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Diese Lebensmittel sind zu gut für die Tonne: Die App «Too Good To Go» ist in St.Gallen auf dem Vormarsch

Mit der App «Too Good To Go» können Konsumenten in Restaurants und Geschäften unkompliziert Lebensmittel abholen, die sonst im Abfall landen würden. Vor rund einem Monat ist das Angebot in St.Gallen gestartet, bald kommen weitere Partner dazu.
Luca Ghiselli
Die App «Too Good To Go» ermöglicht es Konsumenten, Lebensmittel von Geschäften und Restaurants abzuholen, die sonst in der Tonne landen würden. (Bild: Urs Bucher)

Die App «Too Good To Go» ermöglicht es Konsumenten, Lebensmittel von Geschäften und Restaurants abzuholen, die sonst in der Tonne landen würden. (Bild: Urs Bucher)

117 Kilogramm. So viel Lebensmittel werden in der Schweiz pro Kopf und Jahr weggeworfen. Food Waste ist für Endkonsumenten, Hersteller und Grossverteiler gleichermassen ein Problem. Dass Lebensmittel in der Tonne landen, die eigentlich einwandfrei sind, ist hierzulande alles andere als eine Seltenheit. Die Gründe dafür sind vielfältig: Unnötige Einkäufe, Qualitätsmangel, strenge Ablaufdaten.

Und so viele Ursachen Food Waste hat, so viele Initiativen dagegen wurden in den vergangenen Jahren bereits lanciert – auch in St.Gallen. Die Rest-Ess-Bar zum Beispiel: Sie sammelt Lebensmittel bei Grossverteilern und Geschäften ein, die sonst in der Tonne landen würden. Diese stellt sie dann in einem Gemeinschaftskühlschrank allen zur Verfügung. Oder die Äss-Bar beim Spisertor-Kreisel: Sie sammelt Brot von Bäckereien und bietet es am nächsten Tag günstig zum Verkauf an.

Bis zu 60 Prozent günstigere Lebensmittel

Mit «Too Good To Go» ist Anfang Jahr ein weiteres Projekt gegen Food Waste nach St.Gallen gekommen. Die App bringt Restaurants und Lebensmittelgeschäfte mit Endverbrauchern zusammen. Die einen haben nach dem Verkaufstag oder dem Service übrige Lebensmittel, die sie sonst wegwerfen müssen. Und die anderen können einwandfreie Lebensmittel viel günstiger – zum Teil mit Rabatten von bis zu 60 Prozent – einkaufen.

In der Region St.Gallen sind derzeit neun Betriebe bei «Too Good To Go» dabei: Die Sushi-Kette Yoojis und das Caffè Spettacolo im Bahnhofsgebäude, die asiatischen Restaurants Tibet Corner und Samosa in der Altstadt, die Chocolaterie Kölbener an der Gallusstrasse, das Restaurant Pärkli sowie die Dunkin'-Donuts-Filiale im Säntispark in Abtwil und Tiara's Bakery an der Goliathgasse.

Auch die Delikatessenabteilung von Globus bietet seit einigen Tagen Lebensmittel auf «Too Good To Go» an. Was an Feinkost tagsüber im Laden liegen bleibt und sonst ablaufen würde, können Kunden hier zwischen 18.30 und 19 Uhr abholen. Was in den Taschen ist, variiert von Tag zu Tag. Auf der App wird der Inhalt denn auch nicht ausgewiesen, sondern ist immer eine Überraschung.

Globus ist in St.Gallen in einer Testphase

Globus-Mediensprecherin Marcela Palek bestätigt auf Anfrage die Partnerschaft mit «Too Good To Go». Aktuell laufe ein Testbetrieb in ausgesuchten Filialen, darunter auch in St.Gallen. Die Zusammenarbeit mit den App-Entwicklern soll aber noch weitergehen. «Derzeit sind wir in der Umsetzungsphase in allen Globus-Warenhäusern mit Delikatessen-Abteilungen», sagt Palek.

Es sei nicht der erste Effort, den Globus leiste, um das Food-Waste-Problem zu bekämpfen. An verschiedenen Standorten habe man bereits Kooperationen mit «Tischlein deck dich», der Schweizer Tafel oder mit dem Hilfswerk des kürzlich verstorbenen Pfarrers Ernst Sieber in Zürich.

«Tibits» ist auch bald dabei

Die Verantwortlichen von «Too Good To Go »zeigen sich mit dem Start in St.Gallen sehr zufrieden. «Für uns zählt jede gerettete Mahlzeit», sagt Marketing-Verantwortliche Delia Kurtovic. Man sei aber noch lange nicht am Ziel und wolle deshalb schon bald weitere Partner gewinnen. «Dazu veranstalten wir bald einen sogenannten City Launch, mit dessen Hilfe wir noch stärker auf Food Waste und unsere Lösung dafür aufmerksam machen wollen.»

Seit die App Anfang Januar auch in St.Gallen gestartet ist, seien bereits 250 Mahlzeiten vor der Tonne gerettet worden, sagt Delia Kurtovic. Das entspricht etwa sechs Mahlzeiten pro Tag. Schweizweit sind es sogar 28'000 Portionen. Und es sollen in Zukunft noch viel mehr werden. Man sei bereits mit weiteren St.Galler Partnern im Gespräch, sagt Kurtovic. «Das vegetarische Restaurant Tibits wird demnächst in der App aufgeschaltet.» Ausserdem sei die Zusammenarbeit mit grösseren nationalen Ketten sowie regionale Bäckereien in Planung.

Migros wartet Pilotversuche in Basel und Luzern ab

Grossverteiler halten sich bei der Zusammenarbeit mit «Too Good To Go» in der Ostschweiz noch zurück. Migros und Coop testen die App-Partnerschaft seit Oktober 2018 in einigen ausgewählten Filialen. Andreas Bühler, Leiter Kommunikation der Migros Ostschweiz, sagt auf Anfrage, man verfolge die Erkenntnisse der Kollegen in Luzern und Basel aufmerksam.

«Grundsätzlich begrüssen wir alle Initiativen, die einen Beitrag dazu leisten, dass Lebensmittel als solche verwendet werden», sagt Bühler. Ob auch Ostschweizer Migros-Märkte bald mit der App zusammenspannen, um Food Waste zu vermeiden, ist aber noch offen:

«Im Pilotversuch wird sich zeigen, wie gross die Akzeptanz einer solchen App-Lösung bei den Kunden ist».

Auch Fragen bezüglich des Umgangs mit der Technologie in den Verkaufsstellen seien noch offen.

Kühlschrank der Rest-Ess-Bar an neuem Standort

Der Gemeinschaftskühlschrank der Rest-Ess-Bar in St.Gallen hat einen neuen Standort. Von der Dürrenmattstrasse 24 im Lachen-Quartier ist er per Anfang Jahr an die Winkelbachstrasse zur Stami-Kirche nach St.Fiden gezügelt worden. Grund dafür waren Probleme am alten Standort. So hätten Einzelne jeweils das Essen regelrecht aus dem Kühlschrank «gehamstert», wie ein Vorstandsmitglied des Vereins im März 2018 gegenüber dem «Tagblatt» sagte. (ghi)

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