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Neue Diskussionen um die Sana Fürstenland: Diese IG will das Pflegeheim in Gossau überdenken

Im Herzen von Gossau soll ein neues regionales Pflegeheim entstehen. Der Bau ist durch einen Rekurs blockiert. Und nun will eine fünfköpfige IG nochmals über die Bettenzahl reden.
Johannes Wey
Auf dem Areal des Andreaszentrums soll ein neues Pflegeheim entstehen. Die Pläne sind umstritten. (Bild: Samuel Schalch/Benjamin Manser)

Auf dem Areal des Andreaszentrums soll ein neues Pflegeheim entstehen. Die Pläne sind umstritten. (Bild: Samuel Schalch/Benjamin Manser)

Die Katze ist aus dem Sack: Beim CVP-Informationsanlass über den Planungsstand des neuen Pflegeheims der Sana Fürstenland AG outete sich Marius Thürlimann als Mitglied der IG für ein optimiertes Pflegeheim (Igop). Die Gruppe habe sich Anfang Jahr in aller Stille gegründet. Die Blockade des Projekts (siehe unten) sei der ideale Zeitpunkt, die Pläne zu überdenken.

In der Zwischenzeit hat sich die Igop mit einem vierseitigen Dokument vorgestellt. Nebst Thürlimann sind FDP-Stadtparlamentarier Sandro Contratto, Urs Tanner, Trudi Weibel und Hans Züst die weiteren Mitglieder. Züst hatte sich schon früher für ein Heim am bisherigen Standort Espel eingesetzt. Die Gruppe wolle sich für einen Marschhalt einsetzen. Man lehne ein neues Heim nicht ab, doch das geplante Projekt erscheine mit 100 Betten «eindeutig überdimensioniert».

Ihr Ziel erreichen will die Igop über Gespräche mit dem Stadtrat und über das Parlament, wie Tanner erklärt. Das sei der einzige Weg, da die Stadt Gossau mit 80 Prozent Hauptaktionärin der Sana Fürstenland sei. Genau darum befürchte man bei einem überdimensionierten Heim hohe Kosten für den Steuerzahler.

Berechnungsgrundlage des Kantons hat sich geändert

Ein Hauptargument der Igop ist, dass der Kanton seit vergangenem Jahr von einem geringeren Anstieg beim Bedarf an Pflegeplätzen ausgeht. Grund dafür ist, dass Betagte mit geringem Pflegebedarf heute und in Zukunft lieber zu Hause ambulante Pflege in Anspruch nehmen. Deshalb definiert der Kanton den Bedarf an Pflegeplätzen neu anhand einer Bandbreite: Wer eine gut ausgebaute ambulante Pflege bietet, kann sich in der unteren Hälfte der Bandbreite bewegen, ansonsten müssen mehr Pflegeplätze bereitgestellt werden.

Gossau verfügt derzeit über 290 Pflegebetten, verteilt auf die Sana Fürstenland sowie die Heime Abendruh, Vita Tertia und Casa Solaris. Die Igop geht davon aus, dass in Gossau bis 2035 weniger Betten benötigt werden. Denn die Jahre, die aufgrund der zunehmenden Lebenserwartung hinzugewonnen würden, seien «meist behinderungsfrei» und die nur leicht Pflegebedürftigen würden künftig «dank gut ausgebauter Spitex» zu Hause betreut.

«Der Bedarf an Pflegeplätzen nimmt tendenziell eher ab», sagt Urs Tanner von der Igop. Deshalb müsse die Sana Fürstenland AG die Plätze der Heime Schwalbe und Espel nicht vollständig im Neubau ersetzen. Im Vergleich zum ursprünglichen regionalen Pflegeheim seien weniger Gemeinden beteiligt: Waldkirch ist gar nicht mehr, Gaiserwald nur gering involviert.

Massiver Ausbau bei ambulanter Pflege nötig

Gregor Baumgartner, Abteilungsleiter Alter beim kantonalen Amt für Soziales, korrigiert die Zahl auf rund 250. «Damit liegt die Igop leicht zu tief. Wichtig ist aber, dass die Zahl richtig interpretiert wird», sagt Baumgartner.

