Die zweite Welle ist zu viel für die Äss-Bar St. Gallen: Geschäft, das Beitrag gegen Foodwaste leistet, geht zu

Die Äss-Bar, ein Geschäft, das Brot vom Vortag verkauft, schliesst nächste Woche die Türen. «Wäre Corona nicht eingetreten, hätten wir der Filiale mehr Zeit geben können, sich zu entwickeln», heisst es beim Unternehmen.

Diana Hagmann-Bula
Drucken
Teilen
Muss in der zweiten Welle aufgeben: Äss-Bar St. Gallen.

Muss in der zweiten Welle aufgeben: Äss-Bar St. Gallen.

Bild: Arthur Gamsa

Wegen Corona geschlossen. Ab Samstag, 28. November, gilt das auch für das Geschäft Äss-Bar an der Spisergasse 9 in St. Gallen. Nicht dass das Virus das ganze Verkaufsteam ins Bett geworfen hätte, nein. Der Laden bleibt für immer zu. «Das wirtschaftliche Risiko ist zu gross geworden», sagt Nadja Zehnbauer, zuständig fürs Marketing bei der Äss-Bar GmbH.

«Der Standort hatte keine Chance»

Anfang Jahr war das Geschäft von der Lämmlisbrunnenstrasse an die Spisergasse gezogen. «In St. Gallen lief das Geschäft schon immer harziger als in den anderen elf Filialen, die wir in der Schweiz noch führen», sagt Zehnbauer. Man hoffte auf mehr Beachtung am belebteren Standort, auf mehr Laufkundschaft. Doch dann kam die erste Welle. Zehnbauer: «Der Standort hatte keine Chance.»

Im Frühling habe man noch gedacht, dass sich die Situation entspanne. Die Äss-Bar-Crew freute sich auf einen guten Sommer. «Nun ist die Situation wieder ungewiss. Wir mussten diesen Schritt machen», sagt Zehnbauer. In der ersten Welle sei der Umsatz des Unternehmens um 60 Prozent gesunken, nun, in der zweiten Welle, würden die Einbussen 20 bis 30 Prozent betragen.

«Die anderen Filialen können St.Gallen nicht mehr quersubventionieren.»

Ein Grossteil der Bevölkerung sitzt im Homeoffice, keine Znünipause, kein Mittagsimbiss, stattdessen schmieren sich die Menschen ihr Sandwich selber, daheim in der Küche, zwischen zwei Telefonkonferenzen. «Das spüren wir.»

Sechs Mitarbeiter betroffen

Die Äss-Bar GmbH hat den sechs Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern gekündigt. «Eine Person geht zum Glück in Pension, eine andere Person hat an zwei Standorten gearbeitet. Das Pensum in der anderen Filiale kann sie fortsetzen», sagt Zehnbauer. Nicht nur die Crew selber sei enttäuscht, auch Stammkunden hätten per Facebook und Instagram ihre Emotionen geteilt. Mitarbeiterin Maria Städler ist eigentlich gelernte Polygrafin. Sie habe sich nie vorstellen können, im Verkauf zu arbeiten. «Bis ich von der Äss-Bar gehört habe. Hier steckt ein toller Gedanke dahinter. Das hier ist mehr als ein Job.»

Von gestern und noch immer einwandfrei

Mit der Äss-Bar geht nicht nur ein St. Galler Geschäft, sondern auch ein Stück Nachhaltigkeitsgedanke verloren. Eintreten, Brot von gestern kaufen, weitermachen im Alltag: An der Spisergasse 9 konnte jeder ein klitzekleines Bisschen gegen Foodwaste bewirken, innert weniger Minuten. Jeden Morgen holte der Äss-Bar-Lastwagen bei Bäckereien der Stadt Überschuss ab. Brötchen, Sandwiches, Gebäcke, Salate von gestern. Aber noch so lecker wie gestern. Ab Ende nächster Woche wird persönliches Engagement gegen Lebensmittelverschwendung etwas umständlicher.