Jahresrückblick Gossau: Die zerschlagene Hoffnung und der Plan B

In Gossau bleiben von 2019 die Diskussionen um die Sana Fürstenland in Erinnerung. Die Zuversicht weicht hitzigen Wortgefechten.

Johannes Wey
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Visiere zeugen von den Plänen, das Altersheim Schwalbe um ein Provisorium zu ergänzen.

Visiere zeugen von den Plänen, das Altersheim Schwalbe um ein Provisorium zu ergänzen.

Ralph Ribi

Mitte Jahr drängt sich in Gossau ein Thema zurück in den Vordergrund, das sich zum Dauerbrenner entwickelt hat: Das kantonale Amt für Raumentwicklung genehmigt die Sondernutzungspläne für den Pflegeheim-Neubau der Sana Fürstenland AG. «Ich habe grosse Hoffnung, dass es nicht zum Rekurs kommt», sagt Kathrin Hilber, die Verwaltungspräsidentin der Sana Fürstenland, im Juni.

Zwei Wochen später zerschlagen sich diese Hoffnungen: Alex K. Fürer und die KFK Immobilien AG legen erneut Rekurs ein. Sie haben bauliche, aber auch grundsätzliche Einwände gegen das Projekt und pochen darauf, dass das Baudepartement die Pläne prüft – aus ihrer Sicht wäre das die erste unabhängige Beurteilung des Projekts. Das Rekursverfahren dauert weiter an.

Im Altersheim Espel geht es nicht mehr weiter

Der erneute Rekurs setzt Sana und Stadtrat unter Zugzwang. Am 3. September informieren sie Medien und Stadtparlament darüber, dass es im Altersheim Espel nicht weiter geht. Das Haus ist seit Jahren ein Sanierungsfall, wobei der Investitionsbedarf in Erwartung des Neubaus je länger je grösser geworden ist. Nun enthüllen die Verantwortlichen ihren Plan B: Um die Zeit bis zum Bezug des Neubaus zu überbrücken, soll das Altersheim Schwalbe um ein Provisorium mit 37 Zimmern ergänzt werden.

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Urs Bucher

Der «Espel» wird geschlossen, zwölf Stellen gestrichen. Die Sana erwartet damit Einsparungen von einer Million Franken im Jahr. Im Rekordtempo gleist eine vorberatende Kommission das Geschäft auf, im November genehmigt das Stadtparlament mit nur einer Gegenstimme drei Millionen Franken, die drei Viertel der Kosten für das Provisorium decken sollen. Angesichts der Summe ist das Zähneknirschen in den Voten der Parlamentarier fast hörbar.

Doch der Widerstand hat sich bereits formiert: Sandro Contratto, die einzige Gegenstimme im Parlament, kündigt noch während der Sitzung das Referendum an. Schon zuvor hat die IG für ein optimiertes Pflegeheim (Igop), der Contratto angehört, Kritik an den Plänen für das Provisorium geäussert: Die Möglichkeit, die Bewohnerinnen und Bewohner des «Espels» bis zum Bezug des Neubaus in privaten Heimen unterzubringen, sei nicht geprüft worden.

Giftige Debatte lässt harten Abstimmungskampf erwarten

Auch die Befürworter haben sich schon vor der Parlamentssitzung organisiert, wie sich in den Leserbriefspalten zeigt. Mit Beginn der Unterschriftensammlung der Igop nimmt die Intensität der Diskussion zu. Das Befürworterkomitee «Pro-Visorium» tritt auf, der Ton der Leserbriefe wird giftiger: Provisoriumsbefürworter unterstellen den Gegnern finanzielle Eigeninteressen und Kungeleien mit privaten Heimbetreibern, die Gegner kontern mit dem Vorwurf der Demokratiefeindlichkeit.

Dessen ungeachtet hat die Igop scheinbar mühelos die nötigen 600 Unterschriften für das Referendum zusammengebracht und am 23. Dezember der Stadtverwaltung übergeben. Damit steht Gossau im neuen Jahr ein hitziger Abstimmungskampf bevor. Die bisherigen Wortgefechte waren nur ein Vorgeschmack.