Die Untergrenze gehe davon aus, dass sämtliche Personen mit einem Pflegebedarf von unter 40 Minuten pro Tag zu Hause oder in alternativen Angeboten betreut würden. Und selbst ohne Verlagerung vom stationären in den ambulanten Bereich sei in Gossau bis 2035 aufgrund der demografischen Veränderung ein Ausbau der ambulanten Pflege um über 55 Prozent nötig. Mit der Planung von 290 stationären Plätzen liege Gossau in der unteren Hälfte der Bandbreite.

Stadträtin Helen Alder Frey hat von der Igop bereits einen Brief erhalten und zeigt sich gesprächsbereit: «Ich höre mir gerne an, was die Igop zu sagen hat.» Trotzdem ist Alder skeptisch gegenüber dem Vorhaben der Igop: «Ich bin grundsätzlich der Meinung, dass wir ein sehr gutes Projekt haben, das Gossau in dieser Form auch braucht.» Die Argumente der Igop könne sie alleine aufgrund des Briefs nicht nachvollziehen. Zudem wundere sie sich über den Zeitpunkt, zu dem die Gruppe aktiv wird: «Es liegen keine neuen Fakten auf dem Tisch. Am Projekt wird seit Jahren intensiv gearbeitet. Und der Rekurs ist ebenfalls seit geraumer Zeit hängig.»

Die Argumente der Einsprecher

Der Grund, weshalb es beim Neubau der Sana Fürstenland AG nicht weitergeht, ist ein Rekurs, der derzeit beim Baudepartement hängig ist. Beim jüngsten Informationsanlass gab es deswegen Vorwürfe an die Adresse von Anwohner und Einsprecher Alex K. Fürer: Aus Sorge um «seine persönliche Säntissicht» wolle er das Projekt verzögern.

Fürer bestreitet das: «Den Säntis würde ich auch weiterhin sehen.» Und tatsächlich: Der Blick auf den Alpstein würde zwar eingeschränkt, doch der Säntis selbst bliebe durch eine Lücke zwischen den höchsten Baukörpern sichtbar.

Zudem sei er nicht der einzige Einsprecher gegen den Gestaltungsplan Sana Fürstenland sowie den Teilzonenplan und den Teilstrassenplan. Die Einsprache habe er mit der KFK Immobilien AG, die ebenfalls Liegenschaften in der unmittelbaren Nachbarschaft besitzt, eingereicht.

Die Kritikpunkte in der elfseitigen Einspracheergänzung sind zahlreich. Unter anderem seien die Ausmasse des Neubaus nicht visiert worden. Die Einsprecher berufen sich unter anderem auf ein Urteil des Verwaltungsgerichts, wonach ein Überbauungsplan praktisch ein Baugesuch darstelle. Dieses Urteil sei vom Bundesgericht geschützt worden. Somit gelte das gleiche für einen Gestaltungsplan, finden die Einsprechenden, weshalb das Projekt hätte visiert werden müssen. «Der Fall ist dem Stadtrat Gossau bekannt, weil er die Stadt Gossau betroffen hat.» Damals ging es um den Überbauungsplan Fenn-Geissberg.

Weitere Kritikpunkte sind die Abmessungen und die gemäss Einsprechern zu geringe Zahl an Parkplätzen. Zudem sind ihrer Ansicht nach privat finanzierte Alterswohnungen in der Zone für öffentliche Bauten nicht zulässig.

In die Einsprache hat Fürer aber auch grundsätzliche Erwägungen einfliessen lassen: Ein Projekt der öffentlichen Hand sei nicht nötig, da private Anbieter, die bereits in Gossau tätig seien, den Bedarf decken könnten. Der Standort sei falsch für eine Demenzstation, es sei unverständlich, weshalb man diese nicht im «Espel» realisiere. «Ich habe meine Einwände gegen das Projekt immer wieder kundgetan. Die Einsprache ist für mich auch eine Möglichkeit, eine schlechte Lösung zu verhindern», sagt Fürer. Mit der IG für ein optimiertes Pflegeheim stehe er in Kontakt, sei aber bewusst kein Mitglied. (jw)

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