen Unterschied im Lohn zwischen Frauen und Männern.» Gewährleistet wird die Lohngleichheit in Wil durch ein Bewertungssystem, mit dem der Lohn eines Jobs bestimmt wird. Faktoren wie die Erfahrung des Arbeitnehmenden, die Aufgabenbreite oder die Ausbildung spielen hier eine Rolle. «Das Geschlecht ist darin kein Parameter», sagt Hartmann. Vor diesem Hintergrund sei die Unterzeichnung der Charta auch ein Zeichen gewesen, das der weiteren Sensibilisierung nach innen und nach aussen dient.

Ähnliches hört man aus der Gemeinde Oberuzwil, welche die Charta im Februar dieses Jahres unterschrieben hatte. Es sei seit Jahren klar, dass Frauen und Männer für die gleiche Arbeit bei gleicher Ausbildung und Erfahrung den gleichen Lohn erhielten.

Die Unterschrift soll ein Zeichen sein

Die Frage stellt sich allerdings: Warum eine Charta unterschreiben, wenn Gleichberechtigung doch längst eine Selbstverständlichkeit ist? «Uns ging es zuerst genauso», sagt Gemeindepräsident Cornel Egger. «Durch das Unterzeichnen möchten wir auch zur Sensibilisierung beitragen und offen kommunizieren.»