Thomas Scheitlin: «Diese Antwort ist unbefriedigend»

Die St. Galler Regierung drückt beim Ausbau der S-Bahn in der Stadt St.Gallen auf die Bremse. Vor 2035 seien keine Verbesserungen zu erwarten, hält sie in der Antwort auf eine Einfache Anfrage der St.Galler Stadträte Thomas Scheitlin und Sonja Lüthi fest. Stadtpräsident Thomas Scheitlin will das nicht auf sich sitzen lassen.

David Gadze
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Der St. Galler Stadtpräsident Thomas Scheitlin (Bild: PD)

Der St. Galler Stadtpräsident Thomas Scheitlin (Bild: PD)

Thomas Scheitlin, was sagen Sie zur Antwort der Regierung auf Ihren Vorstoss?

Diese Antwort ist unbefriedigend. Man sagt uns eigentlich nur, dass in den nächsten Jahren praktisch keine Verbesserungen zu erwarten sind. Wenn die Regierung bloss schreibt, sie erachte den Viertelstundentakt an den städtischen Bahnhöfen als «erstrebenswert», dann ist das zu wenig.

Sie hätten also mehr Unterstützung von der Regierung erwartet?

In den Richtplänen des Kantons und der Stadt St.Gallen sowie im Agglomerationsprogramm ist der Viertelstundentakt in der Stadt, aber auch auf dem ganzen Korridor Wil–St.Gallen–Rorschach als Ziel formuliert. Wenn es nun heisst, die Regierung wolle sich dafür einsetzen, dass das erst im Ausbauschritt 2030/35 eingeführt wird, kann das nicht in unserem Sinn sein.

Was wäre in Ihrem Sinn gewesen?

Man hätte beispielsweise schauen können, welche Optimierungen möglich wären ohne Infrastrukturausbauten – etwa durch Anpassungen am Fahrplan. Aber davon ist kein Wort zu lesen. Auch deshalb spüre ich wenig Druck und Willen, Verbesserungen am städtischen S-Bahn-System vorzunehmen. Dabei wären diese vor allem auch im Hinblick auf die Stadtentwicklung wichtig: Wenn sich das Areal zwischen Winkeln und Gossau wie geplant entwickelt, muss auch der Bahnhof Winkeln berücksichtigt werden. Dasselbe gilt für den Bahnhof St.Fiden. Und in Bruggen und Haggen sind in den vergangenen Jahren zahlreiche neue Wohnungen entstanden und es wird weiter gebaut. Deshalb muss sichergestellt sein, dass der Takt stimmt.

Die Regierung schreibt aber, dass die S-Bahn in der Stadt St.Gallen knapp die Mindestvorgaben für den Kostendeckungsgrad erfüllt. Die Nutzung an den Stadtbahnhöfen liege unter den Erwartungen, was insbesondere am gut ausgebauten Busnetz liege. Was sagen Sie dazu?

Gerade weil das S-Bahn-Angebot ungenügend ist, müssen wir ein gutes, dichtes Busnetz zur Verfügung stellen. Denn die S-Bahn deckt die Bedürfnisse nicht ab. Und schon ab Ende dieses Jahr wird es teilweise noch schlechter.

Braucht es ein gutes Angebot, damit die Nachfrage steigt, oder muss zuerst die Nachfrage da sein, bevor man das Angebot ausbaut?

Es braucht ein gutes Angebot. Wenn es die Möglichkeit gäbe, von Winkeln oder Bruggen im Viertelstundentakt zum Hauptbahnhof oder nach St. Fiden zu gelangen, würden viel mehr Personen den Zug nützen. Davon bin ich überzeugt. Der Kanton muss sich die Frage stellen, was das Ziel der S-Bahn sein soll.

Wird der Stadtrat in dieser Sache weiter Druck machen?

Ja, das werden wir. Wir warten aber zunächst die Antwort der vorberatenden Kommission ab. Dann müssen wir schauen, wo wir unsere Anliegen platzieren können. Wir werden jedenfalls nicht Ruhe geben.